Mittwoch, 3. August 2016

Homage an Werner Finck –1902 >1978—

Werner Finck ist viel mehr als ein genialer Kabarettist gewesen, er war ein Humanist im wahrsten Sinne des Wortes.
Oft denke ich an seine Gedichte, am Häufigsten wenn ich nach längerem Verzicht mal wieder, irgendwo auf der Welt ins Meer wate.
Ja da fällt mir sein Gedicht „Der Zögerer“ wieder ein und ich ärgere mich oft, dass mir meinige Worte fehlen, wenn ich es „in Petto“ vor mich hin murmle. Nun also ,und zwar in extenso, ohne Gedächtnislücken  : Der Zögerer.


Wenn sich des Meeres salzige Substanz
Mit nassem Schlag um seine Lenden schlingert,
Verspürt man, wie sich seine Arroganz,
Bei jedem Atemzug verringert.

Die Brust wird nass, er winselt vor Vergnügen,
Hineingetaucht! und alles ist vorbei.
Schon zählt er, um sich zu belügen.
Erst zählt er eins, dann zählt er zwei.

Dann zählt er langsam in der Runde
Das Volk am Strande, bis er landwärts strebt.
Und zählt gerade diese halbe Stunde,

Zum schönsten was er je erlebt.

Dienstag, 2. August 2016

Urlaubs-Mitbringsel der kleinstren Art

Im Google Artikel  über  Norovirus Infektionen steht, dass es ausser  subfrebilen Temperaturen, Gliederschmerzen Übelkeit und Durchfall auch zu Geschmacksverlust kommen kann. Erklärt dies, dass ich mir zwischen zwei Gängen zur Toilette am Fernsehen so geschmackloses Zeug reinziehe?? 

Montag, 1. August 2016

Venezianische Idylle

Gut erinnere ich mich noch an die Zeit in den frühen Sechzigerjahren, als ich das erste Mal im Hochsommer in Venedig weilte. Die ganze Stadt –um es euphemistisch zu sagen— roch seltsam. Dann wurde, auch mit internationaler Hilfe, das ganze Abwasserproblem angegangen. In den Achtzigerjahren war kaum noch Gestank auszumachen. Irgendwie muss dies die Venezianer nostalgisch gestimmt haben, denn sie helfen der gerucharmen Luft auf ganz besondere Art und Weise ab. Jeder Venezianer der sich selbst respektiert hat nämlich mindestens einen, meist aber mehrere Hunde. Besonders beliebt sind Hunde, die weder vom Breitengrad noch von der städtischen Bauart her in diese schöne Stadt passen, wie Huskys, Neufundländer, deutsche oder dänische Doggen, Schäferhunde jeglicher Herkunft—obwohl ich ausser auf Metzgerbänken nirgends irgendein Schaf gesehen habe— und natürlich die Modehunde par exellence Golden Retriever, die mit ihrem flauschigen Fell geradezu ideal in südliche Gegenden passen. Dazu kommen nostalgische Rassen wie Pudel jeglicher Grösse und Schur, Bulldoggen, Bullterrier—ja Kampfhunde sind sehr angesagt— und natürlich Möpse. All diese lieben Tierchen werden stolz „Gassi geführt“ und sorgen dafür, durch ihre Pisse den alten typischen Venedig-Duft wiederherzustellen.
Das „ grosse Geschäft“ wird wie überall auf der Welt üblich—so hoffe ich doch—weggeräumt, wenn der/die Hundehalter/in nicht sicher sein kann, dass niemand sie/ihn dem dampfenden Haufen zuordnen kann. Wie sonst, frage ich mich, sollten  die vielen „vergessenen“ Haufen, die dann oft mit den Schuhen in Hotels und Gaststätten getragen werden—denn bei der Menschenmasse kann man auch mit dem besten Willen den Boden meistens nicht sehen—zu erklären sein??


Donnerstag, 14. Juli 2016

Auftanken

Kürzlich wartete ich an einer Tankstelle, es waren noch einige Autos vor mir die von ihren Fahrern aufgetankt wurden. Eine junge Frau, mit mehreren  „Vorsicht Baby im Auto“ Stickers, blockierte alles weil sie erst mal das Kleinkind frisch wickelte, während der Tank gefüllt wurde. Voll war nicht nur der Tank, nein auch die Pampers waren wohl randvoll. Trotz geschlossenem Fenster drang der Gestank nach Babyscheisse, durch die Lüftung begünstigt,  ins Innere meines Autos.
Dies war mal wieder so ein Moment, wo ich es zutiefst bereute keine Kinder gehabt zu haben, denn es ist sicherlich  dieser Duft nach Kinderscheisse  der mir—zwar nur in meinem Unterbewusstsein— aber doch schmerzlich fehlt um restlos glücklich zu sein. Auch rief dies Erlebnis mir einen Flug von Los Angeles nach Zürich in Erinnerung, auf welchem—in der Business Klasse— eine Mutter in der Kabine die  „gefüllten“ Pampers ihres Sprösslings wechselte! Hmmm dieser Duft……
 Während des Wartens dachte ich an meinen Blog und musste mir sagen, dass mir zurzeit keine, oder nur wenige Ideen kommen. Weil ich gerade aufs Tanken wartete sagte ich mir, dass es ja ganz gut ist, dass ich in einigen Tagen gen Italien fliege um zwei Wochen Urlaub in Venedig zu geniessen; dort kann ich sicherlich—dachte ich—mein Gehirn mit neuen Eindrücken Auftanken.

So nun kam ich zur Zapfsäule und füllte erst mal meinen Tank auf. Nun hoffe ich, dass ich im schönen Venedig nicht nur von meiner Lebenspartnerin und der Sonne sondern auch von dieser oder jener Muse geküsst werde.

Dienstag, 12. Juli 2016

Erzwungene „lohnende“ Trennung

Und du gibst mir jetzt den Wohnungsschlüssel, sonst knallt’s! Herbert konnte einfach nicht akzeptieren, dass Senta ihn auf die Strasse gesetzt  und alle seine Sachen als Erpressungs-Pfand zurückbehalten hatte. Auch Herbert wusste zwar, dass diese stürmische Beziehung nun definitiv im Arsch war, aber so liess er sich einfach nicht behandeln, wo bleibt denn da die Manneswürde von der am Stammtisch—nach zu viel Drinks—immer gestammelt wird. Herbert war schliesslich nicht nur ein Maulheld, dachte er, bis, ja bis er gestern die Wohnung nicht mehr aufschliessen konnte.
 Es lag nicht an der Alkoholbedingten Zittrigkeit, nein der Schlüssel passte nicht ins Schloss, welches sichtlich geändert worden war. Sie standen vor der Haustür dieses gut bürgerlichen Miethauses, in das sie eigentlich –nach der Song von Udo Jürgens—nie gepasst hatten. Was war passiert? Herbert, der ewige Student, war dumm genug, mit seiner  Neuen ausgerechnet in der Nähe der Kanzlei wo Senta ihrer beiden Brötchen als Sekretärin verdiente, rumzuknutschen. Gesehen hatte ihn und die Neue Sentas Chef, ein älterer Anwalt der schon lange eher zwei als ein Auge auf sie geworfen hatte. Ja seit der Seniorchef der Kanzlei verwitwet war wurde er immer aufdringlicher. Der Blick aus dem Fenster in den ,im Spätherbst nur noch karg belaubten Stadtpark war gefundenes Fressen für diesen alten, sich überschätzenden, Lüstling. Senta berechnete ihrerseits schon seit dem Bekanntwerden der Krankheit der Frau des Seniors, ob und wie sie ein Leben mit dem bald trauernden Witwer—das natürlich übers Standesamt gehen müsste—in Betracht ziehen sollte. Und so kam ihr die Beobachtung ihres—hoffentlich baldigen Gatten—sehr gelegen.
Noch auf dem Heimweg ging sie beim Schlüsseldienst vorbei und eine Stunde später war sie, vor dem meist angetrunken und gewaltbereit heimkommenden Herbert sicher eingeschlossen. Wie, dachte Senta, ja wie werde ich Herbert so schnell als irgend möglich los ohne Federn zu lassen. Ausser ein paar Klamotten und Büchern gehörte alles Senta, obwohl recht bedacht hatte sie ihm ja immer wieder Sachen geschenkt, die er eigentlich mitnehmen könnte. Und dies war das Erpressungs-Pfand. Wenn du sofort aus meinem Leben und auch aus dieser Stadt verduftest und dich nie mehr meldest, kriegst du all deinen Kram, sonst nimm den Koffer vor der Tür und scher dich zum Teufel.  Plötzlich beruhigte sich der bisher so aufgebrachte Herbert und lächelnd sagte er „es ist berührend   welch zarte Abschiedsworte du trotz enttäuschter Liebe findest“ und sagte krampfhaft lächelnd: „ich lasse meine Sachen hier bis ich eine Bleibe in meiner Heimatstadt gefunden habe“.


Sonntag, 10. Juli 2016

Fotomassen


Früher, als ich noch viele verschiedene  Antiquitäten sammelte und dadurch auch bald zum Teilzeit-Händler wurde, hatte ich oft Anfragen von Bekannten und Freunden  die nach dem Tod der Grosseltern deren Wohnung ausräumen mussten. Kannst du mal kommen und sehen ob alles zu entsorgen ist oder ob es doch noch lohnendes gibt das verkauft werden kann  oder behalten werden sollte. Antiquitäten  waren manchmal, aber eher selten, dabei. Ich beriet nach bestem Wissen und machte auch immer mal wieder Angebote, wenn etwas für mich Sammelns-wert war oder mit Gewinn weiterverkauft werden konnte. Was man in fast jeder Wohnung fand, waren Fotos, gerahmt oder in alten Schuhschachteln, lose oder auf Karton aufgezogen und natürlich auch in Alben geklebt. Identifiziert, konnte manches Foto dem Urahnen zugeschrieben und deshalb als aufbewahrungswürdig erklärt werden. Viele andere kamen zur Entsorgung auf den Müll. Dann waren da noch die Massen an Ferien-Dias, oft durch rote Punkte verunstaltet—besonders bei Agfa-Filmen—aber immer mit veränderten, ausgebleichten Farben. Ich stellte mir immer vor, wie viele ätzende Abende lang  sich Freunde und Verwandte, bei Kaffee und Kuchen   durch die banalen an die Wand oder gar eine Leinwand projizierte  Urlaubs-Bilder quälen mussten; natürlich mit dem „immer so witzigen“ Kommentar des Fotografen. 
In Zukunft wird es bei Wohnungsräumungen ganz anders sein.
 Hunderte von Fotobüchern werden  die Entsorgungstonnen  fürs Altpapier füllen, Fotobücher die man liebevoll gestaltet,teuer bezahlt und zwei drei Mal angesehen und dann im Regal dem Einstauben überlassen hatte.

Was mit den Milliarden von Bildern auf Sticks, CDs und in Rechnern passiert, die weltweit gespeichert werden wissen wohl nicht mal der Götter solle es Götter geben!

Freitag, 8. Juli 2016

Nestors Lamento

Ich war ihnen gegenüber  doch immer sehr respektvoll, habe sie geschont wo immer es möglich war, ja gar um sie besorgt war ich! Und nun sind sie dabei mich, der sie doch nie—wie so viele andere es tun— in all den langen Jahren überfordert hatte, zu verlassen.
 Still und heimlich schleichen sie sich davon, mit nichts sind sie zurückzuhalten.
So undankbar sind sie eben,
 die Kräfte!