Sonntag, 15. Januar 2017

Beisserchen

Kommt der alternde Sam Rappoport zum berühmten Rabbiner Dan Finkelstein. Rebbe ich brauche  Eizes*. Was ist dein Problem Sam, antwortet der gebeugt stehende Wunderrabbiner. Meine Frau die Rebecca, sagt Rappoport, hat verloren gestern die letzten zwei Zähne was sie noch hat gehabt im Mund und nun muss sie haben a Gebiss. Nu wenn se soll achelen* braucht se a Gebiss sagt der Rebbe. Ja antwortet Sam aber braucht se nich je ein Gebiss fürs Milchige und ein Gebiss fürs Fleischige fragt der besorgte, äusserst orthodoxe, Sam seinen Rebbe?
Dorüber muss ich erst klären*, komm morgen Abend wieder.
Am nächsten Abend sagt der Wunderrebbe: Sam du hast recht, als a frommer orthodoxer Jid brauchst du zwei Gebisse für deine Rebecca eins fürs Milchige und eins fürs Fleischige,  geh mit Rebecca zu meinem Sohn, Dr. Yedudi Finkelstein Junior, er ist Zahnarzt. Sam Rappoport bedankt sich und geht mit seiner Rebecca zum Doktor Yehudi Finkelstein. Der Zahnarzt reibt sich die Hände und sagt süss lächelnd: sie wollen lassen machen vier Gebisse?!
Sam wie aus der Pistole geschossen sagt „oi wei“ nein, nicht vier nur zwei, eins fürs Fleischige und eins fürs Milchige.
Verschmitzt lächelnd fragt der Zahnarzt: „soll denn Rebecca an den hohen Feiertagen nichts achelen?
*achelen Jiddisch= Essen
*Eizes    Jiddisch = Ratschlag
* Klären Jiddisch = Nachdenken, Studieren



Donnerstag, 12. Januar 2017

Leistung und Doping

Die älteren erinnern sich noch an den—im Winterhalbjahr obligatorischen—Esslöffel voll Lebertran. Damit du gross, stark und widerstandsfähig wirst hiess es dann um die Verweigerung dieses ekelhafte Zeug zu schlucken zu brechen; ja brechen—d.h. Kotzen—musste mach gequältes Kind bis dann mit Orangenaroma aromatisierte Säfte—die aber auch nach dem verhassten Lebertran schmeckten—zur Verfügung standen. Später gab’s dann Kapseln. Wenn irgendeine Speise, sei‘s Gemüse, Suppen oder sonst etwas, ach so gesundes, auf den Tisch kam hiess es „iss damit du gross stark  und leistungsfähig wirst. In den Illustrierten die in den meisten  Familien konsumiert wurden fand man Werbung für Stärkungsmittel  zum Teil in Form von Honig-artigen mit Eisen, Magnesium und Kalzium angereicherten klebrigen „BIOMALZ“ genannten  Aufbau und Stärkungsmittel  aber auch  Tonika für die unter Frühlingsmüdigkeit leidenden Mütter. Diese Tonischen Getränke bestanden zum grossen Teil aus billigstem Malaga oder sonstigem Süsswein mit einigen Spurenelementen und Vitaminen und wurden kurz vor dem Muttertag sehr intensiv—ob in Schaufenstern der Heilmittelverkäufer oder in oben genannten Heftlis— beworben. Was natürlich auch beworben wurde waren Mittelchen gegen alle Arten von Schmerzen, Kopfweh, Gliederschmerzen, Gelenkschmerzen, Rückenweh  egal welch Leid unsere Tabletten helfen immer und danach……ja danach ist man erneut Leistungsfähig!
Auch der in vielen Familien oft gehörte Ausdruck sei es vom Vater oder der Mutter „ich brauch erst mal ‘nen Schnaps“ zeigt dass alles mit „Mittelchen“ verbessert werden kann und soll.
Wenn man heute in Fernsehen die Werbung sieht, ich denke da an sehr teures Placebo wie VITASPRINT und  SUPRADYN um nur zwei davon zu nennen, versteht man, dass es eigentlich nur um Verkauf und nicht um Gesundheit geht.
Wenn man all dies Streben nach Leistungssteigerung—auch Kaffee und Tee gehören irgendwie dazu—sieht, versteht man die Sportler, welche zu solchen Mitteln greifen oder sich solches von Kumpeln und  Trainern aufschwatzen lassen erst richtig.
Eigentlich sollte man schon lange mit der Hypokrisie der Antidopingkontrolle aufhören, gewarnt sind die Sportler schon seit Langem ,sie wissen dass es nicht unbedenklich ist sich zu dopen aber wie mit der Warnung gegen das Rauchen verpufft der Effekt vor dem erträumten Nutzen.
Und solange mit Doping Riesengewinne erzielt werden, die Antidopingkontrolle extrem teuer ist und viele Institutionen davon bestens leben wird sich nie etwas ändern.  
Schön, ich kann mal wieder  den Kaiser Vespasian zitieren Pecunia non olet!
Frage, warum sind eigentlich die Pharmahersteller nicht Hauptsponsoren der Sport-Events??             




Dienstag, 10. Januar 2017

Das Bewusstsein des Alterns

Wir, die Generation aus den Dreissiger und Vierzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts, haben, im Vergleich mit früheren Generationen, einen oder eher mehrere Gründe uns des Altwerdens bewusst zu werden. Nie zuvor wurden—wenigstens in der westlichen Welt—so viele Fotos von Menschen gemacht. Fast jeder hat in seinen Schubladen, Fotoalben, Schuhschachteln und sonstigen Aufbewahrungsorten Bilder, die ihn und auch seine Familie vom Babyalter bis zum Totenbett dokumentieren. Man kommt kaum darum herum sich mit dem Wandel seines Konterfeis auseinander zu setzen. Wie man mal war und wie man nun ist kommt einem schmerzlich zum Bewusstsein. Es ist ja meist nicht so, dass man davon träumt wieder neu anzufangen, noch mal jung zu sein—man ist ja Realist!! aber den Zerfall zu sehen ist doch irgendwie grausam. Gut man kann die Bilder, einer im Nachhinein glorifizierten Vergangenheit—war es wirklich immer so viel besser, hatte man damals weder  Kummer noch Sorgen?— in Alben, Schachteln und Laden ruhen lassen aber es gibt dann noch das Fernsehen. Und im Fernsehen werden—besonders während der so schon rührseligen Feiertage—alte Filme aus unserer Jugendzeit vorgeführt in denen die Stars—unsere Idole—noch so jung waren; heute sieht man sie gebrechlich und erbarmungswürdig noch manchmal Interviews geben und fragt sich, war das mein Schwarm aus der Teenie-Zeit oder der Held meiner Lieblingsfilme. Und so wird uns das Älterwerden immerzu vorgeführt.

Da ich immer schon unsportlich war habe ich den Vorteil wenigstens die jungen Sportkanonen nicht zu beneiden und über verflossene Performancen zu sinnen.
Wie die Smartphone-Generation mit der unermesslichen Vielzahl der Selfies und sonstigen Bildern einst umgehen wird weiss wohl heute keiner !

Montag, 9. Januar 2017

Früher war alles besser.

ein paar Gedankensprünge

Ja früher war alles besser! Ich glaube so lange es Menschen gibt wird dies behauptet. Vieles war besser, vieles allerdings schlechter.
Natürliches Essen ist schon lange im Trend, aber verzichten die Adepten dieses Trends auch auf Kühlschränke?
Akzeptieren sie die Risiken sich mit nicht konservierten Nahrungsmitteln zu vergiften?
 Konservierung der Lebensmittel war eine Bedingung zum Überleben; ob in Salz, Rauch, Essig, Öl  Alkohol oder mit Substanzen wie Borsäure.
Heute verstecken sich Schönungs und Konservierungsmittel hinter den E Zahlen wo man auch sonstige geheime Zubereitungs-Zusätze finden  könnte, wenn man nur wüsste was diese E-Zahlen bedeuten. Aber auch die Liste dieser E-Zahlen ist den meisten Verbrauchern nicht verständlich und was man nicht versteht muss ja schlecht und gefährlich sein!
Und  gerade diese wissenschaftlich ungebildeten  Menschen glauben, dass alles „chemische“ gefährlich und schlecht sein muss.
Dass dieselben Leute sich mit „chemieloser“ Homéopathie oder Pflanzen-Medikamenten—teils aus obskuren Quellen im nahen oder fernen Ausland erworben— vollstopfen ist bezeichnend.
Übrigens sollten solche Gutgläublingen auch auf gekochte Nahrung verzichten, denn kochen ist nichts anderes als angewandte Chemie—und Chemie ist ja etwas Böses“. Nun ein Wort zu den Veganern, mich stört es nicht, wenn sich Leute vegan  unterernähren; wo aber bei mir sehr schnell die Alarmglocken zu läuten beginnen und der gerechte Zorn mich packt, ist ,wenn Kleinkinder und Säuglinge dieser Irr Diät ausgesetzt werden.
Jegliche Art von Integrissmus, sei er religiös oder einfach dumm-fanatisch, würde mir—hätte ich sie noch—die Haare zu Berge stehen lassen!
Also denken sollte man doch ehe man sein eigenes Leben durch Irr Lehren ruiniert und seine Kinder darf man sicherlich nicht zwingen—wegen Mangelernährung schwergeschädigt— mit einem Handicap ins Leben zu starten.



Donnerstag, 5. Januar 2017

Noch mal etwas zu Thema Reisen

Nun hat unser Held, nennen wir ihn Xaver, beschlossen auf lange Reisen im Flugzeug zu verzichten wenn er mit einer Partnerin eine Urlaubsreise plant. Wenn Xaver allerdings alleine reist kann es nicht weit genug sein, denn dort in der Ferne lockt ja viel Exotisches!
Der Grund dieser Entscheidung ist ein ganz banaler. Xaver, ein sehr umtriebsamer Mittfünfziger, der schon vor vielen Jahren von seiner Frau verlassen wurde—sie ertrug seine Eskapaden nicht mehr—musste in den letzten Jahren mehrmals erfahren, dass ein Umbuchen eines Flugtickets auf einen anderen Namen nicht mehr möglich ist und das Geld hoffnungslos futsch geht. Früher, ja Früher hatte er oft erst im letzten Moment entschieden welche seiner Geliebten er in den Urlaub oder zu diesem Städtetrip mitnehmen wollte, aber heute profitieren die Fluglinien ,Sicherheitsbestimmungen vortäuschend von den Wechselhaftigkeiten in Liebesbeziehungen.
Darum ist Xavers neue Devise, mit der Bahn—solange man noch Fahrkarten ohne Namensaufdruck bekommen kann—oder doch mit dem Auto zu verreisen.
Die Hotels sind heute nicht mehr auf „anständig verheiratete Paare“ aus, wer mit wem ist egal solange  der Übernachtungspreis bezahlt wird.



Mittwoch, 4. Januar 2017

Reiz der Reiserei

Ok ich liebe Reisen in Städte die mir schon seit langem lieb und teuer-leider immer teurer- sind. 
Ich denke da an Venedig, Paris, Florenz, Berlin, Barcelona und noch einige andere.
Was mich immer wieder dorthin zieht, ist‘s das Gefühl irgendwie heimzukommen, dahin wo man sich ohne Stadtplan zurechtfindet?
 Sind es die Kunstwerke und Sammlungen oder einfach die berühmte Suche nach der verlorenen Zeit? Bin ich dann in diesen Städten wo die Menschenmassen mir das Vergnügen dort zu sein doch relativieren, weil sie—die vielen Leute—immer im Weg stehen und wie Behinderte ihrem Smartphone folgen und dich dabei anrempeln. 
Man müsste eine APP kreieren, die den Handynauten vor im Wege stehenden Menschen warnt und dazu bringt AUFZUSCHAUEN um das so häufige Anrempeln auf ein erträgliches Mass zu reduzieren. Eine andere APP ,die diese Handynauten weg von Kunst und Kultur hin zu Shops und Märkten führte wäre noch viel wünschenswerter.
Wie oft sagt man sich, das tue ich mir nicht mehr an, zum Beispiel sich in überfüllten Städten zu tummeln, stundenlang auf Flughäfen zu warten um sich dann in viel zu enge Sitzreihen zu quetschen und sich von schreienden unerzogenen Kindern nerven zu lassen, vor Kinos, Theatern, Konzertsälen, Museen oder angesagten Restaurants—glücklicherweise gehe ich nie in Nachtlokale, ob Disco Dancing oder Piano Bar genannt—innerlich kochend auszuharren, bis der Zufall in Person eines tumben oder bulligen Türstehers über deine Wartezeit bestimmt.  

Ja das ist die grosse Frage warum tut man’s trotzdem? Ich glaube, dass man wie bei allem im Leben die schlechten Erfahrungen viel schneller und leichter vergisst als die guten, schönen bereichernden Erinnerungen. Auch aus der Kindheit, Schule und den verflossenen Liebes und Freundschaftsbeziehungen bleibt ja nur Gutes im Gedächtnis, alles Üble, Belastende Zermürbende, das man damals nie glaubte zu überwinden ist doch viel verblasster als die tollen Erfahrungen in jedem Bereich der Vergangenheit.
 Süsser ist die schwelgende Erinnerung an das erste Liebe-machen   als das wiederkäuen des ersten Streites mit dieser angehimmelten Person!

Dienstag, 3. Januar 2017

Bilingue, Zweisprachig

Der zufällig, in einer dieser sehr persönlich geführten kleinen Buchhandlungen gefundene Roman „Schnell dein Leben“ von der –mir bisher nicht bekannten –Autorin Sylvie Schenk hat mich sehr berührt. Die in Frankreich 1944 geborene Autorin verarbeitet die konfliktbeladene Beziehung zwischen Frankreich und Deutschland der Nachkriegsjahre  sehr gekonnt und diskret. Sie schreibt zwar auf Deutsch aber mit einer Sensibilität einer Französin.
Da ich selbst als Deutschschweizer  fünfzig Jahre lang  im französischen Sprachgebiet gelebt habe erahne  ich innerlich beim Lesen die französische Denkweise. So etwas ist mir bei deutschen Übersetzungen von zum Beispiel Albert Camus—die ich kaufte da meine Partnerin kein Französisch sprechen oder lesen kann—nie vorgekommen. In knapp 160 Seiten gelingt es dieser Autorin eine ganze, mir natürlich sehr nahe, Epoche wieder aufleben zu lassen.
Wenn irgendjemand Lust hat einige wenige Stunden in diese Zeit zurückzudenken, hier die ISBN 978-3-446-26331-5 www.hanser-literaturverlage.de