Montag, 12. Oktober 2015

Mamme

Er war Jude, Antiquar und Schwul, als schwul sein noch ein grosses Tabu war. Kennengelernt habe ich Daniel in den Sechzigerjahren. Er hatte einen recht grossen Antiquitätenladen in einer Kleinstadt in der Französischen Schweiz. Damals begann ich mit Antiquitäten zu  handeln um meine Sammlerleidenschaft auch finanziell zu nutzen, denn  dies erlaubte es mir die Qualität meiner Sammlung zu verbessern ohne Geld zu verlieren. Zum Beispiel habe ich in den ersten Ehejahren fünfmal den Esstisch gewechselt und bei jedem Verkauf so viel verdient, dass am Ende der Tisch den ich noch heute besitze, nichts gekostet hat. Aber nun zurück zu Daniel, er war damals noch jung und eben aus Marokko –wo er eine unglückliche Liebe beendet hatte—in seine Heimatstadt zurückgekehrt. Im Gepäck hatte er sehr viel schöne alte Töpfereien und sonstiges Kunsthandwerk aus ganz Nordafrika. Vom früh verstorbenen Vater war eine alte Scheune voll „ Ramsch“ da. Allerdings wurde das, was damals als „Ramsch“ bezeichnet wurde schon bald begehrtes Sammelgut. Sein Geschäft war, obwohl in einem modernen Gebäude gelegen, sehr geschmackvoll eingerichtet, was zwar ungewöhnlich in dieser Gegend, aber nicht für einen Homosexuellen Antiquar war, ja so ein Antiquitätengeschäft erwartete man in einem Pariser Nobelquartier und nicht in einem zwölftausend-Seelen Kaff. Da das Preisgefälle zwischen der ländlichen Westschweiz und Zürich sehr gross war, fand ich bei Daniel immer viele gut wiederverkaufbare Stücke. Daniel war, schon in jungen Jahren, recht schrullig. Seine Mutter—sie war damals schon eine ältere Dame—trug als streng gläubige Jüdin immer eine Perücke. Sie war eine echte jüdische Mamme! wie sie in jedem Witzbuch über jüdische Mütter steht. Bis elf und dann bis fünf war sie im Laden, dann ging sie kochen, denn Daniel ass immer zuhause. Seine Mutter wollte nicht, dass er trefe —  also unkoscher— esse, ihm selbst wäre das eigentlich egal gewesen—nur Schweinefleisch liess auch er beiseite— so sagte er; ein Brötchen mit gutem Parmaschinken sah ich ihn hin und wieder ganz im versteckten in einer Messe-Kantine genüsslich kauen. Seine Mamma war also fast immer im Laden, und nachdem Daniel, einer neuen Liebe wegen wieder nach Nordafrika ging, kümmerte sie sich ums Geschäft bis Daniel fand es sei besser den Laden zu schliessen und seine grosse Liebe auszuleben. Jahre später, als auch diese Liebe zerbrochen war, kam Daniel zurück und machte einen neuen Laden, diesmal aber in der Altstadt, auf. Mamme war wieder da, gealtert aber fast unverändert, doch sie war noch etwas dünner, fast schon durchsichtig, geworden. Nun wurden allmählich die Rollen umverteilt. Daniel verliess den Laden, über dem er und seine Mutter eine grosse Wohnung teilten, so gegen elf um zu kochen. Die Mutter sass fast unbeweglich und etwas verloren auf ihrem angestammten, viel zu grossen, Voltaire-Sessel. Kamen Kunden um etwas zu fragen, anzubieten oder einfach zu kaufen klingelte sie und wartete bis Daniel mit umgebundener Küchenschürze die Treppe herunter kam. Daniel war auch schon etwas steifer geworden denn er war sicher schon über sechzig, sein Alter war eins seiner schrulligen Geheimnisse. Daniel war nicht der Meinung, Kunden hätten immer Recht! nein ganz im Gegenteil, wenn ein Kunde seiner Meinung nach ein Objekt falsch bezeichnete oder zeitlich einordnete protestierte er laut. Auch  erinnere ich mich ende der siebziger Jahre, als Mobiltelefone noch ganz neu und dementsprechend selten waren, untersagte er –manchmal auch auf grobe Art—deren Benutzung in seinem Geschäft mit den Worten „raus, hier telefoniere nur ich“ !!   Auf Antiquitätenmessen sah man an seinem, immer gleich geschmackvoll eingerichteten Stand, seine Mutter ,immer kleiner werdend, in ihrem Voltaire-Sessel wie sie vor sich hin döste und nur dann hellwach wurde, wenn einer der ihr bekannten Kunden ihr seine Aufwartung machte.


Und eines Tages, Daniel war etwas früher als üblich zum Kochen gegangen, hatte sich die Mutter doch mal wieder einen Käseauflauf gewünscht, rief er sie ,über das archaische Klingelsystem, zu Tisch. Ja die so gebrechlich wirkende Mutter war mit ihren, wer weiss wie vielen Jahren, noch besser zu Fuss als ihr Sohn Daniel. Keine Antwort, kein Zeichen! Daniel stieg, seiner Arthrose wegen mühsam, so schnell er konnte die Treppe hinab. Mutter sass wie gewöhnlich dösend im Sessel. Als er sie berührte glitt sie ganz langsam zur Seite. Sie war kalt, sehr kalt also musste sie schon seit den frühen Morgenstunden gestorben sein. Abends ass Daniel den leicht angebrannten Käseauflauf.

Sonntag, 11. Oktober 2015

La part des Anges .

La part des Anges, heisst genau übertragen der „Teil der Engel“. Nun hier die Erklärung. In Cognac in der Charente wird der beste Weinbrand  der Welt hergestellt, das sagen sogar die Herstellern des Armanac’s hinter vorgehaltener Hand—wenn sie etwas zu viel vom einen oder anderen getrunken haben—; also dieser Engelsteil ist die Menge welche jährlich aus den gelagerten Fässern verdunstet und durch eine chemische Reaktion dazu führt, dass die Ziegeldächer der Lagerhallen schwarz werden. Diese Menge, ein nicht unbeträchtlicher Prozentsatz, wird jedes Jahr mit neuem -also jüngerem—Cognac aufgefüllt. Bei jedem alten Cognac ist also der alte Teil, der am Anfang war, über die Jahre aufgefüllt, also verdünnt, worden. Dies macht den ganz besonderen Geschmack aus, der aus dem Alten den Gehalt nimmt  und aus dem sukzessiv zugeschütteten  die Jugendfrische. An diese Alterungsprozesse dachte ich, als ich neulich von einer Reise an die Loire zurückkehrte. Wir sassen beim Abendessen und hatten mitgebrachten weissen trockenen  Saumure zu Brot, Wurst und Käse getrunken, als ich mich plötzlich daran zu erinnern glaubte irgendwo im Keller noch eine längst vergessene Flasche Côteaux  du Layon zu haben. Und richtig, ich wurde fündig, eine einzelne Flasche—die mindestens acht Mal Umzüge überlebt hatte—lag unbeschädigt in einer versteckten Ecke. Es war Jahrgang 1986 ! Nun musste diese Flasche dran glauben! Ja dieser Wein schmeckte herrlich, noch voller Süsse und kaum gealtert. Als ich einige Tage später den Rest ganz alleine austrank kam ich ins Philosophieren über Zeit und Dauer. Warum dachte ich dabei an den „Teil der Engel“ ? war es, weil ich wissen wollte, sollte ich solch eine Flasche definitiv bis nach meinem Tod—also in etwa zwanzig Jahren— vergessen haben, welcher Engel oder Bengel führt sie sich zu Gemüte ? Kenner oder Banause, das ist hier die Frage ! Also werde ich, im Zweifelsfalle, lieber Sorge dazu tragen dass nichts so Gutes im Nachlass bleibt. ERGO BIBAMUS wie schon die Lateiner, wenn man den Studentenliedern Glauben schenken darf, sagten.


Samstag, 10. Oktober 2015

Bücher

Die Stapel der ungelesenen Bücher türmen sich überall in meiner Wohnung, oft als wacklige Gebilde. Manchmal stürzen die Türme auch ein und zwingen mich, ob ich es nun will oder nicht, Ordnung zu schaffen. Dabei finde ich dann meist Bücher, die ich zwar vor ungewisser Zeit gekauft aber nie gelesen habe. Trotz meines Rentnerdaseins, das nun schon bald fünf Jahre dauert wird die Menge der ungelesenen Bücher immer grösser statt kleiner. Kürzlich habe ich, angeregt durch die Lektüre Golo Manns Erinnerungen und Gedanken „Lehrjahre in Frankreich“, nach gefühlten fünfzig Jahren mal wieder Voltaires Candide in die Hände genommen. Es handelt sich um eine Illustrierte Ausgabe von 1939.    Es war ein Genuss mich an die längst vergangene Lektüre zu erinnern und zu versuchen Vergleiche meiner Eindrücke von  heute und  damals zu ziehen. Ich werde keine Abhandlung über Voltaires Text schreiben, dies haben andere gelehrtere schon oft viel besser getan, nein ich will nur wieder daran erinnern, dass in den meisten Bücheregalen älterer Menschen vergessene Schätze nur darauf warten entdeckt oder wiederenddeckt zu werden. Nichts gegen die modernere Literatur, ganz im Gegenteil, ich lese viel und sehr gerne Aktuelles, aber in die Vergangenheit abdriften macht auch sehr viel Spass. Also kann ich nur raten, trotz Arthrose, Sehproblemen oder Schwindel auf die Leiter zu steigen oder  niederzuknien um auf Entdeckungsreise in der eigenen Bibliothek zu gehen, denn es gibt sicher nicht nur bei mir, Bücher die seit Jahrzehnten ungelesen jeden Umzug mitgemacht haben und nur danach lechzen endlich gelesen zu werden und so dem Preis ihrer damaligen Anschaffung gerecht  zu  werden.

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Handy-Freie Wochen

Sie waren nun schon seit mehreren Monaten zusammen. Waren sie auch ein Paar oder doch nur eine neue Beziehung mehr. Gustav war ins Geheim eher für die zweite Variante, Leonie ganz sicher für die erste. Ja Leonie hatte mit Gustav—so glaubte sie—das grosse Los gezogen. Gustav wiederum fand so eine Sexy-Frau extrem reizend, ja, das zusammen ins-Bett gehen war traumhaft, aber……da waren ja auch noch all die anderen Frauen die er regelmässig traf und mit denen der Sex ja auch spannend war. Gustav liebte es so ein  geheimes Harem zu haben.Aufgewachsen war er in einem reinen Frauenhaushalt, die Mutter und vier ältere Schwestern umsorgten ihn und liessen ihm alles aber auch alles durchgehen. Seinen  Vater hatte er nie gekannt, denn die Mutter wurde, als sie mit den Töchtern zusammen , einige Jahre nach der Unfall-Tod ihres Mannes an die Ostsee in den Urlaub fuhr, eines nachts schwanger. Sie wusste nicht einmal seinen Namen, nur dass er gross stark und blond war und sich Kai nennen liess. In den nächsten Tagen am Strand und im Dorf sah sie ihn nicht mehr wieder, sie sagte sich, s’war wunderschön aber aus den Augen aus dem Sinn! So mitte Oktober wurde ihr klar, dass sie nicht einfach wegen der anstehenden Menopause so verspätete Regel hatte sondern da war was, und das mit knapp fünfzig Jahren, dazu noch von so einer einzigen –im wahrsten Sinne—Strandbegegnung. Also wurde Gustav die lebende Puppe seiner Schwestern und der Stolz des  ganzen Frauen-Hauses.
         Und nun war er im Flugzeug nach Male, ja er wollte mit Leonie zusammen das Tauchen lernen, so richtig lernen. Schnuppertauchen hatten beide schon, jeder für sich alleine, in früheren Urlauben  in Ägypten gemacht. Alle beide freuten sich auf diese drei Wochen Zusammensein. Sie hatten, auf irgendeiner der vielen Inseln einen Wasserbungalow reserviert. Und da fing das grosse Problem für Gustav an. Der Bungalow mit Terrasse war eine Wucht, aber mit Intimität wars vorbei. Ein Raum, Klo und Bad mit  Dusche waren o f f e n und nicht abschliessbar. Leonie war sehr anhänglich, und wich nicht von Gustavs Seite, weder beim Duschen noch als er aufs Klo musste—es gab ja nicht mal eine Tür—  Gustav hatte doch seinen anderen Frauen versprochen E-Mails und Fotos zu schicken von dieser Reise mit seinem „Schulfreund“ mit dem zusammen er zum Tauchen lernen hierhergekommen war. Gustav litt und hatte Angst, dass seine anderen Freundinnen sein Schweigen nicht verzeihen würden und es war einfach nicht möglich zu schreiben, er war einfach nie alleine. Leonie verliebte sich immer mehr und schmiedete Pläne für die gemeinsame Zukunft, Gustav litt und wusste nicht was zu tun war: Leonie gefiel ihm zwar sehr, aber er fand sich zu jung um sich endgültig zu binden wollte aber natürlich den Urlaub mit so einer Sexy-Frau nicht verderben. Leonie hatte nur Augen für Gustav, wurde aber von vielen Männern—ob allein oder in Begleitung—angehimmelt, ja man kann schon sagen auch angemacht. Dies kam Gustav sehr gelegen, gab es ihm doch die Möglichkeit, als ein leicht beschwipster Tischnachbar in der Bar nach dem Abendessen ein wenig zudringlich wurde, einen Streit anzufangen. Das Timing war ideal, es war nämlich der vorletzte Ferientag und Gustav brauchte einen plausiblen Grund die Beziehung –die ihm zu einengend war zubeenden.                                                                                                                                                           Frühmorgens kamen sie in Frankfurt an, seit dem Streit an dem Abend in der Bar hatten sie nur noch das Nötigte geredet, sie fuhren im Taxi in Leonies Wohnung wo Gustav in wenigen Minuten seine Sachen gepackt und ins Taxi gebracht hatte, so verschwand er aus ihrem Leben.                          Es war ganz einfach gewesen, viel schwieriger, ja beinahe unmöglich  war es den anderen Freundinnen ein plausibles Märchen aufzutischen dadurch verlor er mehrere gelegenheits-sex-Partnerinnen und  musste feststellen dass die meisten Frauen gar nicht so blöd sind wie er immer dachte! 

Dienstag, 6. Oktober 2015

Sammelwut oder doch Kleptomanie??

In den Achtzigerjahren kam ich, nach meiner Scheidung nach Lausanne, dort hatte ich—durch Beziehungen, anders war es kaum möglich—eine schöne, grosse Wohnung in ruhiger Lage und nur zwei Minuten vom Bahnhof entfernt gefunden. Glücklicherweise hatte ich, durch die Arbeit, einen recht beachtlichen Freundeskreis in dieser Stadt. Ich musste mich neu orientieren, es fiel mir sehr schwer wieder Vertrauen aufzubauen, nach dieser langen, durch Gutgläubigkeit geprägten Zeit. Immerhin zwanzig Jahre hat meine Ehe gehalten und nun war Schluss und ich musste mir eingestehen, dass mein blindes Vertrauen eigentlich blinde Dummheit gewesen war; so etwas soll mir nie mehr passieren, dachte und sagte ich immer wieder. Durch einen meiner, mir befreundeten, Kunden, wurde ich sehr schnell in einen Freundeskreis von mehr oder weniger Gleichaltrigen aufgenommen. Die ersten zwei bis drei gemeinsamen Essen waren so etwas wie ein Test, wie ich später erfuhr. Kurz darauf wurde ich gefragt, ob ich nicht in ihren „Poulet-Klub der acht“ eintreten wolle. Der Klub bestand aus acht nicht verheirateten Personen, jedoch ein Mitglied hatte sich vor nicht allzu langer Zeit verehelicht; nun war ein Platz freigeworden den man mir anbot. Die Klubregeln waren ganz simpel: Ehelosigkeit, alle vier bis sechs Wochen lud ein Mitglied alle anderen zu einem Essen ein in dem immer Poulet “also Hühnchen“ auf dem Tisch sein musste. Die Teilnahme war obligat und das war’s schon. Ich wurde Mitglied und richtete, auf meiner Terrasse, mein erstes Essen aus. Es gab Hühnchen-Variationen, da wir acht Mitglieder waren gab es acht verschieden zubereitetes Hühnchen—noblesse oblige—oder wie heisst es sonst???         

 Ich brauchte eine Putzfrau, nicht wegen dieses Essens, nein einfach um meine schöne Wohnung in Schuss zu halten, also fragte ich meine Klub-Freunde. Alle hatten dieselbe Putzfrau, die aus dem Balkan stammte. Und alle waren begeistert von ihren Qualitäten. Leider hatte diese sehr nette Dame keine Zeit um sich auch um mich, beziehungsweise meine Wohnung und Wäsche, zu kümmern. Ich fand eine Portugiesin, eine schon etwas ältere Frau, die mich bemutterte. So gepflegt war meine Wohnung, als ich noch verheiratet war, nie gewesen, nur konnte ich ihr nicht, wie sonst üblich ,da ich ja meist auf Arbeit war wenn sie zum Putzen kam, eine Notiz mit meinen Wünschen dalassen, denn lesen konnte sie nicht! Eines Abends bei einem unsere Klubessen war grosse Aufregung, die Polizei war zu den sieben anderen Klubmitgliedern gekommen um zu fragen, ob sie nichts vermissten. Nun überlegten sich, vor allem die weiblichen Klubmitglieder, dass doch manchmal ein Wäschestück nicht mehr zum Vorschein gekommen war, aber so was passiert ja immer mal wieder. Der nette Beamte der Stadtpolizei erklärte, dass die so effiziente und nette balkanesische Putzkraft angeklagt worden war, in allen Haushalten wo sie putzte zu stehlen. Ja sie war bei einem älteren Herrn zu weit gegangen und dabei in eine gestellte Falle getappt. Und das war so geschehen. Dieser Herr, ein ehemaliger Gastwirt der nun verwitwet war, kontrollierte seinen Alkoholkonsum und hatte bemerkt, dass in verschiedenen Flaschen das Niveau ohne sein Zutun regelmässig sank. Er war sich bald sicher, dass es nur die „ach so liebe“ Putzfrau sein konnte. Er klagte an und mit Hilfe der Polizei stellte er die Falle, in die die Putzfrau blind hineintappte. Als sie nach getaner Arbeit die Wohnung verliess, standen zwei Polizisten mit dem Wirt zusammen vor der Tür und wollten die grosse Handtasche, beziehungsweise deren Inhalt sehen. Es war ein Volltreffer .Dutzendweise Flaschen und Dosen waren in der Tasche, säuberlich angeschrieben mit: Reis, Zucker, Mehl, Essig, Olivenöl, Cognac usw. auch einige Geschirrtücher waren dabei. Diese  ach so gute Putze war in Lebensmittelläden fast unbekannt, ernährte sie doch ihre achtköpfige Familie ausschliesslich mit dem Mitgebrachten aus vielen Haushalten und mit selbstgeerntetem Obst und Gemüse, ja selbstgeerntet in den vielen Schrebergärten am Stadtrand. BH’s, Höschen, Strümpfe, Blusen und auch Pullis wollten die verschiedenen Frauen nicht zurückhaben wer trägt schon gerne Sachen, die die Putzfrau ausgeweitet hat?

Montag, 5. Oktober 2015

Wer sich selbst entsorgt hat ausgesorgt.

War es in den späten Siebzigern oder doch erst in den frühen Achtzigern, ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Auf jeden Fall war es an einem Donnerstag gegen Mittag, denn dieser Arzt empfing Aussendienst-Mitarbeiter, seit er vor einigen Jahren diese Praxis übernommen hatte, immer donnerstags. Ich kannte ihn seit langem, war er doch vor über zehn Jahren in ein Spital im Jura als Assistenzarzt gekommen. Ja er war, wie so viele seiner Kollegen, aus dem von Franco diktatorisch geknechtetem Spanien, nach seinem Studium zur Weiterbildung in die Schweiz gekommen. In den Spitälern war damals der Ärztemangel sehr gross, die Schweizer Assistenten blieben in den grossen Kliniken und die kleineren Spitäler rekrutierten ihre Assistenzärzte wo immer sie konnten. Die Iberische-Halbinsel war ein fast unerschöpfliches Reservoir für lernbegierige junge Mediziner. Im Laufe der Jahre habe ich dutzende von spanischen und portugiesischen Ärzten kennengelernt, nur wenige wollten nach der Ausbildung in ihr Heimatland zurück; viele von ihnen bekamen, nachdem sie  ein abgekürztes Schweizer Staatsexamen bestanden hatten, eine Praxisbewilligung, allerdings meist nur als „Allgemeinpraktiker“ die Fachärzte schützten ihre Pfründe sehr effizient.  Und so kam dieser Arzt –nennen wir ihn Pablo—in diese verwaiste Praxis irgendwo auf dem Land in der Westschweiz. Ich hatte mich immer sehr gut mit diesem, ein wenig wortkargen schüchternen, spanischen Arzt verstanden. Auch waren unsere Gespräche, trotz seiner Schüchternheit oft von touristischen, Spanien betreffenden, Tipps geprägt. An diesem Donnerstag nahm er sich sogar die Zeit, mir bei einem Reiseplan in seine Heimatprovinz zu helfen, ja er gab mir einige gute  Adressen von Hotels und Restaurants bekannt. Auch bat er mich, da und dort Grüsse zu bestellen und ihn nach meiner Rückkehr doch bald zu besuchen um mit ihm meine Reiseeindrücke zu diskutieren. Dann bat er mich noch um Medikamente-Muster, die ich ihm zu senden versprach. Als ich nach drei Wochen aus dem Urlaub zurück kam und mich bei meiner Chefin telefonisch zurückmeldete, fragte sie mich, mit einem sarkastischen Unterton in der Stimme, ob ich oft „TOTE“ Kunden besuche? Ich verstand nicht worauf sie anspielte, bis sie mir sagte, dass Doktor Pablo verstorben sei und die angebliche gewünschten Muster von der Post als „nicht zustellbar, verstorben“ retourniert worden waren. Ich bin in circa drei bis vier Stunden bei ihnen im Büro, sagte ich bevor ich das Gespräch abrupt beendete. Ich fuhr nach Basel zur Chefin. Glücklicherweise hatte mir Pablo einen ganzen Ordner von Dokumenten geliehen, die, in Zusammenhang mit meinen Reisenotizen belegten, dass ich wirklich an jenem, nun schon vier Wochen zurückliegenden Donnerstag bei Pablo in der Praxis gewesen sein musste. Dort in Basel im Büro erfuhr ich auch, dass Doktor Pablo sich, kurz nach meinem Besuch, im Keller seines Hauses—in dem auch die Praxis war—ohne Abschiedsbrief, erhängt hatte. Hätte ich nichts belegen können, wäre der Zweifel –im Kopf meiner Chefin—an meiner Arbeit wohl immer dagewesen. Daraus habe ich auch hautnah erfahren wie unergründlich die Seele der Menschen sein kann!

Freitag, 2. Oktober 2015

Wie schön so einen Urlaub sein könnte !

Manuel war nach Mittelamerika unterwegs. Hier wollte er mehrere Monate Urlaub verbringen. Er war Standbauer, das hat nichts mit Landwirtschaft zu tun, nein er baute Stände für Messen und Kongresse. Diesen Job hatte er gewählt, weil er als gelernter Schreiner dazu befähigt war und vor allem weil durch die unregelmässige Arbeits und Überzeit recht viel Urlaub zusammenkam. Ja ab Oktober bis Ende Februar waren kaum Messen und noch weniger Kongresse aufzubauen. In den sieben bis acht Monaten der Saison arbeitete er ja oft bis zu fünfzehn Stunden am Tag bis alles klappte an so einem Stand. In dieser Zeit brauchte er auch kaum Geld, denn durch die Reisetätigkeit lebte er fast ausschliesslich auf Spesen und sein Lohn blieb auf seinem Bankkonto. Also waren die Ferien gut, leicht und wohl verdient. Diesmal wollte er sich vor allem seinem –zwar gefährlichen da illegalen—Hobby widmen. Ja er hatte schon vor Jahren in Mexico und Guatemala illegale Schürferbanden kennengelernt. Und nun wollten sie in der Gegend von Tikal und im nahen Belize auf Schatzsuche gehen. Das Hauptrisiko war nicht das Graben, wurde man erwischt regelte eine grosszügige „Propina“ auch Bakschisch, Trinkgeld, Bestechung usw. genannt, die Affäre problemlos. Kritisch wurde es bei der Ausreise denn die Herren, und manchmal wohl auch Damen, vom Kulturministerium, mussten ab und zu Erfolge vorzeigen—meist waren sie ja selbst im illegalen Handel tätig, aber eben manchmal brauchten sie einen Sündenbock; wen erstaunt es da, dass ein Gringo als Bauernopfer ideal schien. Erwischte man so einen Naivling konnte man vor den internationalen Medien glänzen und sich selbst eine weisse Weste verpassen. Diesmal fanden die Schürfer sehr viele kleine Artefakte, Jadeschmuck, Obsidian Figuren und Prunkmesser, geritzte und geschnitzte Knochen und Zähne, die in Europa leicht an Sammler und Händler verkauft werden könnten. Manuel kannte seine Companeros schon seit Jahren und vertraute ihnen blindlings, dass dies zu seinem eigenen Schaden war merkte er erst, als er am Flughafen von Guatemala City von äusserst zielstrebigen Beamten—die auf ihren Tablets und Smartphones Bilder von ihm, beim Graben hatten—aus der Masse der Touristen rausgeholt  und in aller Regel der Kunst  gefilzt wurde. Er hatte viel, sehr viel mitgenommen. Nun sass er schon seit einigen Jahren im Knast, im Guatemaltekischen Knast wo ohne „Propina“ nichts aber auch gar nichts möglich war und das Geld hatte man ihm abgenommen, Besuch war verboten, dies war ihm egal, wer, ja wer, hätte ihn den besuchen sollen. Und so wartete er auf seinen Prozess. Mit dem Botschafter seines Heimatlandes hatte er nur einmal am Anfang Kontakt gehabt, der schien aber auf der Seite der Polizei zu stehen, hatte er doch eine sehr grosse Sammlung von Kulturgütern ohne irgendwelche Probleme, vor einigen Jahren aus  Guatemala, in seine Heimat hatte bringen können.                         etzerei angesagt.Kam man dann endlich mit vollen Einkaufstaschen nach HAuse,fiel man erst einmal übereinander her vor man das Eingekaufte in


 „DIES IST ABER SICHERLICH ÜBLE NACHREDE, DIPLOMATEN KÖNNEN JA NICHT KORRUPT SEIN! oder?