Donnerstag, 12. März 2015

Asyl und Asylanten im Laufe der Zeit

Vor langer Zeit, sehr langer Zeit verliessen Menschen ihre europäische Heimat aus Abendheuerlust oder aus Not .Sie machten sich, oft mit Gewalt in anderen Ländern breit, wurden sesshaft und obwohl sie eine Minderheit waren entwickelten sie sich zu den neuen Herrschern dieser Länder die man dann meist Kolonien nannte. Für die Einwohner dieser Länder waren es, zu Beginn, Asylsuchende, zwar oft suchten sie das Asyl mit Gewalt zu erzwingen, aber eben  Asylanten waren sie doch. In Wirklichkeit waren es aber eigentlich eher Goldgräber, wobei sie nicht etwa selbst gruben, nein das überliessen sie den Eingeborenen, sie liessen sich unterstützen und sorgten dafür, oft auch mit Nachdruck, dass das Gold und alle anderen brauchbaren Schätze in ihre Heimat geschickt wurde! Bald schon wurden sie von Asylanten zu Kolonialherren, trieben schamlos Raubbau und  liessen ihre Familien und Freunde nachkommen. Sie gründeten Schulen und unterrichteten die Eingeborenen .Sie brachten ihnen Anstand und Religion sowie Gehorsam bei, wenn nötig auch mit brutaler Gewalt. Einige Jahrhunderte später, die Zeiten hatten sich geändert, wurden die Kolonien zu unabhängigen Staaten. Die neuen  Politiker, die von den ehemaligen Kolonialherren,  deren ergebene Diener sie gewesen waren, auf deren Schulen weit ab der Heimat  ausgebildet worden waren, machten gute Geschäfte mit den ehemaligen Herrschern. Auch hatten sie gesehen, dass die beste Regierungsform  Diktatur und Gewalt ist. Wohl aus Grössenwahn und immenser Kurzsichtigkeit haben die ehemaligen Kolonialherren den Menschen ihrer Kolonien den freien Zugang zum Arbeitsmarkt ihrer Länder zugestanden, oft auch die Staatsbürgerschaft gegeben. Dass nun in diesen Ländern Massen an Asylanten mit Familie ankommen ist eigentlich absolut nachvollziehbar, aber eben auch sehr sichtbar. Schliesslich haben die Kolonialherren die verschiedenen Länder ausgelaugt, ihre Sprache und Unsitten eingepflanzt und beim Wegzug  ein Chaos hinterlassen. Dass gewisse Länder die nie Kolonien besassen auch viele Asylanten haben ist verständlich, man kommt ja schliesslich nicht gerne freiwillig zu seinen alten Folterern! und wenn auch noch die seinerzeit aufgezwungene Sprache gesprochen wird umso besser.

Samstag, 7. März 2015

Diabetes

Sie waren ein seltsames Trio, der alte Hans und seine Frau die Luise und dann die Hauptperson die zugelaufene Katze. Es war eigentlich ein kastrierter Kater. Er war schon vor vielen Jahren zugelaufen, hatte sich die zwei alten Menschen als neue Heimat gesucht, ja er war auf diese zwei Menschen fixiert, so hatte er  auch ganz ohne Murren den Umzug vom Land in die Stadt problemlos  mitgemacht. Hans war schon seit langer Zeit recht gebrechlich, das Herz wollte nicht so wie es sollte, ausserdem die üblichen Altersprobleme und nun auch noch dieser blöde Diabetes. Was sollte das, am liebsten ass er ja Süsses alles andere schmeckte ihm einfach schon lange nicht mehr und jetzt sollte er strenge Diät einhalten, wozu? um länger zu leben? wozu? was machte denn im Leben noch Vergnügen, was? ausser Süsses und süsser Kaffee mit viel Sahne. Luise, pflichtbewusst wie sie nun mal erzogen war, spritzte ihm das Insulin und kochte Diät,  ja sie wog alles aufs Gramm genau ab, alles was dann zum grossen Teil im Teller blieb und dann im Katzenteller landete. Zu Anfang war Hans noch mobil, ging noch ein wenig spazieren und kaufte die Rauchwaren und Zeitschriften. Täglich musste Hans seinen Urin auf Zucker untersuchen, dazu benutzte er eine alte leicht angeschlagene grosse Tasse mit einem Henkel.  Zuerst urinierte er eine mehr oder weniger kleine Menge in die Tasse die er dann auf den Spülkasten stellte, um anschliessend sein kleines Geschäft ins Klo zu beendigen. Er nahm die Teststreifen, merkte sich das Resultat, sagte seiner Luise meist „alles in Ordnung“ und ging zum Tisch wo seine Lieblingsmahlzeit schon auf ihn wartete, das Frühstück. Er genoss Frühstück und Zeitung, wurde aber bald wieder müde und legte sich mal kurz aufs Sofa—so ein bis zwei Stündchen—In dieser Zeit, wo Luise ihren dritten Kaffee trank,  die Zeitung ausführlich las, und ununterbrochen rauchte, schlich sich der Kater ins Bad. Er sprang, trotz seines schon fast biblischen Alters, auf den Spülkasten beroch den Urin-Rest seines Herrchens und trank ihn aus, ob des Zuckers  darin, oder ob der Anhänglichkeit wegen sei dahingestellt. Einige Jahre danach starb Hans, alle waren traurig, Luise die Kinder und Enkel und der Kater. Kurz darauf starb auch der Kater, es war die Katastrophe für Luise, nun war sie ganz alleine. Beim Aufräumen fanden die hilfsbereiten Kinder in der Einkaufstasche, die Hans immer zum Zeitungsladen mitgenommen hatte, hunderte säuberlich ausgeschnittene Rabattmarken, wie sie auf den Schokolade und Kekspackungen damals zu finden waren, fein säuberlich sortiert, in dem Seitenfach.                                                                                                                                                                                                                 Dies als Kommentar  zu Diät und Diabetes.

Donnerstag, 5. März 2015

Orient am Neuenburger See

Es war in den siebziger Jahren, damals wohnte ich in Neuchâtel direkt am See. An einem Freitagabend, im Herbst, parkte genau vor meiner Wohnung ein recht grosser beigefarbener Mercedes mit deutschem Kennzeichen. Die Personen stiegen aus. Eine alte Frau ein Mann mittleren Alters eine ebensolche Frau und drei Kinder wohl zwischen vier und neun Jahre alt. Die beiden Frauen waren mit Kopftuch, langen weiten Kleidern und darüber einem Regenmantel bekleidet. Der Mann trug Anzug und Weste, kragenloses weisses Hemd und Turban-ähnliche Kopfbedeckung . Dass diese Familie aus dem Orient stammte war mir sofort klar. Was nun geschah war recht bizarr. Sie umkreisten das Auto, öffneten alle Türen sowie den Kofferraum der von Gepäck überquoll. Dann fingen sie an mit einfachsten Mitteln ein Essen zuzubereiten. Aus Taschen und Körben zauberten sie Esswaren und Thermosflaschen zutage ,gekocht wurde nicht aber getafelt .Die Eltern sassen quer auf den Autositzen ,die Knie auf denen je ein Kind untergebracht war, gegen aussen mit den Füssen auf dem Asphalt. Die Oma und die grössere Tochter sassen alleine aber genauso auf ihren Sitzen. Immer wieder wurden die Plätze getauscht, es war ein endloses Hin und Her zwischen den Erwachsenen und den Kindern. Das Autodach diente als Tisch und es war sehr amüsant die Auslage der Speisen und Dinge zu sehen. Die Oma stand immer mal wieder auf und verteilte das Essen an alle. Es dauerte Stunden .Danach verschwand die Mutter erst mit dem einen dann mit dem zweiten Kind im Gebüsch um Seeufer, die anderen folgten diesem Ritual. Der Vater rauchte genüsslich mehrere Zigaretten und dann, ja dann quetschten sich alle irgendwie ins Auto, die Fenster wurden von innen mit Tüchern verhängt und dann wurde es ruhig im Auto. Es war sehr  spannend, das Aufwachen und das Aufstehritual zu beobachten; wieder die Wanderung  aller Familienmitglieder ins Gebüsch am Seeufer, dann das Frühstück. Keiner verliess die unmittelbare Umgebung des Autos.Den ganzen Vormittag über machten sie eigentlich nichts ausser ums Auto herum zu sein. Mittags und abends war eine genaue Wiederholung des Rituals, es wurde getafelt und sonst passierte einfach nichts auch die Nacht zum Sonntag verlief genauso wie die erste Nacht. Am Sonntag nach dem Frühstück, die Getränke mussten inzwischen sicherlich kalt sein, denn gekocht wurde nicht, packte man alles ein  und das Schauspiel wurde durch die Abfahrt des schönen Mercedes beendet.


Mittwoch, 4. März 2015

Desto tiefer ist der Fall….

Susanne hatte sich vor Jahren schon ganz bewusst einen sehr erfolgreichen Mann geangelt. Dass sie eine äusserst  attraktive Frau war, hat ihr bei diesem Plan nicht geschadet. Sie hatten zwei gesunde Kinder, einen Sohn und eine Tochter, so ganz die Bilderbuchfamilie. Dazu kam Villa, Hund  und Ferienhaus, einfach alles um eigentlich zufrieden zu sein. Susanne war nun aber mal nicht der Mensch je zufrieden zu sein, immer verlangte sie nach mehr, viel mehr, ja sie wollte einfach alles. Über ihre Herkunft wusste Gerhard nicht das Geringste, alle Fragen wurden ausweichend beantwortet. Nein sie hatte keine Eltern mehr. Nein auch keine Geschwister. Was sie für eine Schulbildung hatte und ob sie eine Berufsausbildung gemacht hatte wusste Gerhard nicht genau ,er wusste nur dass sie, als er sie bei Geschäftsfreunden kennengelernt hatte, eine sehr einnehmende Person war die auch ein souveränes Auftreten an den Tag legte. Sie war so ganz beiläufig zum Mittelpunkt des Abends gewordener. Gerhard, der noch sehr jugendlich wirkende Unternehmer, war von ihr fasziniert.                                                                                                                           Gerhard führte die,  geerbte, grosse,  Import Export-Firma ganz alleine, nur er hatte  das Sagen. Susanne machte immer wieder Pläne wie sie ein noch glamouröseres Leben haben könnte. Auf ihr Drängen hin war Gerhard  schon seit einiger Zeit in eine politische Partei eigetreten, nun wurde er bedrängt als Abgeordneter zu kandidieren. Nach langem Zögern und Abwägen sagte er zu. Schon in der Zeit der Kandidatur, aber erst so richtig nach der brillanten Wahl, begannen  die Journalisten mit Recherchen und stiessen auf viele Ungereimtheiten in der Vergangenheit von Susanne. Sie soll eine dubiose Vergangenheit als Escort-Dame haben, ja man munkelte gar, dass sie in ihrer Heimatstadt einem verpönten Gewerbe nachgegangen sein sollte. Ein besonders cleverer Journalist fand ihre Eltern—auf die sie ja nicht gerade stolz sein konnte— und machte ein grosses Interview mit dem stadtbekannten Halbbruder der eine anrüchige Kneipe mit sogenannten „Hinterzimmern“ und Animierdamen besass. Was die Eltern und der ominöse Halbbruder über Susanne erzählten war vernichtend. Sie habe aus einer ersten Beziehung einen Sohn, den der Vater, ein marokkanisches Schlitzohr entführt und bei seiner Mutter in der Nähe von Tanger versteckt hatte. Dieser Marokkaner sass zurzeit wegen Zuhälterei und Drogen-Delikten im Knast. Angeblich sei er auch Susannes Zuhälter gewesen. Durch all diese Berichte kam die Politkarriere Gerhards schnell ins Stocken, dadurch zerfiel die ach so schöne Ehe und Susanne, die nach den Sternen gegriffen hatte verschwand von der Bildfläche und aus dem Leben von Gerhard und den Kindern. Sollte es eine Moral der Geschichte geben würde sie so lauten.                                                                                                                      “wenn du nach den Sternen greifst solltest du immer auf dem Boden bleiben“

Dienstag, 3. März 2015

LAND IDYLLE

Der Bauer nannte immerzu
Seine Frau—du dumme Kuh—
Bis die Frau es endlich wagte
und ihn bei Gericht verklagte.
Das Urteil war für diesen Bauer
in der Tat ein wenig sauer.
Würd als Kuh er sie betiteln
Müsst‘ der Richter neu ermitteln.
Und dann käme er zum  Schluss
Dass er ins Gefängnis muss.
Auf dem Heimweg keift die Frau
der Richter machte dich zur Sau.
Hass voll sieht der Mann sie an
Weil er sie nicht riechen kann.
Und er zischt dann doch verschmitzt
dass es ihr die Seele ritzt.
Ich werf die Flinte nicht ins Korn

eher brech ich dir ein Horn!


Bäuerliche Moritat

Nach der Fahrt zur Milchzentrale
fährt der Bauer jedes Male
zu der Kneipe hier im Kral
s‘gibt doch keine andre Wahl.
Erstmal trinkt er gerne Wein
zweitens auch ein Schnäpschen fein.
Da trat ein neuer Zecher ein
dieser  lachte wie ein Schwein.
Als er von dem Kerl erfuhr
seine Frau gleich einer  Hur  
treib es draussen  auf dem Flur
rast er blind vor Wut hinaus
bläst das Lebenslicht ihr aus.

Montag, 2. März 2015

Schulerinnerungen

Wir haben in der Schule, ich war etwa vierzehn Jahre alt „Die Braut von Messina „ von Schiller gelesen. An dies erinnerte ich mich viele Jahre später, als ich mit einem Freund und Kunden im Jura beim Nachtessen war. Es war Juni ein wunderschöner Abend. Wir sassen auf der Terrasse eines Restaurants in Tariche direkt am Wasser, am Doubs. Wir unterhielten uns sehr angeregt, assen zur Vorspeise frisch gefangene Forelle aus dem nahen Fluss und hatten eine Lammkeule, als Hauptgang, in den Ofen schieben lassen. Wie immer mit meinem Freund Paco floss der Wein in reichlicher Menge. Zu dem Zeitpunkt als die nette Serviererin die Lammkeule zum Tisch brachte ,blökte in der Wiese neben unserem Tisch ein süsses schneeweisses Lämmchen zum Herzerweichen, roch es wohl sein verschwundenes Geschwisterchen? Die Keule war vorzüglich doch es beschlich mich eine gewisse Nostalgie und ich dachte an die Schullektüre zurück die ich sogar nach über vierzig Jahren noch teilweise auswendig wusste. Und hier nun zur Erbauung die schönen Verse von dem Dichter, der leider, hierzulande, heute nur noch seines Tells und vielleicht der „Glocke“ wegen bekannt ist.


Schön ist der Friede! Ein lieblicher Knabe
Liegt er gelagert am ruhigen Bach,
Und die hüpfenden Lämmer grasen
Lustig um ihn auf dem sonnigten Rasen,
Süßes Tönen entlockt er der Flöte,
Und das Echo des Berges wird wach,
Oder im Schimmer der Abendröthe
Wiegt ihn in Schlummer der murmelnde Bach –
Aber der Krieg auch hat seine Ehre,
Der Beweger des Menschengeschicks;
Mir gefällt ein lebendiges Leben,
Mir ein ewiges Schwanken und Schwingen und Schweben
Auf der steigenden, fallenden Welle des Glücks.

Sonntag, 1. März 2015

Gleichwertig? Gleichberechtigt? Gleichgestellt?

Sie waren gleichwertige Partner. Er war Anwalt mit einem Doktortitel. Sie war Leiterin der Pflege in einem mittelgrossen Krankenhaus. Sie hatte die klassische Laufbahn mit Lehre, Weiterbildung, Fachkursen etc. gemacht und war nach geduldigem Warten nun in diese leitende Position aufgerückt; einen akademischen Titel hatte sie natürlich immer noch nicht. Er arbeitete in mittlerer Kaderstelle in einer Grossbank, sein Vorgesetzter, der Leiter der Rechtsabteilung war ein Studienkollege, der immer eine Nasenlänge Vorsprung gehabt hatte, sei es bei den Frauen sei es im Beruf. Sein Chef ging damit souverän um, ihn wurmte es aber sehr, besonders als nicht er, sondern ein neu angeworbener Kollege zum Leitenden Berater der Geschäftsleitung und zum Stellvertreter des Leiters  der ganzen Rechtsabteilung, immerhin seines Studienkollegen, wurde. Er wertete das eigentlich beinahe als Verrat. Das kratzte schon sehr an seinem Selbstwertgefühl. Sie erzählte viel über ihre Arbeit und die Entscheidungen die sie treffen musste. Auch über die Machtkämpfe der Ärzte die sie ja eins zu eins mitbekam und die sie meist lächerlich fand, denn es ging nie um fachliches sondern nur ums aufeinanderprallen der Egoismen und um Titelchen; so etwa: warum ist der befördert worden, ich bin doch besser, dienstälter, loyaler etc. also warum nicht ich?                                                                                                                                                                    Er sagte nie etwas über seine Arbeit, beklagte sich aber ständig über Ungerechtigkeit und Benachteiligung. Ja das war auch der –wohl unbewusste—Grund, dass er sich wann immer möglich aufs hohe Ross setzte und immer wieder betonen musste, „schliesslich bin ich Akademiker, du nicht. Ihre Antwort war eines Tages, als sie es einfach weder nochmals hören noch aushalten konnte, und vor allem wollte: „Wäre ich Akademikerin mit Doktortitel, sässe ich schon längst im Direktionssessel“. Das kam aber gar nicht gut an, denn insgeheim wusste er ja dass sie mal wieder Recht hatte! Eigentlich war an diesem Abend geplant gewesen, gemeinsam nach dem nächsten Urlaubsziel zu suchen, daraus wurde komischerweise nichts; zum Glück lief im Fernsehen irgendeinen Blödsinn sodass man nicht miteinander zu reden brauchte.