Montag, 1. Mai 2017

Auf und Um-Räumen

Liegt es daran, dass Frühling ist , dass ich mal wieder die Schränke in Ordnung bringen und schon lange nicht getragenes ausräumen will, oder ist das Überquellen der Schränke schuld daran?
Auch kommt dabei die Erinnerung  an die Zeit meiner Jugend  wieder hoch, als man noch Kleider zur Änderung zur Schneiderin brachte.
Neulich musste  ich mal wieder einen Knopf festnähen, er hing an einer neugekauften Jacke nur an einem dünnen Fädchen.
In meiner Nähschachtel, einer kleine Holzkiste die einst was edleres—nämlich alten Portwein—beinhaltet hatte, fand ich eine Riesenmenge an Knöpfen.
Knöpfe die als Ersatz in den Taschen von Hosen, Jacken, Mänteln, und Hemden gesteckt hatten sowie Bettbezugsersatzknöpfe und sonstige Verschlüsse nicht mehr zuzuordnender Teile. Da erinnerte ich mich zuerst an unsere alte Plätterin die auch wie  es damals üblich war  lockere oder gar fehlende Knöpfe wieder in Ordnung brachte. Dazu hatte sie grosse Schachteln mit Knöpfen und sonstigen anzunähenden Verschlussteilen. Ich sehe mich noch, am Boden sitzen und ganze Nachmittage lang mit den Knöpfen spielen, während uns—mir und meinen Geschwistern—das alte  Fräulein mit unverhohlener Begeisterung ihre Version der Bibelgeschichten sehr realistisch erzählte. Diese Erzählungen haben wohl auch meine Liebe zum Lesen erweckt, mich der Religion als Gläubiger zuzuführen haben sie aber nicht dauerhaft geschafft, dazu habe ich wohl einen zu kritischen Geist.
Aber zurück zu meinem  Nähkästchen, aus dem man ja—so sagt das Sprichwort—gerne plaudert. Es war eher das Kästchen, das mit Hilfe der alten Knöpfe zu mir sprach. Viele der Knöpfe blieben anonym, andere waren auch nach vielen Jahren oder gar Jahrzehnten klar einem Kleidungsstück zuzuordnen. Dadurch kam ich ins Träumen: wer trug wann was zu welchem Anlass…..Mein knurrender Magen unterbrach meine Träumereien und trieb mich in die Küche wo noch ein Rest Brot einige Wurstscheiben und Käsestücke zusammen mit einer recht ansehnlichen Neige Wein mir ein frugales Mahl bescherten.



Samstag, 29. April 2017

Wieder Mal ein Kalauer

Als sie sich kennen und lieben lernten waren sie ein Herz und eine Seele.
Mit der Zeit trat K in ihre Beziehung.
Jetzt gilt K ein Herz und K eine Seele !



Donnerstag, 27. April 2017

Quer oder Andersdenker

In der Wissenschaft, besonders in der Medizin—ist Medizin nun eine exakte Wissenschaft oder wie es noch vor nicht allzu langer Zeit hiess eine Kunst—gibt es immer wieder abweichende Meinungen. Publiziert eine Studiengruppe etwas, muss man im Allgemeinen nicht lange auf eine Gegenstudie warten.
Ob dies ehrlich gemeint  oder als intellektuelles Spiel gedacht ist wird man wohl nie wissen. Ich erinnere mich an eine Zeit, als in einer Schweizer Uniklinik auf der gleichen Abteilung zwei Professoren ihre schon lang dauernde Fehde—zum Gaudi der ganzen wissenschaftlichen Elite des Unispitals— über konträre Publikationen austrugen. Ja in der Medizin ist eben vieles noch nicht restlos etabliert; ich erinnere zum Beispiel an die Zeit, wo bei Magen-Darm Geschwüren noch keine effiziente Therapie zur Verfügung stand, was da für ein Wildwuchs an „Mittelchen“ und chirurgischen Pseudo-Lösungen im Angebot war, welche in kürzester Zeit verschwanden als die effizienten  H2 Blocker auf den Markt kamen. Zwar gibt es bis heute noch Alterna(t)iv-Mediziner, die weiterhin an Hokus-Pokus zu glauben vorgeben—Umsatz muss ja sein!— aber die Schulmedizin kann sich der Evidenz neuer so wirksamer Therapien kaum verschliessen.
Vor dem Hintergrund dieser Erklärung möchte ich nun eine Episode aus meiner Zeit als Pharma—was nun—Vertreter, Berater, Verkäufer, Referent, Reisender oder gar Hausierer—wäre ich eine Frau käme noch Pharma-Schlampe hinzu— erzählen.
Bei Magnetresonanz-Untersuchungen gibt es klare Richtlinien wann Kontrastmittel zum Einsatz kommen sollen, müssen, könnten und wann kein Grund zu deren Einsatz vorliegt. Nun ist es aber so, dass Untersuchungen mit Kontrastmitteln mehr Cash-Flow bringen also bei manchen, vielen? sicher nicht allen Untersuchungsinstituten immer ein Grund Kontrastmittel einzusetzen besteht.

Ich erinnere mich im Besonderen an einen Kunden der immer aber auch wirklich immer Kontrastmittel einsetzte—was meinem Umsatz natürlich auch zu Gute kam—und der von den Konkurrenz-Instituten wegen übertriebenem Kontrastmittel-Einsatz öffentlich oder eher halb-öffentlich (eigentlich absolut berechtigt) angeschwärzt wurde. Eines Tages bat er mich, doch den wissenschaftlichen Leiter unserer Firma zu bitten Studien zu finden die belegen, dass er recht habe und alle andren falsch liegen mit ihrer Zurückhaltung im Kontrastmittel-Einsatz; dies kommt ja auch ihnen und ihrer Firma zu Gute! war seine, etwas gezwungen lächelnde, Aussage.

Mittwoch, 26. April 2017

Back to the Roots

José war in den Vororten von Manila zur Welt gekommen. Eltern kannte er nicht, nur eine grosse Schwester. Seine ersten Erinnerungen beschränkten sich auf die Arbeit auf der riesigen Müllhalde. Weil er für sein Alter noch sehr klein  aber alles andere als dumm war schickten ihn die grösseren Kinder—die Anführer—in die Gruben im Müll um zu sehen ob sich das Graben an dieser Stelle lohnen könnte. Wie alt er war wusste er nicht aber irgendwas zwischen fünf und sieben. Er war ein sehr schönes Kind, das fiel auch einigen Touristen, die eine Erlebnistour zu den pittoresken Orten der Stadt, wie Märkten, Rotlicht-Vierteln, Hahnenkampfarenen, Boxkampf-Ringen  und eben Müllhalden gebucht hatten, sofort auf. Zwei Männer, die zusammen diese Erlebnisreise machten, verknipsten mehrere Filme—es war vor dem digitalen Zeitalter— um den süssen kleinen Jungen zu verewigen.
Am nächsten Morgen waren die zwei Freunde mit einem Taxi zur Müllhalde gefahren. José glaubte ihren Versprechen von einem besseren Leben nur halb, aber schlechter als  hier, wo er von den grossen Jungen wie ein Sklave gehalten und ausgebeutet wurde, konnte es sicher nicht sein.
Es war anders schlimm. Zwar war keine  Gewalt mit im Spiel, aber ein Spiel war es sicher nicht. Immerhin war er nun in Europa. Madrid gefiel ihm gut, man sprach ja spanisch genauso wie in Manila und das was die beiden neuen „Papis“ von ihm wollten war zwar eklig tat aber nicht weh……
Einige Jahre später, die beiden „Papis“ hatten sich getrennt landete José wieder auf der Strasse. Wie man an Geld kommt wusste er, aber stehlen wollte er nicht und so blieb ihm nur der—zwar eklige aber— sehr einträgliche Weg übrig. Lesen Schreiben und Rechnen hatte er bei den „Papis“ recht gut gelernt-zur Schule konnte er als „ Sans-Papiers“ natürlich nicht geschickt werden. Zwar hatten die „Papis“ anfangs versucht ihn zu adoptieren, es hatte aber nicht geklappt. Wie José von der Polizei aufgegriffen und der Jugendbehörde anvertraut wurde, und wie er dann doch noch zu Papieren kam ist unwichtig für diese Geschichte.
Nun arbeitete José schon seit einigen Jahren am Flughafen in Madrid. Er lud und entlud Flugzeuge, legte das Gepäck auf Förderbänder und hoffte irgendwann zur Putz-Equipe—die die Flugzeuge aufräumen— wechseln zu können.
Endlich wurde sein Wunsch erfüllt, er kam zum ersten Mal in ein Grossraumflugzeug zum Putzen. Und da hatte er blitzartig ein Gefühl von „Déjà-vu“;
José sah sich im First-class Abteil mit dem Kniehohen Müll wieder in seine heimatliche Müllhalde zurückversetzt.





Dienstag, 25. April 2017

Am Arsch vorbei

Wie dumm unser Parlament wirklich ist sieht man an den Gesetzen! Ja die Legislative, also das Parlament verabschiedete in den letzten Jahrzehnten immer mildere Gesetze.  Abschreckend wirken die sowieso nicht mehr. Das meiste Fehlverhalten gegen die Gesellschaftsordnung wird wenn überhaupt mit Geldstrafen geahndet. Aber diese Geldstrafen werden dazu noch auf—das stelle man sich mal vor—Bewährung ausgesprochen. Ja auch unsere wischiwaschiweichgepühlte Gerichtbarkeit ist ja nur noch aus Gutmenschen* zusammengesetzt.
Abgeschaut haben es viele Täter sicherlich von den notorischen Schwarzfahrern, die, wenn sie erwischt werden, einfach nicht bezahlen  frisch und fröhlich weitermachen und sich auch noch damit brüsten.
Oft hört man auch, dass Firmen wegen Fehlern wie: Schwarzarbeit, nicht einhalten von Gesetzen jeglicher Art, nicht bezahlen der Sozialabgaben, Preisabsprachen und was noch immer zu BEDINGTEN Geldstrafen—welche schon längst budgetiert waren—verurteilt werden.
Genauso die Betrüger-Firmen, die ja oft in Konsumentensendungen im Fernsehen und Radio angeprangert werden gegen die man angeblich keine Handhabe hat und die dann einfach den Firmennamen ändern und fröhlich—praktisch unter Behördenschutz durch Dumm&Faul-Heit—weitermachen.
Auf die Idee Gesetzeslücken schnellstens auszufüllen kommt kein Parlamentarier und auch kein Richter!
Ja so kann und muss man sagen; allen Tätern, Gesetzesgebern  und Richtern geht’s wohl einfach 
AM ARSCH VORBEI!

*früher eine ehrbare Bezeichnung nun eher eine Beschimpfung!



Montag, 24. April 2017

Gutmenschsyndrom und Tierschutz

Die Tierschützer haben die eierlosen charakterlosen Politiker dazu gebracht, dass nicht mal `ne Maus oder ein Karnickel als Einzeltier zur Erheiterung von Kindern gehalten werden darf. Alle Haustiere müssen ein Partnertier haben sonst gibt’s Ärger mit vegetarischveganen Wahnsinnigen!
Wie ist das nun mit Einzelkindern? Müsste man nicht jede Schwangere, die noch kein Kind hat, in Wohngemeinschaften einweisen damit ihr Kind nicht dem Trauma des Alleinseins ausgesetzt wird. Und wenn ein Kind stirbt, muss dann das andere Kind in ein Wohnheim oder müssen die Eltern mit dem überlebenden Kind in eine Wohngemeinschaft einziehen? Wo bleiben die ach so besorgten Beschützer der Kindheit, schlafen die etwa?
Ein Ausweg zeichnet sich  nun ab, Familien mit Einzelkindern können ja bis zur Geburt des zweiten Kindes eine Flüchtlingsfamilie mit Kindern oder Flüchtlings-Kinder ohne Eltern aufnehmen. Wann frage ich die Verantwortlichen Politiker, ja wann kümmert sich der Staat endlich ums Wohl der zukünftigen Generation, die notabene unsere Renten erwirtschaften müsste?


Sonntag, 23. April 2017

Lesetipp

Ich habe vor kurzem André Hellers „Buch vom Süden“ mit viel Vergnügen gelesen. Aus dem umtriebigen Enfant-terrible der sechziger und siebziger Jahre ist ein weiser älterer Herr geworden. Nun ist im Zsolnay Verlag ein klitzekleines, sehr grosses, Buch mit dem Titel „Uhren gibt es nicht mehr“ erschienen.
Es handelt sich um Gespräche die André Heller mit seiner inzwischen 102 Jährigen Mutter geführt hat. Ein literarischer Leckerbissen und ein sehr berührendes Dokument, wie man auch trotz einer gewissen Verwirrung,  geistvoll altern kann.
Daraus nur ein Zitat der alten Dame:  Statt ins Burgtheater gehe ich in mich.