Freitag, 12. August 2016

Bauchgefühl

Anita und Friedemann waren sich, trotzdem sie beide schon seit Jahren in dieser Grossbank arbeiteten, nie zuvor begegnet. Es war an der grossen Feier zum hundertfünfundzwanzigsten Jubiläum dass sie, ganz zufällig bei einer Polonaise,  an der sich nicht zu beteiligen leider unmöglich war, sich gegenüber standen und demzufolge auch miteinander tanzen mussten. Beide waren, so stellten sie etwas später—als sie zusammen in der dunkelsten Ecke der grossen Terrasse standen—wie vom Blitz getroffen worden. Es herrschte aber kein Gewitter an diesem schönen Sommerabend, also musste es etwas anderes sein. Es war Amors Pfeil der mal wieder getroffen hatte. Anita und Friedemann gaben sich alle Mühe, die Schmetterlinge die in ihren Bäuchen wild herumflatterten zu zähmen. Erfolg hatten sie dabei keinen und so kam es, dass sie im Park im Dickicht übereinander herfielen. Zurück im Festsaal wurden sie wieder getrennt und kamen erst einige Tage späte dazu richtig Bekanntschaft zu schliessen.
Beide waren verheiratet mit Haus Kindern, Hund und Partner! Aber eben, die Schmetterlinge liessen sich nicht verscheuchen. Friedemann schlug vor, sich doch ab und zu  einer Schmetterlingsjagt zu treffen. Diese Treffen—obwohl schwierig zu bewerkstelligen—wurden zur, zwar raren aber, sehnlichst erwarteten Gewohnheit.  Später trafen sie sich meist zu einem Nachtessen bevor Jagd auf die wenigen überlebenden Schmetterlinge gemacht wurde. Und an dem Abend, als sie feststellen mussten, dass sie keine Schmetterlinge sondern nur noch einige Dutzend Austen im—inzwischen bei beiden recht vorgewölbten Bauch— hatten, beendeten sie ohne Trauer ihre Jagdabende.


Mittwoch, 10. August 2016

Rache auf dem Lido di Venezia oder späte Einsicht.

Enzo, Mario Giuseppe und Tiziano waren zusammen zur Polizeischule gegangen. Alle vier stammten aus Venedig. Mario war an der Via Garibaldi aufgewachsen, Enzo und Giuseppe in Pellestrina, nur Tiziano kam vom Festland, ja er  stammte aus  Mestre. Nach der Ausbildung fingen alle vier zur selben Zeit als uniformierte Poliziottos ihren Dienst in Venedig an. Dank der schneidigen Uniform und ihrem süffisant-überheblichen Gebaren hatte sich bald jeder unserer vier Helden eine Freundin geangelt. Jahre später, alle vier waren inzwischen verheiratet und hatten je ein Kind, hatten  sie  es geschafft sich auf den Lido versetzen zu lassen. Mario war sogar zum Chefchen aufgestiegen, war es einfach Zufall oder vielleicht doch eher sein (arsch)kriecherisches Verhalten den Vorgesetzten gegenüber? Nun herrschten sie auf dem Lido und bestimmten alles. Wurden Diebstähle am Strand gemeldet, kam es immer darauf an wer solche Diebstähle meldete. War es ein Familienvater oder eine in die Kilos geratene Matrone, wurde die Anzeige zwar pflichtgemäss aufgenommen, dann aber dem Einstauben im Regal der Polizeistation überlassen. Beklagte sich eine nette hübsche junge Frau so tat man so als suche man nach  dem Stranddieb. Natürlich kannten die vier Ordnungshüter alle zwielichtigen Gestalten am Strand, denn diese zahlten ja auch dafür, dass sie nie—oder nur in Ausnahmefällen—erwischt wurden. Wenn also solch eine junge Frau etwas vermisste, wurde es von der immer hilfsbereiten Polizei „gefunden“ und am folgenden Tag oder gar am selben Abend der bestohlenen Schönheit ins Hotel gebracht. Manche dieser jungen Damen zeigte sich den Polizisten gegenüber äusserst dankbar…..
Übrigens gingen die Polizisten jeden Abend schwimmen—sie mussten doch ihren durchtrainierten Körper auch zur Schau stellen—. Ihnen wurde weder  Geld-Börse noch Telefonino geklaut, die danebenliegende Uniform schreckte selbst Amateurdiebe effizient ab.
Jahre später wurden die vier Freunde vom Lido-Dienst abgezogen, jüngere Kollegen übernahmen den Stranddienst. Wohnen taten sie aber weiterhin  alle vier in derselben Sozialwohnungs—Überbauung am südlichen Ende des Lidos. Nun gingen sie oft gemeinsam abends nach Dienstschluss zusammen zum Strand. Sie hatten alle vier zum nicht-uniformierten Polizeidienst gewechselt und träumten von einem prestigeträchtigen Job als „Commissario“ a la Brunetti. Es gab inzwischen viele neue Stranddiebe jeglicher „Couleur“ die natürlich keine Ahnung hatten wer diese  vier Männer waren die so stolz am Strand ihre Muskeln zeigten und die sich von den  Strandnixen bestaunen liessen. Nun lernten unsere Helden den Alltag der Touristen—mit entwendetem  Telefonino, Portemonnaie und manchmal gar allen Kleidern—ganz persönlich kennen. Sie, die solch Anzeigen nur in Ausnahmefällen ernst genommen und dann auch verfolgt hatten waren—da selbst betroffen—empört!  Das kann nicht so weiter gehen, wir lassen uns doch nicht von Zigeunern, Balkanesen Maghrebinern und Schwarzafrikanern bestehlen sagten sie sich als sie auf der Terrasse der Sferetta ihren Aperol-Spritz schlürften. Der Plan war schnell gemacht, die Ausführung dauerte etwas länger, aber schon nach wenigen Tagen hatten sie die Genugtuung, zuzusehen wie ferngezündete Badetaschen und Telefoninos in den Händen der davoneilenden Stranddiebe explodierten.




Dienstag, 9. August 2016

Sehr sehr frei nach Rainer Maria Rilkes Herbsttag

Herrgott es reicht. Die Sommerhitze  war zu gross.
Leg etwas Schatten auf die Sonne nun
Lass Kühle Lüfte auf die Hitze los.

Befiel dem Thermometer nun zu fallen;
nichts Südliches soll hier die Tage wärmen,
weil Wochenlang  an sonst die Mücken schwärmen
zu süsse Weine schmecken ja nicht allen.

Wer jetzt ein Haus hat kühlt die warmen Räume.
Wer jetzt allein ist kann nach Thule reisen,
im Nordlicht allen Freunden Briefe schreiben.
Mit Robben Eisbärn Elchen ohne Bäume
unruhig nordwärts auf den Schollen treiben.


Montag, 8. August 2016

Friedrich Glauser aus Matto regiert. 1936

„ Was unter den Namen der Religion umgeht, ist bestenfalls, wie ich ihnen in Wien schon sagte, etwas Ähnliches wie Lebertran. Man sagt, es kräftigt, aber es ist unangenehm zu schlucken, und es hilft nicht viel. Auf alle Fälle herrscht der Ekel vor, und der Ekel ist sicher stärker als die gesundheitsfördernde Wirkung „

Zum Glück sind Heute, für viele Menschen  sowohl Lebertran als auch  Kirchengebundene-Religion  obsolet geworden.


Freitag, 5. August 2016

Eine Art von Pygmalion

Kai Uwe von   X   stammte aus sogenannt gutem Hause. Früher hätte  sicher ein Titel seinen Namen geschmückt, aber diese Zeiten sind nun längst vorbei. Schon im Gymnasium hatte er viele Affären, ja er wechselte seine Freundinnen regelmässig, wobei er oft für kurze Zeit zu einer seiner Verflossenen zurückfand. Die meisten dieser jungen Frauen liessen es zu, so begehrt war Kai Uwe eben. Als er zum Studium in die Landeshauptstadt ging wurde sein Frauenverschleiss noch grösser. Dann wurde er Juniorpartner in einem Verlag für schöngeistige Literatur. Sein Lebenswandel blieb der eines Schwerenöters. Verliebt hat sich unser Kai Uwe nur in die Liebe, nie in eine seiner unzähligen Kürzestzeitsexualundlebenspartnerinnen.
Er brach viele Herzen, aber komischerweise waren die meisten seiner Ex-Geliebten immer wieder—gegen besseres Wissen— bereit neu mit ihm anzubandeln. Er war so was zwischen Salonlöwe und Möchtegern-Playboy. Ganz unmerklich kam er in die Jahre. Zur goldenen Hochzeit seiner hochbetagten Eltern richtete er im Ballsaal des angesagtesten Hotels der Stadt ein rauschendes Fest aus. Und da verlor er etwas, was er eigentlich nicht zu besitzen schien, sein Herz! Ja eine blutjunge Schönheit, mit einem Ansteckschild Antje Azubi, die am reichhaltigen Buffet ein ganzes Tablett voller Häppchen umgekippt hatte und nun mit hochrotem tränenüberströmtem Kopf dastand stach ihm nicht nur ins Auge sondern irgendwo ganz tief ins Gemüt. Als der Oberkellner Antje aus dem Saal verweisen wollte griff Kai Uwe sofort ein und bat die „Kleine“ zu einem Tanz!
Drei Monate später wurde Hochzeit gefeiert—im selben angesagten Ballsaal—Rache muss sein, dachten Antje und ihr Kai Uwe.
Antjes Kreuzberger-Berlinisch war zwar charmant, doch Kai Uwe erschauderte jedes Mal, wenn Antje mit den beiden Zwillingen—die nach kurzer Zeit die Familie vergrössert hatten—sprach. Der vor seiner Kindlichen Gattin so schüchterne ehemalige Schwerenöter korrigierte nie, nein er wiederholte alles was Antje den kleinen sagte mehrmals in gutem Deutsch, in der Annahme und Hoffnung, dass sein Beispiel Schule machen würde, doch es schien zwecklos zu sein. Die beiden Zwillinge lernten  waschecht zu berlinern, trotzdem war die Familie, so denk ich mal, überglücklich und Kai Uwe entwickelte sich zum behäbigen Pater Familias in Französisch auch mal Papa Gateaux genannt.



Donnerstag, 4. August 2016

Out oder in? in Sachen Life-Style

Nach zwei Wochen Urlaub im übervollen Venedig—ich bin sicher, dass alle die in—wahlweise—Türkei, Tunesien, Ägypten, Paris Brüssel, Nizza Lampedusa etc. ihren wohlverdienten Urlaub gebucht hatten auf Venedig ausgewichen sind, stelle ich mir einige wichtige Fragen. Habe ich Trends verpasst und bin dadurch für die moderne Gesellschaft nicht mehr geschaffen? Ich habe nämlich versucht, wie fast alle Mitreisenden meine beschuhten Füsse auf Sitze in Bahn, Boot und auch in den Restaurants auf die vorhandenen Sitzflächen zu stellen beziehungsweise zu legen, leider ohne Erfolg. Meine zum Teil beginnende zum Teil etablierte Arthrose verunmöglicht es mir zu meinem Leidwesen, mich dem Modetrend des saloppen Sitzens anzuschliessen. Auch habe ich versucht mit übervollem Mund meiner Lebenspartnerin während den Mahlzeiten Geschichten zu erzählen.   Auch dies scheiterte da ich kaum einen audiblen Ton hervorbrachte;nicht etwa weil ich Angst haben müsste meine Zähne zu verlieren-dank meiner Zahnärzte,erst Dr.Daniel Chappuis in Lausanne dann Dr.Felix Bertschinger in Winterthur habe ich noch kein "mobiles" Kauwerk!!                                              Muss ich nun auf Reisen und Ausgehen verzichten und im stillen Kämmerlein auf meinen Tod warten? Oder ist Hoffnung da, dass diese Modeerscheinungen  genauso wie alle Moden bald vorübergehen? Kann mir bitte ein/e kompetente/r Leser/in beratend zur Seite stehen?!



Kalauer des Tages

Auf seinem Arbeitsweg sagt sich mancher sicherlich: ist es nicht bitter in diesen sauren Apfel zu beissen ?