Freitag, 25. März 2016

Wunsch Inserate

Frau Cäcilie Weiss
und ihre Kinder
Doris, Hanna, Frieda und Hansli
geben bekannt, dass sie ihren Gatten und Vater
nach dessen Freilassung aus der
Entziehungsanstalt
und dem Gefängnis
nicht wieder in die Familie aufnehmen.
Auch bitten sie alle Kneipeninhaber um Kenntnisnahme,
dass nie mehr eine unbezahlte Wirtshausrechnung von dem Quartalssäufer
Erich Weiss

berappt werden wird.

Donnerstag, 24. März 2016

Wunsch-Inserate


Jonny und Lisa Muster
sowie ihre Kinder Willy, Reiner, Georg und Lilly
informieren die Bevölkerung, dass sie ihren kriminellen
Sohn und Bruder Gottlieb
— der seinem Namen keine Ehre gemacht hat—
aus ihrer Familie ausgestossen
und verbannt haben!
Auch haben sie beschlossen nie mehr
für seine Verfehlungen
geradezustehen.


Mittwoch, 23. März 2016

Noch ein Inserat das nie erscheint

Das Gymnasium von
Küssliberg
am schönen Zürichsee
bittet die Bevölkerung inständig ihr weiterhin zu vertrauen
und betont zum wiederholten Mal
dass die Schüler dahingehend informiert worden waren
an die schwerwiegenden Folgen ihrer Taten zu denken und
aus diesem Grund allerpeinlichst darauf zu achten
keinerlei Spuren am Ort zu hinterlassen
an dem sie sich spielerisch mit Passanten amüsiert haben.
Ausserdem teilt der Rektor mit,
dass diese Passanten ja schutzlos zu später Stunde und ganz alleine
 an sogenannten „Risikoorten“ wie U-Bahn und
Altstadtgassen unterwegs waren und somit
DIE HAUPTSCHULD
AN DEN SOGENNANTEN
Übergriffen tragen!



Dienstag, 22. März 2016

WERBUNG oder Glaube versetzt Berge !?!?


Wenn mit  VERNEL  gewaschene Wäsche 8 Wochen lang frisch bleibt, können dann Menschen die Rexona benutzen—das ja wie in der Werbung beteuert  48 Stunden lang wirkt—die sich also nur alle 2 Tage waschen müssen  16 Wochen lang in mit VERNEL gewaschenen Laken das Frischegefühl geniessen ?

Wenn Q 10 von Nivea, Elancyl  und viele andere Cremes und Cremchens  die Cellulite in nur wenigen Wochen ausradiert, so frage ich mich, warum an Stränden und in Wellness und Saunalandschaften –wo sich ja nur gepflegte und  körperbewusste Frauen hinbegeben—immer noch Grübchen, Dellchen und Löchchen zu bewundern sind?



Sonntag, 20. März 2016

Inserate die ich gerne in Zeitungen lesen würde.

Kuno  Schweinsgrüber
in Wienacht Appenzell
bittet alle Bekannte und Freunde
von seiner erfolgten Trennung von
Elvira Lustberg
seiner langjährigen, schwierigen,  Lebenspartnerin
Kenntnis zu nehmen
und
sich nun zu entscheiden,
mit wem der beiden sie  weiterhin Kontakt pflegen werden,
um unliebsamen Begegnungen a priori den Riegel zu schieben.
Kuno bittet seine Getreuen es ihn schriftlich –auch per SMS oder Mail—

wissen zu lassen.

Freitag, 18. März 2016

Ewige Schwiegermutter

Gudrun hatte drei Töchter. Die jüngste war Anita davor kam Fritzi und zuerst war da noch Rita. Söhne waren keine da, obwohl Gudrun eigentlich nur Söhne gewollt hätte. Seit dem Verschwinden von Arthur, ihrem Ehemann, war es ein reiner Frauenhaushalt zumal auch die Oma und eine Tante da waren. Arthur war eines Tages verschwunden, einfach so ohne Abschied und man hatte nie mehr was von ihm gehört. Die erste war Fritzi die mit einem Freund erschienen war, dieser war, für Gudrun, auf den ersten Blick der ideale Schwiegersohn, denn er war so wie sich Gudrun ihren Sohn erträumt hatte. Blond, blauäugig und muskulös, etwas schlaksig  eben der Schwarm aller Schwiegermütter in spe. Schwanger war Fritzi schon gewesen bevor sie ihren Rolf der—wie scherzhaft gesagt wurde—Weiberwirtschaft vorführte. Alle waren von Rolf begeistert, nur die Oma blieb reserviert skeptisch. Jahre später, Fritzi  und Rolf hatten inzwischen schon drei Kinder, die oft von der kleinen Schwester Anita gehütet wurden, erwischte sie ihren Rolf mit Anita zusammen in einer  so eindeutigen Lage, dass es zum Rausschmiss von Rolf und Anita kam. Fritzi wollte die Scheidung, doch alle— ausser der Oma— versuchten sie zu überreden doch zu verstehen und zu verzeihen. Fritzi blieb hart, trotz des ständigen Drängens von ihrer Mutter Gudrun, bestand sie auf Scheidung. Kaum hatte der Familienrat der Weiberwirtschaft den unumstösslichen Wunsch von Fritzi akzeptiert, Schwupps verlobten sich Rolf und Anita; Gudrun war Seelig ihren so tollen Schwiegersohn nun doch  nicht aufgeben zu müssen. Dass Fritzi der Hochzeitsfeier der beiden Turtelnden fern blieb, ja mit den Kindern weit weg ans andere Ende der Republik zog, ist von nicht beteiligten Beobachtern leicht nachzuvollziehen. Anita und Rolfs Ehe blieb kinderlos, ob sie je glücklich waren kann ein aussenstehender nicht beurteilen, aber es schien schon bald Krach zu geben, denn Anita tolerierte das Rumtreiben und Saufen von Rolf nicht so leicht wie es Fritzi immer getan hatte. Anita und Rolf wohnten zwar in einer eigenen kleinen Wohnung, jedoch im Hause der Weiberwirtschaft. Weil Anita zu bequem zum Kochen war assen sie, zur Freude Gudruns, meist am grossen Familientisch.                    Oft schaffte es Rolf, wenn er besoffen nach Hause kam, nicht bis ins Dachgeschoss und schlief auf dem Sofa unten in der Wohnung der Schwiegermutter ein. Als Rita eines Nachts sich  mal wieder zu Rolf aufs Sofa kuscheln wollte erschrak sie doch sehr als sie Gudrun, ihre Mutter, nicht etwa in Rolfs Armen, sondern Rolf an Gudruns Busen –nicht etwa schlafend sondern saugend—entdeckte. Gudrun und Rita waren sehr vernünftige Frauen, sie beschlossen noch in dieser Nacht, bei einem Glas Wein, sich Rolf zu teilen. Es wurde ein recht witziges Gespräch, die beiden vergassen, dass noch andere im Hause lebten und so waren sie doch sehr betroffen, als Anita ihnen am Frühstückstisch in Gegenwart Omas und der fast vergessenen Tante ,ihre nächtliche Besprechung fast wortgetreu wiederholte. Anita zog aus. Dies war der Anfang von langwierigen Verhandlungen. Gudrun wollte, komme was wolle, ihren Schwiegersohn bei sich behalten, Rita aber tat alles um Rolf aufs Standesamt zu schleppen und so kam es zu einem perversen Kompromiss. Rita wurde die dritte Frau von Rolf, der zum dritten Mal Schwiegersohn von Gudrun wurde. Ob sich Gudrun weiterhin ihren Schwiegersohn ab und zu zur Brust nahm sei dahingestellt. Die immer schon sehr ruhige Tante blieb ruhig, die Oma wurde ganz still.

Donnerstag, 17. März 2016

Gedanken beim Konzertbesuch

Gestern war wieder Konzertabend hier in Winterthur, es war ein wunderschönes Erlebnis.  Der Solist Christian Zacharias, der auch die Leitung hatte, präsentierte ein sehr klug zusammengestelltes Musik-Programm. Von Jean-Philippe  Rameau  die Suiten aus „ Les Indes Galantes“ dann das Mozartsche Klavierkonzert Nr.24 KV 491  und als krönenden Abschluss Georges Bizets L’Arlesienne. Beim Zuhören der Suiten, als der Schellenbaum zum Einsatz kam, dachte ich an das Gedicht von Detlev von Liliencron, das ich vor vielen vielen Jahren mal gelernt hatte. Ich konnte nur noch Bruchteile aus meinem Gedächtnis abrufen, deshalb bemühte ich Google um hier das Gedicht in extenso einzufügen.

Die Musik kommt.


Detlev von Liliencron

Klingkling, bumbum und tschingdada,
zieht im Triumph der Perserschah?
Und um die Ecke brausend bricht's
wie Tubaton des Weltgerichts,
        voran der Schellenträger.
Brumbrum, das große Bombardon,
der Beckenschlag, das Helikon,
die Pikkolo, der Zinkenist,
die Türkentrommel, der Flötist,
        und dann der Herre Hauptmann.
Der Hauptmann naht mit stolzem Sinn,
die Schuppenketten unterm Kinn,
die Schärpe schnürt den schlanken Leib,
beim Zeus! das ist kein Zeitvertreib,
        und dann die Herren Leutnants.
Zwei Leutnants, rosenrot und braun,
die Fahne schützen sie als Zaun,
die Fahne kommt, den Hut nimm ab,
der sind wir treu bis an das Grab!
        und dann die Grenadiere.
Der Grenadier im strammen Tritt,
in Schritt und Tritt und Tritt und Schritt,
das stampft und dröhnt und klappt und flirrt,
Laternenglas und Fenster klirrt,
        und dann die kleinen Mädchen.
Die Mädchen alle, Kopf an Kopf,
das Auge blau und blond der Zopf,
aus Tür und Tor und Hof und Haus
schaut Mine, Trine, Stine aus,
        vorbei ist die Musike.
Klingkling, tschingtsching und Paukenkrach,
noch aus der Ferne tönt es schwach,
ganz leise bumbumbumbum tsching;
zog da ein bunter Schmetterling,
        tschingtsching, bum, um die Ecke?