Donnerstag, 2. Februar 2017

Nabelschnur

War es Ende der Achtziger oder Anfang der Neunzigerjahre des zwanzigsten Jahrhunderts, ich weiss es nicht mehr genau, da war ich zum Jahreswechsel in Mittelamerika unterwegs. In Costa-Rica am Flughafen in San José wollte ich eine SIM-Karte für mein—damals noch sehr klobiges Mobil-Telefon kaufen. Es war nicht möglich und die angebotene Lösung: neues Telefon, mit neuer Nummer war nicht nur sündhaft teuer sondern auch sehr umständlich denn ich hätte einige Tage darauf warten müssen. Zwar hatte ich meinem Chef in der Firma ganz stolz gesagt, ich werde mit meinem Mobil-Phone immer erreichbar sein, aber eben es war nicht möglich. Von einer Telefonzelle mitten im  Urwald  aus rief ich dann meinen Chef an um ihm zu sagen, dass ich nun während circa sechs Wochen nicht erreichbar sei. Dies war eigentlich kein Problem, die wichtigsten Kunden waren  ja informiert und wendeten sich—wie das damals üblich war—bei allfälligen Problemen direkt an die Firma.
Ich erinnere mich an das befreiende Gefühl nun wochenlang  ungebunden zu sein.
Erst jetzt, als Rentner merke ich wie angebunden ich damals war. Dank der modernen Fernmeldetechnik  verstanden die Kunden kaum, wenn man einmal nicht innerhalb von wenigen Stunden zurückrief. Ja das Mobil-Phone, heute Smartphone genannt, war wie eine Nabelschnur an die User angebunden, oder besser der User war angekettet.
Es dauerte auch recht lange, bis ich, als ich dann in Rente ging, das reflexartige „ins Telefon Starren“ allmählich aufgab.
Und heute lasse ich mein Smartphone meist zu Hause liegen wenn ich weggehe, ich geniesse diese wiedergefundene Freiheit nun schon seit mehreren Jahren und habe längst nicht mehr das Gefühl etwas zu versäumen.




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