Mittwoch, 22. Juni 2016

Plagiat

Einem aufmerksamen Beobachter wäre in dieser Nacht vom zehnten auf den elften November so zwischen drei und halb vier Uhr früh diese bizarre Gestalt, die über den zu so später Stunde nur spärlich befahrenen Place de l’Etoile ,dem Arc de Triomphe zu gehuscht ist, bestimmt sofort aufgefallen. Es musste sich um einen Soldaten—welcher Armee war unklar—handeln, denn er trug Uniform Tornister-artiges Rückengepäck und ein Gewehr. Er bewegte sich sehr vorsichtig, eben wie ein langgedienter Soldat es in vielen Konflikten gelernt hatte. Trotz dem er mit allen Wassern gewaschen schien, strotzte er vor Dreck. Wäre der besagte Beobachter immer noch in der Nähe gewesen, hätte er einige Minuten nachdem die Gestalt im Schatten des Triumphbogens verschwunden war einen einzelnen Knall gehört. Man fand in den frühen Morgenstunden seine tote Gestalt, die auf dem Grab des unbekannten—immer am elften  November, mit viel Pomp vom Staatspräsidenten und der ganzen Armee geehrten—Soldaten. Um die Feier zur Armistice nicht zu stören wurde er in aller Stille unter Ausschluss der Öffentlichkeit ins Institut für Rechtsmedizin geschafft. Weder Fingerabdrücke noch DNA waren gespeichert, er blieb unvermisst und dadurch auch unbekannt. Als, durch eine Indiskretion des Präparators des Instituts für Forensik, welche er sich sicherlich gut bezahlen liess, die Affäre an die Öffentlichkeit gelangte, titelte ein Satire-Magazin.
                                              DIE ULTIMATIVE FORM DES PLAGIATS.


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