Freitag, 31. März 2017

Lese-Tip

Enttäuscht war ich nie von Hanns-Josef Ortheil, einem der vielschreibenden Deutschen der Nachkriegszeit. Profundes Wissen und einen feinen Humor, so mag ich’s. Rom Villa Massimo ist so ein Buch. Er nennt es zwar Roman aber es ist eher ein Erinnerungsbuch an seine Zeit in Rom mit viel kritischen Bemerkungen über den Kunstbetrieb oder besser noch das Kunstbusiness. Ich finde es lohnend einige Stunden an südlichen Erinnerungen zu schnuppern.
ISBN 978-3-7844-3368-4


Donnerstag, 30. März 2017

Savoir-Vivre oder der alte Cognac

Er war Internist. Nennen wir ihn Dr. Herz. Also Dr. Herz war etwa Mitte fünfzig, er war einer der besten Internisten dieser zweisprachigen Stadt. Wie wir darauf gekommen waren uns, nachdem ich ihm meine „Beratung“ für die Medikamente die ich präsentieren musste vorgestellt hatte, über Essen und vor allem Trinken zu unterhalten begannen weiss ich nicht mehr. Jahrelang tauschten wir Adressen von guten Speiselokalen in der Gegend aber auch in Städten wie Paris,  Barcelona, Venedig, Wien, Lugano und noch viele andere aus. Auch Wein und Schnapslieferanten, sowie gute Feinkostgeschäfte wurden diskutiert.
Wie es dazugekommen war, ihm von meinem Hausarzt zu erzählen weiss ich wirklich nicht mehr.
Hier nun die Geschichte einer quasi-Adoption in gewissem Sinne.
Als sehr junger Ärztebesucher kam ich eines Vormittags zu einem Arzt in der Umgebung von Neuchâtel. Es war wohl der dritte Besuch dieses sehr sympathischen Mittvierzigers. Ich war sehr stark erkältet, sodass der Arzt mich zwangsmässig untersuchte und nach meinen Rauchgewohnheiten fragte—dies mit einer Zigarette im Mund—.Ich antwortete ehrlich so etwa achtzig bis hundert Camels pro Tag zu konsumieren. Er sah sich daraufhin meine Lunge im alten Durchleuchtungs-Gerät an. Schlimmes hat er nicht entdeckt, ich war ja auch erst mitte zwanzig! Während ich mich wieder anzog verschwand der Arzt in dem Wohnteil des Hauses und kam nach einigen Minute zurück. Er trug vier Flaschen mit sich, je zwei pro Hand so zwischen die Finger geklemmt. Links sah ich Rotwein rechts irgendeine goldgelbe Flüssigkeit. Dies ist ihre Therapie, ich schreibe sie eine Woche lang krank. Die Dosierung des Bordeaux, Cognacs und Armagnacs überlasse ich ihrer Vernunft. Dann gab er mir das, auf ein Rezeptzettel hingeworfene Zeugnis und entliess mich nach Hause. Seither war er mein Hausarzt! und nie in den über zwanzig Jahren in denen er mich und auch meine damalige Frau behandelte habe ich eine Rechnung erhalten, nein auf meine Frage hin wurde er echt wütend und sagte: das wäre wie wenn ich die Behandlung meiner Familie der Krankenkasse verrechnen würde, ich würde mich in Grund und Boden schämen.
Zurück zu meiner Krankheit und der verschriebenen Therapie. Die zwei Flaschen Rotwein waren sehr gut. Was die anderen Flaschen betraf war ich doch irgendwie schockiert, der Cognac war eine „Grand Champagne“ von sage und schreibe 1888 und der Armagnac war auf das Jahr 1898 datiert.
Ich trank den Wein in drei bis vier Tagen aus, die Edelbrände überlebten viele Monate.
Bei meinem nächsten Besuch bei meinem nun nicht nur Kunden sondern Leibarzt erfuhr ich welche Bewandtnis die Schnäpse hatten. Er erzählte mir, dass er als junger Assistenzarzt ein Angebot eines Patienten im Universitätsspital Lausanne einfach nicht ausschlagen konnte. Je ein Fässchen von etwa hundert Litern Cognac und Armanac’s zum Selbstkostenpreis zu kaufen, als Dank für die gute Betreuung. Diese Zusage war der Grund meines ersten seriösen Ehekrachs, sagte er mir lachend. In Laufe der Jahre habe ich immer mal wieder beim Vernichten des Schnapsvorrats helfen dürfen.
Zurück zu Doktor Herz. Er war sehr  erstaunt aber auch gerührt von der Geschichte, was noch deutlicher hervorstach war seine grosse Neugier der Schnäpse wegen. Ich versprach ihm das nächste Mal die beiden Flaschen mitsamt den Neigen mitzubringen. Gesagt getan ich kam mit zwei Flaschen welche noch etwa je einen Viertel ihres Inhalts enthielten zu ihm. Der Inhalt wurde berochen und auch probiert—in homöopathischen Dosen probiert—versteht sich. Wie gross war mein Erstaunen, als Doktor Herz sichtlich tief berührt zu seinem Schrank ging und mir einen Dreierkarton mit je einer Flasche aus seinem Keller schenkte.
 Es war wie die Dreifaltigkeit: Petrus, Margaux und Laffite Rothschild ! alle  Jahrgang 1961 !!!!!!
Ja damals hatten noch viele Ärzte ein grosses „ Savoir-vivre“


                                        

Mittwoch, 29. März 2017

Gedächtnis oder Sicht

Es war wohl in den frühen siebziger-Jahren, ich war schon seit mehreren Jahren als Ärztebesucher
—neuerdings Pharmareferent—unterwegs.
Diese Arbeit gefiel mir sehr, denn damals war es ein Leichtes an die Kunden heranzukommen. Kaum einer verlangte, dass man einen Termin ausmache, nein man wartete im Korridor bis der Arzt den Patienten verabschiedete und wurde meist sofort oder als Übernächster empfangen. Man war in der Regel willkommen, war es doch die Gelegenheit für den Arzt mal eine zu qualmen! Ja damals rauchten die meisten Ärzte noch…..
Einer meiner Kunden, ein französisch sprechender Allgemeinchirurg, der wie damals alle Ärzte in Biel auch gut Berndeutsch sprach und den ich nun schon seit mehreren Jahren immer gern besuchte, war plötzlich nicht mehr an seiner bisherigen Adresse, der Bahnhofstrasse wohnhaft, nur ein Informations-Blatt gab seine neue Adresse bekannt. Ich fuhr zu besagter Adresse. Es war eine hübsche Villa an der Peripherie der Stadt. Das alte Praxisschild von der Bahnhofstrasse war an einer Seitentür angebracht, darauf stand wie eh und je „sonnez et entrez“   „Bitte klingeln und eintreten“ sowie die korrigierten Sprechstundenzeiten. Ich folgte der Aufforderung und kam direkt in ein Wartezimmer. Ich war der einzige Wartende, kurz darauf komplimentierte der Arzt eine übermässig voluminöse Dame zum Ausgang und begrüsste mich sehr freundlich mit den Worten „sie haben  meine neue Adresse gefunden also gehören sie nicht zu den Vertretern die „alte“ Ärzte aus ihrer Kartei ausscheiden. Ja dieser Arzt war Ende sechzig und viele Firmen gaben die Anweisung so alte nicht mehr  zu besuchen, denn es sei Zeitverschwendung. Das Sprechzimmer war dasselbe wie früher an der Bahnhofstrasse, selbes Mobiliar gleiche Bilder an den Wänden, selber alte Perserteppich am Boden. Der Arzt erklärte mir, dass seine Frau durch ihre Multiple Sklerose nun pflegebedürftig sei und er deshalb die Praxis in die Villa verlegt habe, ausserdem habe er beschlossen nicht mehr zu operieren um nicht allzu oft abwesend zu sein. Nun erlaubte ich mir eine Frage die mir schon seit Jahren auf der Zunge lag, aber mir fehlte bisher der Mut sie zu stellen. Ich sagte, ihre Praxis war immer äusserst schön eingerichtet und gepflegt nur die verstaubten alten Medikamente-Packungen auf diesem schönen Biedermeierschrank hinten an der Wand haben mich immer gewundert.
Verschmitzt lächelnd erklärte mir der sichtlich amüsierte Arzt: Ich habe ein katastrophal schlechtes Gedächtnis für Namen aber noch immer eine gute Sicht, wenn ich nach dem Namen eines Medikaments suche blicke ich zu dem Schrank und schon weiss ich den Namen den ich auf das Rezept schreiben muss; der Patient denkt dann immer, dass sich dieser gute alte Arzt zuerst genau überlegt habe was für ihn am besten wäre.

                                        

Dienstag, 28. März 2017

Tomas und seine Lebenspartnerinnen.

Tomas hatte eine Katze. Diese war, nach der Trennung von seiner Ehe-Frau, zum wichtigsten Wesen in seinem Leben geworden. Ja er organisierte seine Arbeits und Freizeit immer in Bezug auf die Katze. Die Katze war eine echte Stubenkatze, sie ging nie aus der—also ihrer—Wohnung. War irgendwann die Wohnungstür offen verschwand die Katze unter Tomas Bett. Kamen Gäste wurden sie würdevoll ignoriert, erst beim zweiten oder dritten Besuch desselben Gastes—ob Mann oder Frau war einerlei—wurde er wahrgenommen und ganz kurz beschnuppert. Verreiste Tomas für mehrere Tage an Kongresse organisierte er Freunde, Verwandte, Nachbarn oder jugendliche Cat-Sitters die sich mindestens zwei Mal pro Tag um die Katze kümmerten. Er liess sich solches Cat-Sitting durchaus etwas kosten. Ja die Cat-Sitter bekamen ihren Lohn in barer Münze, die nahestehenden Freunde und Verwandte wurden mit, oft noch schnell am Flughafen erstandenen Luxus-Geschenken, belohnt.
Dann ging Tomas in Früh-Rente. Er hatte sich ausgerechnet dass er es sich leisten konnte. Tomas war ein begeisterter Reisender, er wollte noch viel auf der Welt sehen. Gerne wäre er manchmal auch etwas länger an einem, ihn besonders fesselnden Ort geblieben, aber da war ja die Katze! Länger als drei bis vier Wochen wollte er sich nicht von seiner Lebenspartnerin—der Katze—trennen. Dann eines Tages, die Katze war inzwischen sehr alt musste er eine Reise absagen, weil die Katze intensive Betreuung und medizinische Versorgung brauchte. Täglich war er beim Tierarzt, Infusionen wurden gesteckt, die Behandlung wurde immer komplexer bis…ja bis er schweren Herzens die Entscheidung treffen musste der erlösenden Spritze zuzustimmen. Nachdem die Katze in seinen Armen eingeschlafen und im Garten begraben war, weinte er tagelang um den Verlust seiner Weggefährtin.
Nun stand Tomas vor dem Wandschrank und betrachtete die Unmengen Katzenfutter die seine geliebte Katze—und wieder liefen ihm Tränen über die Wangen—zurückgelassen hatte. Plötzlich kam ihm eine Idee, wenn er sich einen Hund anschaffen würde, könnte er ihn ja auf seinen Reisen mitnehmen, somit hätte er einen neuen Lebenspartner, der auch noch immer zugegen wäre. Nur eine Frage blieb zu klären!
Essen—das heisst fressen—Hund auch überlagertes Katzenfutter?

                                        

Donnerstag, 23. März 2017

Von wegen Multi Kulti

Heute fuhr ich im Bus, er war überfüllt mit Jugendlichen. Dass mir kein Platz gemacht wurde störte mich nicht sonderlich, aber dass mehrere Alte teils mit Krücken, stehen mussten wird nur dadurch erträglich, dass diese Greise und Uromas dank der Masse Kids so eingeengt waren, dass sie gar nicht hinfallen konnten. Dass die Alten im Weg waren merkte man, als die Kids an der Haltestelle bei ihrer Schule rücksichtslos zur und aus der Tür drängten.
Eine Überzahl dieser Jugendlichen stammten, der Hautfarbe und den vielen Dialekten nach zu beurteilen, aus aller Herren Länder, also aus sehr verschiedenen Kulturkreisen. Aber von Kultur merkt man weder bei den Einheimischen noch bei der Vielzahl der Migranten auch nicht das Geringste. Somit sollte der Modeausdruck MULTI-KULTI in Multiunkulti umgewandelt werden.


                                        

Dienstag, 21. März 2017

Blondine überlegt!

Blondine lebt in einer Luxus-Eigentumswohnung mit ihrem Mann—der leider zurzeit auf Geschäftsreise ist—und ihren drei Kindern zusammen im angesagtesten Stadtteil. Der Verwalter ruft  schon sehr früh morgens an und informiert sie, dass die Heizung leider ausgefallen ist und erst in zwei bis drei Tagen wieder funktionieren wird. Da auch das Warmwasser an das Heizsystem gekoppelt ist, rennt unser Blondchen schnell in die verschiedenen Badezimmer und füllt Waschbecken und Badewannen und verschiedene Kübel mit heissem Wasser. Damit glaubt sie sich noch vor den Nachbarn genügend mit heissem Wasser eingedeckt zu haben  damit ihre Kinder  in den nächsten Tagen nicht kalt duschen müssen. 


Montag, 20. März 2017

Blamage !

quasi als Fortsetzung der Geschichte vom 7.3.17

Etwa zwei Jahre später als in der vorherigen Geschichte, musste ich dieselbe Kundengruppe erneut in Paris zum Nachtessen einladen. Weil ich nicht noch einmal eine solche Peinlichkeit erleben wollte, schlug ich das Restaurant L‘ Espadon im Hotel Ritz , an der  wunderschönen Place Vendome, vor.
 Ich verabredete mich mit meinen Gästen ab halb acht in der Hemingway-Bar des Hotels, mein Hintergedanke war,  zusammen ins Restaurant hinüber zu wechseln. Nach dem recht lange dauernden Aperitif, ich hatte den Bar-Chef gebeten, die zahlreichen Drinks, drüben im Restaurant,auf die Rechnung setzen zu lassen damit ich in meiner Firma nur eine Rechnung einreichen musste,wollte ich aufbrechen.
 Und dann passierte das Unvorstellbare! Der Barmann kam zu unserem Tisch und fragte  die Damen—ob er die Aschenbecher und  Gläser die er in die Handtaschen verschwinden gesehen hatte—auf die Rechnung setzen müsse oder hier direkt kassieren solle. Mit hochrotem Kopf baten die Damen  darum diese „Souvenirs“ doch direkt einzukassieren. Das sehr gute Essen verlief trotz meiner Bemühungen äusserst  wortkarg, nur die Ärzte unterhielten sich mit mir, die vier Damen kauten mühsam und schweigend auf den eigentlich sehr zarten Speisen herum. Dies war meine letzte Einladung dieser Kunden, nicht etwa weil sie aus Scham(was ist das)nicht mehr eingeladen werden wollten, nein weil ich  in Rente ging. Nun  geniesse ich solche Essen in so schönem Rahmen ohne Kunden nur mit meiner Lebenspartnerin—die als Nichtraucherin keine Aschenbecher braucht— !