Stellen wir uns mal vor, ein Schiff gerät in Seenot und
alle Passagiere werden auf einen grossen Frachter gerettet. Auf dem Frachter
ist für alle genügend Platz zum Schlafen und die Kombüse liefert, zwar einfaches
deftiges aber gutes gesundes, Essen und dies drei Mal am Tag. Bei den
Passagieren handelt es sich um eine bunt gemischte Gesellschaft, Familien mit
und ohne Kinder, Omas, Opas, Alleinreisende Kinder und Jugendliche aber vor
allem junge gesunde Männer die alle wohlbehalten an Bord genommen wurden. Die
Traumreise ist‘s zwar nicht aber alle sind in Sicherheit. Da fährt ein
Luxusliner auf sie zu und alle springen ins, zum Glück warme, Meer, nachdem sie
vorsichtshalber die Schwimmwesten—die für die Crew bestimmt waren—angezogen
haben. Sie fuchteln wie wildgeworden mit den Armen und rufen um Hilfe—nein sie
fordern sofortige Rettung—! Alle werden gerettet, nur eine Oma stirbt an Herzversagen. Und dann liest man in der naiven
Presse: Hunderte von in Seenot geratenen werden von Luxusliner geborgen und
verlangen von den Passagieren zusammenzurücken damit auch jeder der
durchnässten menschenwürdig untergebracht werden kann. Einige Passagiere wollen
keine dieser armen Schiffbrüchigen in ihren Luxuskabinen aufnehmen ! sagt die
empörte Reporterin einer staatlichen
Fernsehanstalt, auch betont sie das mehrere –wegen Hungerstreik beinahe
verhungerte—meutern müssen, weil nicht nach ihren
Gewohnheiten/Religionsvorschriften gekocht wird. Das diese Schiffsbrüchigen von
einem sicheren rettenden Frachter kommen sagt die ach so gute liebe Reporterin natürlich nicht. Irgendwie erinnert
mich diese Geschichte an irgendetwas………….
Freitag, 23. Oktober 2015
Donnerstag, 22. Oktober 2015
Krankheit als Lebenshilfe
Nein, nicht nur die Beteiligten am –Medical Business—
also Ärzte, Apotheker, Pflegepersonal und die –ach so böse—Pharmaindustrie,
sondern auch viele Patienten, oder mehr wohl noch „innen“, beherrschen intuitiv die grosse
Kunst, aus der Krankheit Nutzen zu ziehen. Ja hat man sich, ob durch Zufall
oder kluge Überlegung, für eine Krankheit—die meist auch reell vorhanden sein
kann— entschieden, so fängt man vorsichtig damit an, davon zu profitieren. Sei
es die Pathologie mit dem breitesten Rücken, ich meine natürlich die Migräne,
oder irgendwelche obskure neurologische oder rheumatologische Beschwerden, man
kann als Patient/in jederzeit und unobjektivierbar die Symptome zu gewünschter
Zeit abrufen. Kannst
du mir bitte dies oder das machen, holen, bringen, erledigen usw. tönt es dann,
aus dem meist abgedunkelten Schlafzimmer, durch die Wohnung ;oder man wird mit
weinerlichem Ton aufgefordert sich doch
endlich ums Nachtessen der Kinder zu kümmern ,damit man sie dann gebührlich mit
den Zubettgehriten ,wie Zähneputzen, Baden, Geschichtenvorlesen,
Nochmalpipimachen und schliesslich Beten, versehen, zur Ruhe legen kann. Ein anderer
,nicht zu verachtender Vorteil, besteht darin, dass man unerwünschten
Anlässen—wie Firmen oder Familienfesten—guten Gewissens fernbleiben kann; dann
heisst es ,es tut mir ja so leid aber du musst absagen, mir geht es so schlecht
heut. Auch zur Urlaubswahl taugt die
Krankheit sehr. Du weisst doch, dass ich –wahlweise—in den Bergen, Städten, am
Meer, in den Tropen in kalten Gebieten,
bei starkem Wind etc. Anfälle habe und du willst ja nicht dass ich dir damit
den Urlaub vermiese. Wen wundert’s, dass manchem Gesunden ab und zu der Kragen
platzt! und dass solche Ehen, nachdem die Kinder raus sind, meist in die Brüche
gehen, es sei denn, dass, wie ein Wunder, die ach so praktische chronische
Krankheit plötzlich „ausgebrannt“ ist. Ja viele Ärzte reden von „ausgebrannten“
Krankheiten, so ist es bekannt, dass nach der Menopause vieles besser
wird—vielleicht weil man dann ja Menopause Beschwerden vorschützen kann??—. Die
ach so häufig missbrauchte Migräne—deren Timing meist montags oder freitags
ist— dauert normalerweise bis zur Pensionierung und hört danach schlagartig
auf. Um gerecht zu sein, es gibt fast genauso viele Männer die von ihrer
Krankheit profitieren, hier sind aber Herzrhythmusstörungen der absolute
Renner. Der Mann greift sich mit Leidensmiene dramatisch an die Brust, atmet
heftig und muss sich erst mal hinsetzen nur um nicht—wahlweise— den Müll
rausbringen, die Blumen giessen, den Garten pflegen, mit dem Hund oder Kind
–trotz Wind und Wetter—spazieren gehen, zu müssen. Die meisten Männer wissen
auch ganz genau, wie man eine simple Erkältung zur Staatsaffäre hochstilisieren kann . Dieser Erkältete wird dann
auch zum Tyrann, mal braucht er Tee, mal Ruhe mal Zuwendung, ja er schwelgt in
dieser gefährlichen Krankheit und muss sich danach wochenlang „schonen“. Hätte
der –wahlweise—liebe Gott, Schöpfer, die Natur, die Evolution oder sonst etwas,es
vergessen den Menschen Krankheiten zu geben wäre das Zusammenleben sicher nicht
einfacher, denn die Seele des Menschen hätte andere Unterjochungsmethoden
gefunden!
Dienstag, 20. Oktober 2015
Sozialhilfe, na was nun ? , Empfänger, Nutzer, Akrobat, Künstler oder einfach Schmarotzer ?
Es gibt hier und anderorts ganze Familien—besser noch
Clans—die seit Generationen auf beinahe schon professionelle Art von der
öffentlichen Hand leben. Vorausschicken möchte ich, dass echte Härtefälle—denen
diese Schmarotzer die Geldmittel ja entziehen—nicht gemeint sind, ganz im Gegenteil!
Denn bestünde der Wille den Profiteuren den Futternapf etwas höher zu hängen,
wären mehr Mittel da um, unschuldig in Schieflage geratenen, besser helfen zu
können. Es gibt geschiedene Mütter, denen ihr Ex die Alimente vorenthält,
ältere Kleinrentner denen der Hauswirt die Miete ungebührlich erhöht, Kranke,
deren Krankheiten die Versicherungen nur teilweise oder gar nicht decken und
noch viele andere Miseren. Dass aber Menschen, die nie gearbeitet haben,
Alkohol oder Drogen konsumieren sich oft in Beschaffungskriminalität üben, Jahrzehntelang
von Steuergeldern leben ,ein sogenanntes Recht auf Unterstützung haben, dass
verstehe ich nicht und will es auch nicht kautionieren. Auch all die vielen,
von naiven Ärzten als teilinvalid erklärten Profiteure, die an schlecht
Objektivierbarem zu leiden vorgeben gehören zu dieser verachtenswerten
Schmarotzerbande. Viele davon arbeiten Teilzeit, kümmern sich dann in der
Ruhezeit um Haus und Garten, wohl als Rückengymnastik gegen chronisches
Rückenleiden. Die –glaubt man Presseberichten—nicht wenigen Rentner, die ihr
Kapital leichtsinnig in fernen Ländern ( Thailand, Spanien, Südamerika usw.)
innert wenigen Jahren verschleudert haben und dann beim Zurückkommen ein
Anrecht auf Wohnung, Krankenkasse und Kostgeld-Zulage beantragen können,
gehören in Heime wo sie vor Unbill des Klimas geschützt auf ihr Ende warten
können, und nicht in teure Wohnungen mit viel staatlichem Geld in der Tasche .
Leider sitzen in Sozialämtern viele „Fühlst mich spürst mich“ Sozialarbeiter, die nur an das Gute und Ehrliche
im Menschen zu glauben vorgeben und sich um den –leider nie mahnend
erhobenen—Zeigefinger wickeln lassen. Ja wer in solchen Ämtern mahnt und
hinterfragt ist schneller als er denken kann weggemobbt! Aussagen wie: man kann
doch nicht, er hat ja ein Anrecht auf, klar ist er/sie selbst Schuld aber man
kann ihn/sie doch nicht einfach so hängen lassen…. lassen mir immer öfters den
Kragen platzen .Plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den altersmüden Augen,
ohne Sozialschmarotzer gäbe es ja viel weniger Arbeitsstellen für Sozialhelfer,
na wer frage ich mich sägt am eigenen Stuhlbein? also wer ist hier auch
Schmarotzer der Steuergelder, wer? Auch frage ich mich, wie viele
dieser—eigentlich gar nicht so naiven—Sozialarbeiter ihr akkumuliertes Wissen
über Sozialprofiteure nicht eigennützig, einige Jahre vor ihrer Rente, selbst
in Anspruch nehmen; gibt’s da Statistiken oder herrscht hier OMERTA ?
Montag, 19. Oktober 2015
Geldwäscherei
Benoit war ein Stänkerer und seine Frau war ein
Dummchen, so wars! Benoit vergass immer mal wieder Sachen in seinen Hosen,
meist Jeans, wenn er sie in den Schmutz-Wäschekorb schmiss. Auch in die
Brusttaschen der Hemden sah er nie nach Vergessenem. Manchmal fielen die Wäschestücke daneben,
Benoit liess sie liegen, denn er fand, dass Dummchen, ja er nannte sie wirklich
so, und keiner ihrer Freunde und Bekannte wusste dass sie eigentlich Sabine
hiess, dazu bestimmt war hinter ihm, dem Hausherrn und Geldverdiener,
herzuräumen —was seinem Ego einen Booster versetzte—.Einmal vor einiger Zeit
hatte Benoit einen grösseren Geldbetrag auf der Bank abgehoben und in seine
Jeanstasche gesteckt. Es handelte sich um über neunzigtausend Euros, mit denen
er sein neues Auto bar bezahlen wollte. Da er noch einen Kumpel getroffen hatte
mit dem er dann in der Eckkneipe einige Gläser zu sich genommen hatte kam er an
diesem Abend mit einer Scheisslaune nach Hause. Er stänkerte übers Essen und ärgerte
sich einfach über alles. Nach dem obligaten Streit ging er besoffen und
mürrisch zu Bett, die Wäsche samt Jeans lag wie üblich an solchen Abenden in
der halben Wohnung verstreut herum. Am nächsten Morgen, nachdem sie ihm sein
Katerfrühstück gemacht und ihn zu Tür gebracht hatte, schob Dummchen die rumliegenden Kleidungsstücke in
die Maschine. Die geldbeladene Jeans war natürlich auch dabei. Wie ja in der Fernsehwerbung
empfohlen fügte Dummchen der Wäsche eine doppelte Dosis Bleichmittel hinzu um
ja alle Flecken zu entfernen, denn wenn auch nur ein einziger Fleckenschimmer
in einem Hemd oder T-Shirt war gab’s wieder Krach. Beim Aufhängen der Jeans
fand Dummchen in den beiden vorderen
Taschen je ein verwaschenes und ausgebleichtes Bündel Papier. Dummchen sah es
sich nicht genau an und entsorge es pflichtgemäss in den Müllsack, den sie auch
sogleich zur Abholung vors Gartentor auf die Strasse stellte. Als sie in die
Wohnung zurückkehrte klingelte das Telefon, es war Benoit. Hast du das Geld in
meinen Jeans gefunden, war statt einer Begrüssung seine ruppige Frage. Dummchen
fragte was für Geld und was für Jeans, dann hatte sie eine Eingebung und lief
mit dem Drahtlos-Telefon zum Gartentor um gerade noch den Müllwagen um die
nächste Strassenbiegung wegfahren zu sehen. Ich habe dein Geld gewaschen und
dann als Altpapier entsorgt, eben ist der Müllwagen um die Kurve entschwunden.
Seit dieser Zeit nannte Benoit sein Dummchen nur noch „die
Geldwäscherin" und wies ihr
selbstverständlich alle Schuld zu, denn wer war denn so saublöd, die Taschen
vor dem Waschen nicht zu kontrollieren! Bei jedem Essen mit Freunden erzählte
er nun wie abenteuerlich er dem Müllwagen nachgerast war und wie schwierig es
gewesen war das „gewaschene Geld“ zurückzubekommen. Dass Dummchen „die Geldwäscherin" eigentlich, wegen Geldwäscherei ins Gefängnis
gehörte ist ja klar sagte Benoit immer scherzend.
Freitag, 16. Oktober 2015
Krückstock
Fridolin hiess sein Hund. August, genannt Gusti, wie
üblich hier in der Zürcher Gegend, war sein Name. Beide waren nicht mehr jung,
nein Fridolin zählte schon bald achtzehn Jahre, Gusti war eben zweiundachtzig
geworden. Fridolin quälte sich zwar die Treppe herab und vor allen Herauf,
sonst gings noch recht gut. Gusti war noch ganz rüstig, nur der Rücken…. ja und
auch der dicke Bauch störte ihn sehr. Wie erstaunt waren alle seine vielen
Freunde und Bekannte, als sie Gusti mit einem Krückstock in der Hand sahen wie er ,noch immer strebsam
auf den Park zuging ,natürlich mit Fridolin an der verlängerten Leine. Sag mal
Gusti, hast du nun auch mit der Hüfte zu tun, fragte ihn spöttisch Roswitha
eine seiner ehemaligen Schulzeits-Schätzchen,
die selbst, mit ihrem Rollator, dem im Park gelegenen Tea Room—wo ihre
Kaffeeklatschrunde schon auf sie wartete—zueilte. Von vielen wurde er, wegen
des Krückstocks, befragt; mal teilnahmevoll mal — eher von selbst
behinderten—mit verhaltener Schadenfreude. Gusti antwortete keinem und keiner,
nein wortkarg ging er mit Fridolin weiter und verschwand bald hinter dem
dichten Gebüsch. Roswitha, die Gusti, nach den vielen Jahren, immer noch mit
Rachegefühlen verfolgte, hatte Gusti sie
doch verschmäht und dem Heinrich, diesem
–schon längst verstorbenen Säufer und Tunichtgut— in die Arme getrieben. Somit
war in ihren, Roswitas, Augen, Gusti schuld daran dass sie nun nur mit der
bescheidenen Grundrente über die Runden kommen musste, also spionierte sie ihm nach,
als er mal wieder mit Fridolin zusammen hinters Gebüsch verschwand. Und da sah sie, wie Gusti—nachdem Fridolin
sein grosses Geschäft erledigt hatte—sich mühsam auf die Knie niederliess, mit dem
immer an der Hundeleine befestigten Plastikbeutel sorgfältig den noch
warmdampfenden Hundekot auflas und sich sehr mühsam am mitgetragenen Krückstock
aufzurichten versuchte, es misslang mehrere Male, doch schlussendlich
stand Gusti schwer Keuchend auf
zittrigen Beinen. So schnell wie Roswitha an diesem Morgen hat wohl noch nie
eine Alte ihren Rollator dem Kaffeekränzchen entgegengesteuert um die Neuigkeit
Gustis Hundescheissebeknieung zu verraten ;eine späte aber süsse Genugtuung für
die damals so tief verletzte Roswitha.
Montag, 12. Oktober 2015
Mamme
Er war Jude, Antiquar und Schwul, als schwul sein noch ein
grosses Tabu war. Kennengelernt habe ich Daniel in den Sechzigerjahren. Er
hatte einen recht grossen Antiquitätenladen in einer Kleinstadt in der
Französischen Schweiz. Damals begann ich mit Antiquitäten zu handeln um meine Sammlerleidenschaft auch
finanziell zu nutzen, denn dies erlaubte
es mir die Qualität meiner Sammlung zu verbessern ohne Geld zu verlieren. Zum
Beispiel habe ich in den ersten Ehejahren fünfmal den Esstisch gewechselt und
bei jedem Verkauf so viel verdient, dass am Ende der Tisch den ich noch heute
besitze, nichts gekostet hat. Aber nun zurück zu Daniel, er war damals noch
jung und eben aus Marokko –wo er eine unglückliche Liebe beendet hatte—in seine
Heimatstadt zurückgekehrt. Im Gepäck hatte er sehr viel schöne alte Töpfereien
und sonstiges Kunsthandwerk aus ganz Nordafrika. Vom früh verstorbenen Vater
war eine alte Scheune voll „ Ramsch“ da. Allerdings wurde das, was damals als
„Ramsch“ bezeichnet wurde schon bald begehrtes Sammelgut. Sein Geschäft war,
obwohl in einem modernen Gebäude gelegen, sehr geschmackvoll eingerichtet, was
zwar ungewöhnlich in dieser Gegend, aber nicht für einen Homosexuellen Antiquar
war, ja so ein Antiquitätengeschäft erwartete man in einem Pariser
Nobelquartier und nicht in einem zwölftausend-Seelen Kaff. Da das Preisgefälle
zwischen der ländlichen Westschweiz und Zürich sehr gross war, fand ich bei
Daniel immer viele gut wiederverkaufbare Stücke. Daniel war, schon in jungen
Jahren, recht schrullig. Seine Mutter—sie war damals schon eine ältere
Dame—trug als streng gläubige Jüdin immer eine Perücke. Sie war eine echte
jüdische Mamme! wie sie in jedem Witzbuch über jüdische Mütter steht. Bis elf
und dann bis fünf war sie im Laden, dann ging sie kochen, denn Daniel ass immer
zuhause. Seine Mutter wollte nicht, dass er trefe — also unkoscher— esse, ihm selbst wäre das
eigentlich egal gewesen—nur Schweinefleisch liess auch er beiseite— so sagte
er; ein Brötchen mit gutem Parmaschinken sah ich ihn hin und wieder ganz im
versteckten in einer Messe-Kantine genüsslich kauen. Seine Mamma war also fast
immer im Laden, und nachdem Daniel, einer neuen Liebe wegen wieder nach
Nordafrika ging, kümmerte sie sich ums Geschäft bis Daniel fand es sei besser
den Laden zu schliessen und seine grosse Liebe auszuleben. Jahre später, als
auch diese Liebe zerbrochen war, kam Daniel zurück und machte einen neuen
Laden, diesmal aber in der Altstadt, auf. Mamme war wieder da, gealtert aber
fast unverändert, doch sie war noch etwas dünner, fast schon durchsichtig,
geworden. Nun wurden allmählich die Rollen umverteilt. Daniel verliess den Laden,
über dem er und seine Mutter eine grosse Wohnung teilten, so gegen elf um zu
kochen. Die Mutter sass fast unbeweglich und etwas verloren auf ihrem
angestammten, viel zu grossen, Voltaire-Sessel. Kamen Kunden um etwas zu
fragen, anzubieten oder einfach zu kaufen klingelte sie und wartete bis Daniel
mit umgebundener Küchenschürze die Treppe herunter kam. Daniel war auch schon
etwas steifer geworden denn er war sicher schon über sechzig, sein Alter war
eins seiner schrulligen Geheimnisse. Daniel war nicht der Meinung, Kunden
hätten immer Recht! nein ganz im Gegenteil, wenn ein Kunde seiner Meinung nach
ein Objekt falsch bezeichnete oder zeitlich einordnete protestierte er laut.
Auch erinnere ich mich ende der
siebziger Jahre, als Mobiltelefone noch ganz neu und dementsprechend selten
waren, untersagte er –manchmal auch auf grobe Art—deren Benutzung in seinem
Geschäft mit den Worten „raus, hier telefoniere nur ich“ !! Auf
Antiquitätenmessen sah man an seinem, immer gleich geschmackvoll eingerichteten
Stand, seine Mutter ,immer kleiner werdend, in ihrem Voltaire-Sessel wie sie
vor sich hin döste und nur dann hellwach wurde, wenn einer der ihr bekannten
Kunden ihr seine Aufwartung machte.
Und eines Tages, Daniel war etwas früher als üblich zum
Kochen gegangen, hatte sich die Mutter doch mal wieder einen Käseauflauf
gewünscht, rief er sie ,über das archaische Klingelsystem, zu Tisch. Ja die so
gebrechlich wirkende Mutter war mit ihren, wer weiss wie vielen Jahren, noch
besser zu Fuss als ihr Sohn Daniel. Keine Antwort, kein Zeichen! Daniel stieg,
seiner Arthrose wegen mühsam, so schnell er konnte die Treppe hinab. Mutter
sass wie gewöhnlich dösend im Sessel. Als er sie berührte glitt sie ganz
langsam zur Seite. Sie war kalt, sehr kalt also musste sie schon seit den
frühen Morgenstunden gestorben sein. Abends ass Daniel den leicht angebrannten
Käseauflauf.
Sonntag, 11. Oktober 2015
La part des Anges .
La part des Anges, heisst genau übertragen der „Teil
der Engel“. Nun hier die Erklärung. In Cognac in der Charente wird der beste
Weinbrand der Welt hergestellt, das
sagen sogar die Herstellern des Armanac’s hinter vorgehaltener Hand—wenn sie
etwas zu viel vom einen oder anderen getrunken haben—; also dieser Engelsteil
ist die Menge welche jährlich aus den gelagerten Fässern verdunstet und durch
eine chemische Reaktion dazu führt, dass die Ziegeldächer der Lagerhallen
schwarz werden. Diese Menge, ein nicht unbeträchtlicher Prozentsatz, wird jedes Jahr mit neuem -also jüngerem—Cognac aufgefüllt. Bei jedem alten Cognac ist
also der alte Teil, der am Anfang war, über die Jahre aufgefüllt, also
verdünnt, worden. Dies macht den ganz besonderen Geschmack aus, der aus dem Alten
den Gehalt nimmt und aus dem sukzessiv
zugeschütteten die Jugendfrische. An
diese Alterungsprozesse dachte ich, als ich neulich von einer Reise an die
Loire zurückkehrte. Wir sassen beim Abendessen und hatten mitgebrachten weissen
trockenen Saumure zu Brot, Wurst und
Käse getrunken, als ich mich plötzlich daran zu erinnern glaubte irgendwo im
Keller noch eine längst vergessene Flasche Côteaux du Layon zu haben. Und richtig, ich wurde
fündig, eine einzelne Flasche—die mindestens acht Mal Umzüge überlebt hatte—lag
unbeschädigt in einer versteckten Ecke. Es war Jahrgang 1986 ! Nun musste diese
Flasche dran glauben! Ja dieser Wein schmeckte herrlich, noch voller Süsse und
kaum gealtert. Als ich einige Tage später den Rest ganz alleine austrank kam
ich ins Philosophieren über Zeit und Dauer. Warum dachte ich dabei an den „Teil
der Engel“ ? war es, weil ich wissen wollte, sollte ich solch eine Flasche definitiv
bis nach meinem Tod—also in etwa zwanzig Jahren— vergessen haben, welcher Engel
oder Bengel führt sie sich zu Gemüte ? Kenner oder Banause, das ist hier die
Frage ! Also werde ich, im Zweifelsfalle, lieber Sorge dazu tragen dass nichts
so Gutes im Nachlass bleibt. ERGO BIBAMUS wie schon die Lateiner, wenn man den Studentenliedern
Glauben schenken darf, sagten.
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