Montag, 2. Oktober 2017

National Rifle Association

Bei einer rasch einberufenen Sitzung—nach der erfolgreichen Werbeaktion für effiziente Waffen am letzten Wochenende in Las Vegas—wurde vom Präsidium der National Rifle Association  beschlossen den leider verstorbenen Helden, der klar gezeigt hat wozu Waffen besonders vollautomatische, nützlich sind, gebührend zu  feiern.
Auch sollen  überlebensgrosse Denkmäler in allen Städten der Südstaaten zu seinem Andenken und zu seiner Ehrung errichtet werden, dadurch hat man ja dann auch die Möglichkeit direkt für diese wunderschönen automatischen Selbstverteidigungs-Systeme in sehr anschaulicher Art und W(a)eise  zu werben.
Jetzt aber Business als usual denn die Nachfrage wird sicher explodieren!




Donnerstag, 28. September 2017

Hänsel & Gretel

Gestern waren wir, ohne es gewollt oder gar geplant zu haben, in einer vergewaltigungs-Oper. Erwartet hatten wir es nicht, handelte es sich doch um Hänsel & Gretel von Engelbert Humperdinck, also um eine Märchenadaptation. Vergewaltigt wurde aber nicht etwa Gretel oder gar Hänsel, nein Opfer dieser Vergewaltigung waren die Gebrüder Jacob und Wilhelm Grimm oder eher noch ihre Geschichte.
Eigentlich war die Darbietung sehr ansprechend, gut inszeniert und auch die Schauspieler machten ihre Sache sehr gut, aber eben von dem—unsere Kindheit begleitenden— Grimm-Märchen war kaum etwas geblieben, keine Elternintrige, kein verlaufen im Wald mit Brösel und Kieseln. Nur das Knusperhäuschen war da und die, nach Kinderfleisch lechzende Hexe.
Nachts als ich so im Halbschlaf lag kamen mir Verfilmungen von Büchern in den Sinn. Auch im Filmen ist meist vom literarischen Werk nicht viel geblieben, alles muss der sogenannten „Künstlerischen Freiheit“ und wohl auch den kommerziellen Wünschen der Geldgeber untergeordnet werden.
Eine sehr bemerkenswerte Ausnahme war die Kino-Adaptation des Romans des russischen Schriftstellers Wladimir Klawdijewitsch Arsenjew  über den Taiga Jäger Dersu Usala vom Altmeister des Japanischen Films  Akira Kurosawa. Als ich diesen Film in den Siebzigerjahren gesehen habe, also etwa ein viertel Jahrhundert nachdem ich als Kind den Roman, nicht etwa gelesen, sondern verschlungen hatte, fand ich alles was ich mir damals vorgestellt hatte wieder. Auch Werke wie Süsskinds Parfüm sind gut fürs Kino adaptiert worden aber das sind die löblichen Ausnahmen.





Mittwoch, 27. September 2017

Schlamassel

                                                          Poli-tik-zei  sind  Schuld!


Ja, ich finde dass früher alles besser war, aber das fanden schon die alten Griechen, und seither sagt es wohl jede Generation. Eigentlich weiss ich ja dass es so nicht stimmt aber, ja aber, ich denke an etwas ganz bestimmtes und zwar an die seit den 1968 Unruhen existierende „leck mich doch“ Einstellung.
Ich versuche es zu erklären. Als ich Teenager war machten auch wir Dummheiten. Brav und lieb waren wir sicher nicht, rebelliert haben wir bestimmt a b e r
ja aber es gab noch Kontrollen und Reaktionen auf unser un-ziviles Verhalten. Fuhren wir verbotenerweise  mit dem Fahrrad auf Wald und Feld Wegen stand der Dorf oder Quartierspolizist da und ermahnte uns eines Besseren. Wurden wir zu Wiederholungstätern stand der Polizist plötzlich wieder da und es gab eine Strafe die auch die Eltern erfuhren. Die Eltern standen immer, oder doch meist, auf der Seite der Polizei und verschärften die Strafe.
Wenn man in der Schule getadelt und bestraft wurde drohten die Eltern dem Lehrer nicht mit einem Anwalt sondern ihren Kindern mit dem Gürtel oder Rohrstock. Heute wissen die Kinder nicht mal mehr was ein Rohrstock und folglich auch nicht was eine Tracht Prügel, ist.
Die Politik hat die Arbeit der Polizei massiv beeinflusst. Am wichtigsten sind Bussgelder denn sie fliessen in die leeren Kassen der Gemeinden. Dabei kommt die Aufgabe für Recht und Ordnung zu sorgen nicht nur zu kurz sondern ganz unter die Räder. Der Polizist der Fahrrad-Rowdys bestraft muss erst noch erfunden werden, denn er hat Angst  von diesen Rowdys beschimpfen oder gar angegriffen zu werden. Dasselbe gilt für Hundebesitzer die an verbotenen Stellen—wie Kinderspielplätze— ihre Viecher zum Kacken führen dort sieht man keinen Ordnungshüter weil er wohl Angst davor hat das ihm erboste Frauchen oder Herrchen ihr Koloss auf den Hals hetzen. Hat irgendwer schon mal einen Polizisten gesehen gegen Littering einzuschreiten? nein wozu auch, denn der Aufforderung der Verschmutzer sie doch am Arsch zu lecken wollen auch die gutmütigsten Polizisten nur ungern folgen.
 Respekt oder gar Angst vor der Obrigkeit hat ja heute keiner mehr, denn die Wahrscheinlichkeit, dass irgendeine verbotene Tat zur Anklage kommt ist verschwindend klein und das Risiko mehr als eine   b e d i n g t e Geldstrafe auferlegt zu bekommen noch unwahrscheinlicher.
Und so haben wir die Gesellschaft die wir verdienen aber wir wundern uns dass als Reaktion darauf das rechtsextreme Gedankengut wieder Salonfähig wird!
Ja wenn AfD irgendwann ans Ruder kommt herrscht wieder  un-Recht und Ordnung aber wollen wir das?


Dienstag, 26. September 2017

Wartezimmergedanken oder Divagationen

Unser Held, na ja eben nicht wirklich heldenhaft, also Gustav—wie üblich in der Schweiz kurz Gusti genannt—also Gusti sass in diesem übervollen diskret nach Urin riechenden Wartezimmer des Urologen. Frauen waren keine da, noch nicht mal als Begleitpersonen, nur alte Männer. Halt ! zwei junge waren auch da, die nervös, beschämt und gestresst aussahen. Und beim Beobachten dieser beiden Nervenbündel erinnerte sich Gusti plötzlich an seine Studenten-Zeit in Paris. Es war lange, sehr lange, her.
Ja in den späten Fünfzigerjahren war er für einige Semester an die Sorbonne gekommen und da war er als „reicher“ Schweizerstudent sehr umworben. In Frankreich galten damals, so kurz nach dem Krieg,  Schweizer immer als wohlhabend wenn nicht gar als reich, dass Gusti von seinem Vater nur recht knapp unterstützt wurde behielt er für sich, zu schön war das Gefühl umschwärmt zu werden. Er führte ein sehr lockeres Leben und so war es nicht erstaunlich, dass er sich mehrmals im Wartezimmer der urologischen Poliklinik einfand. Aids gab es ja noch nicht aber alle anderen sogenannten “Sexuell übertragbaren Seuchen“ wie Tripper Syphilis, Herpes und wie sie alle heissen—als Studius der Geisteswissenschaften war ihm alles Medizinische sehr fremd—waren damals sehr verbreitet.
Nun erinnerten ihn die zwei jungen Wartenden an seine Gefühle damals. Die Behandlungen waren brutal gewesen, Permanganat Spülungen und Silbernitrat-Stäbe von unerfahrenen Assistenzärzten in den Ureter gespritzt oder gar geschoben zu bekommen war kein Vergnügen, denn die damals noch sehr teuren Antibiotika wurden nur wenn unbedingt nötig, also bei Syphilis und Tripper verabreicht; gegen Clamydien und die sogenannten Unspezifischen—weil nicht genau gesuchten und bestimmten—Harnröhren-Infekte wurden auf genannte brutale Art beseitigt. Aber doch und trotz der Folgen balzte er glücklich weiter in der altehrwürdigen Sorbonne und wurde in etwa zum Dauerpatienten der Poliklinik. Trotz allem  beneidete Gusti diese beiden jungen Wartenden, sie, so war Gusti überzeugt, würden geheilt werden, um dann fröhlich der nächsten Ansteckung entgegen zu eilen.  Er und all die anderen alten wartenden Männer würden hier zwar behandelt aber nicht geheilt werden und die meisten davon kämen nicht um eine Operation herum. Ja und dann, so befürchtete Gusti war der Freund Eros oder Amor nur noch ein aus seinem Leben verschwundener Ex-Freund.


Samstag, 23. September 2017

Vom Super-Preis zum Trostpreis

Elvira war zwar nicht sehr helle aber sehr gut aussehend. Sie war keineswegs eine wahre Schönheit aber sie hatte was, dass ihr alle Herzen zuflogen, nicht nur die der Männer nein auch die meisten Frauen in dieser Firma waren von ihr angetan. Sie erweckte bei den meisten männlichen Mitarbeitern so etwas zwischen dem Bedürfnis sie zu beschützen und dem sie zu besitzen. Sie war eigentlich als Telefonistin angestellt worden, hatte diesen Beruf sogar gelernt, war aber nicht fähig ihn auszuüben, weil sie immer mit den Anrufern—nicht etwa schäkerte, nein—einfach lange Schwätzchen hielt. Da niemand dazu bereit war sie zu entlassen suchte man für sie eine Beschäftigung. Post austragen ging nicht sie kam nicht schnell genug von Raum zu Raum, im Archiv konnte man sie auch nicht brauchen denn man fand die Dokumente die sie abgelegt hatte nicht wieder, ausser man suche etwas ganz anderes!
Und nun brachte sie Kaffee  Tee und Wasser zu den verschiedenen Sitzungen wo sie zwar immer angegafft aber nicht angequatscht werden durfte.
Schon nach sehr kurzer Zeit bildete sich nicht nur zwischen gewissen Mitarbeitern der Firma, sondern  auch bei Gästen—die sie bei Sitzungen begafft hatten—sowas wie ein Wettbewerb aus; wer kriegte sie rum, das heisst wer brachte es fertig sie zum Diner einzuladen  und dann nach Hause zu begleiten. Wählerisch war Elvira nicht, das Problem war die Schüchternheit der Anwärter. Jahrelang liess sich Elvira verköstigen verwöhnen und vernaschen und dies alles zu ihrem eigenen Nutzen, denn diese drei Dinger waren ihr das wichtigste im Leben. Verstecken musste sich keiner, nein Elvira war naiv genug um stolz ihre Liebschaften zu zeigen. Für das Ego der Kerle war sie so was wie der erste Preis oder wie der Beweis ein richtiger Kerl zu sein.
Mit den Jahren verminderten sich die Anwärter für schöne Stunden mit der schnell alternden Kaffee-Muse, allmählich wurde sie so was wie ein Trostpreis für ältere Männer welche sie ins Mac Donald und dann in ein Billigsthotel führten, Männer die sie vorher nicht mal mit dem Arsch angesehen hätte.




Freitag, 22. September 2017

Eduard Mörike (1804 - 1875), deutscher Erzähler, Lyriker und Dichter

Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
noch träumen Wald und Wiesen;
bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
den blauen Himmel unverstellt,
herbstkräftig die gedämpfte Welt
in warmem Golde fließen.

Gott oh Gott

Als Gott sich von der Anstrengung alles in nur 6 Tagen erschaffen zu haben  ausruhte kamen ihm Zweifel als er das erste—von seinen Geschöpfen erdachten—Sprichwörter mitbekam.

Gut Ding braucht Weile.
Und so erfand er die Ungleichheit zwischen seinen Geschöpfen welche zu Zwist und Krieg führten und für ihn ein willkommener Zeitvertreib wurde.