Wie
es zu dieser festen Freundschaft gekommen war hätte keiner von ihnen genau
sagen können, ja hätte man sie befragt, wäre die Antwort sicherlich bei allen
dreien gleich ausgefallen. Ja wir kennen uns schon ewig. In Wahrheit hatten sie
sich als Teenager an einer der ersten Saufpartys kennengelernt. Es war der Abend des ersten Augusts, des
Schweizer Nationalfeiertags, der damals noch kein offizieller Feiertag war,
nein die Läden schlossen zwar etwas früher, so wie Samstags, die meisten Betriebe und Büros
hörten auch etwas früher auf aber bei weitem nicht alle. Wer diese Saufparty
organisiert hatte ist nicht bekannt, aber auch ohne soziale Medien—die noch
nicht existierten—waren sehr viele Teenager gekommen, auch hatten sie zu
Trinken mitgebracht. Damals war das Problem Alkohol zu kaufen nicht ein
Kaufverbot sondern ein pekuniäres Problem. Wenn irgend möglich nahm man etwas
von zu Hause mit, angebrochene Kirschflaschen, eigentlich fürs Fondue bestimmt gab’s
ja in jedem Haushalt, oder Wein aus dem Familienkeller aber auch schon mal aus
dem Nachbarkeller. Irgendwie gings immer und man teilte auch redlich das
Gesöff, was bei einigen zu dramatischen Resultaten führte. Gaston hiess der
älteste der drei, er war eigentlich nicht mehr im Teenageralter, er war schon
dreiundzwanzig, wusste aber dass so eine Party das ideale Jagdgebiet für alle
möglichen Bekanntschaften darstellte. Schorsch so schrieb und nannte er sich
,war gerademal vierzehn, sah aber—gross
wie er war—eher wie zwanzig aus
und Gusti der kleinste war zwar schon siebzehn aber noch recht kindlich im
Aussehen. Pfiffig waren alle drei. Wie sie sich kennengelernt hatten ist im
übermässig getrunkenen Alkohol untergegangen. Seither machten sie fast alles
zusammen, Gaston, verdiente als junger
Bankangestellter schon recht viel, da er clever und sehr strebsam war; er
feierte gerne aber er arbeitete auch sehr viel. Schorsch war noch im Gymnasium
und versuchte Lernen und Partys unter einen Hut zu bringen, Gusti machte eine
kaufmännische Lehre in einer kleinen Handelsfirma wo er viel Selbstständigkeit
an den Tag legen musste, da der Chef seinen zahlreichen Liebschaften nachging.
Viele Jahre waren vergangen als die drei sich entschlossen die bevorstehenden
Feiertage in Thailand zu verbringen. Sie richteten sich in Pattaya in einem
eher einfachen dadurch sehr unkomplizierten Hotel ein. In Thailand ist für die
Farangs alles billig, die Sexualpartner ob Frau Mann Mädchen Knabe oder
irgendwelche Zwischendinger alles ist zu kaufen; auch die Unterkunft, der
Mekong-Whisky das Essen einfach alles
steht problemlos zur Verfügung. Am Weihnachtsabend stieg eine Riesen-Party in
ihren Zimmern, die durchgehende Türen hatten. Wer wen mitgeschleppt hatte und
wer mit wem was auch immer tat ist nicht mehr zu sagen und auch nicht sehr
relevant. Die grosse Frage über die sie
sich, im Gefängnis, stritten war „wer
hat die Drogen mitgebracht“. Bei dieser grossen Menge und vor allem Vielzahl
von Substanzen –von LSD Morphium Crack Kokain über Haschisch und allen
Designerdrogen—fehlte nichts im sichergestellten Lager. Sie wurden zu langen
Gefängnisstrafen verurteilt, die Thai-Händler die ihre Hotelzimmer als „Bunker“
missbraucht hatten kamen natürlich ungeschoren davon.
Samstag, 21. März 2015
Freitag, 20. März 2015
Zazi oder doch Lolita ?
Es war neunzehnhundertzweiundsechzig. Es
passierte in Zürich. In einem Freundeskreis um die Mode-Cafés Odeon und Select
tauchte eines schönen Tages ein noch sehr
junges Ding auf. Man nannte sie mal Lolita mal Zazi nach den beiden
Romanfiguren die zu der Zeit Furore machten.Vor sieben Jahren hatte der
russische Exilautor, Vladimir Nabokov der
in Montreux im Palace Hotel lebte, seinen Skandalroman „Lolita“ in der Olympia
Press in Paris veröffentlicht. Vier Jahre später erschien“ Zazi dans le Metro“
von dem Franzosen Raymond Queneau. Beide Romane wurden später verfilmt, aber die
Buchform war viel besser. Alle in der Gruppe hatten beide Bücher gelesen. Das
junge Ding war wie ein Wirbelwind, sie stammte irgendwo aus der Umgebung der
Stadt. Sie hatte einen undefinierbaren Ost-Schweizer Dialekt und verdrehte den
meisten jungen Männern den Kopf. Sie liebte das Leben und sie war geradezu
süchtig auf Sex. Ja sie zerrte alle ins Bett, wo immer eine Party stattfand war
sie dabei, Suchte sich einen Partner aus und verschwand mit ihm irgendwo in
einem Zimmer, notfalls auch in einer dunkleren Ecke. Sie war nicht etwa
Nymphomanin, nein sie liebte einfach jede Art von Sex, solange der Partner ein
Mann war, mit Frauen oder auch Mädchen hatte sie Mühe, sie sah diese wohl als
Konkurrentinnen. Wenn ein Mann sie anzumachen versuchte merkte er schnell, dass
es so nicht ging, nein sie wählte und duldete keine Widerrede. Es kam, wie es
kommen musste, sie wurde schwanger, verheimlichte es aber so lange wie nur
irgend möglich. Ja sie sagte später als man ihr vorwarf es zu spät gesagt zu
haben, endlich konnte ich ohne Bedenken rumvögeln da ich ja schon schwanger war. Als sie schon
im vierten Monat war kam ihr wahres Wesen zum Vorschein. Da sie unter keinen
Umständen zurück zu ihrer Familie wollte suchte sie sich aus dem Freundeskreis
den Mann aus der ihr am reichsten schien
und der schon arbeitete, die anderen waren ja meist noch Studenten. Ihre Wahl
fiel auf Armin, er war Steward bei der
damals noch existenten Swissair, denn Steward war ja ein Traumjob und sie malte
sich aus, dass sie einmal verheiratet, oft alleine sein würde, was ihrer Lust
nach Lust entgegen kam. Es kam zur Vaterschaftsklage und auch zur Anklage,
wegen Verführung einer Minderjährigen. Bei der Verhandlung waren alle, aber
auch alle, Freunde im Saal. Armin wurde verhört, er stritt aber ab je mit der
Klägerin geschlafen zu haben. Im Verhör outete er sich als Schwul—damals noch
ein Riesenskandal—. Auf Anfrage des Richters hin bestätigten alle im Saal
anwesenden, mit der Klägerin regelmässig Sex gehabt zu haben und dass der
einzige der nie mit ihr intim geworden ist Armin war. Die Klage wurde abgewiesen
und die noch minderjährige Schwangere von der Polizei zu ihren Eltern auf den Bauernhof
gebracht. So verschwand Lolita—Zazi für immer aus dem Freundeskreis, eigentlich
schade für die Libido der Gruppe.
Mittwoch, 18. März 2015
Nachtmahr nach Kinoabend
Er hatte im Kino einen sehr realistischen Film, das x te
Remake über einen modernen Frankenstein, gesehen. Alles spielte in einer
hochmodernen Klinik sehr realitätsnah. Das Thema war wie auch in jedem dritten
Fernsehkrimi ,die korrupte Pharmaindustrie, die skrupellosen Ärzte und Forscher,
die Geldgier, alles bekannte Clinches ;aber in diesem Film war noch eine ganz
andere Dimension dazugekommen. Neben dem bekannten Plot war etwas ganz neues in Erscheinung getreten, ein
Chirurg war seit kurzem da, er sah aus
wie man sich den Erzengel Gabriel vorstellt, immer lächelnd, sanft, blond und
mit rosa Wangen, einfach süss, der Schwarm aller Pflegerinnen zumindest jener
die sich was aus Männern machten. Auch die Assistenz Ärztinnen drängten sich,
um ihm zu assistieren. Doch meist
verzichtete er auf eine Zusammenarbeit, nein er war gern alleine mit einer
jungen Frau die er selbst mitgebracht hatte. Ob diese Frau eine Pflegerin oder
gar eine Ärztin war wusste keiner, dass sie sicherlich kein Paar waren sah man leicht,
denn sie gingen kumpelhaft miteinander um, weder wie Liebende, noch wie Paare
die schon lange zusammen sind. Hatte
unser Schönling Dienst, so machte er nachts bizarre Operationen an Patienten
die auf geheime Art und Weise in die Klinik gebracht und nach dem Eingriff
wieder aus der Klinik weggebracht wurden. Diese Operationen verliefen sehr
professionell und routiniert, immer mit der Assistenz seiner Begleiterin. Die
Personen die diese Patienten transportierten sah man nur schemenhaft so wie
Scherenschnitte gegen das Licht, es war nichts Schummeriges dabei alles ganz
akkurat aber eben Mysteriös. Auch wusste man nicht was operiert wurde, man sah
kein Operationsfeld, alles war nur auf den ernsten Gesichter des Schönlings und
seiner Assistentin abzulesen. Kein Wort wurde gewechselt, nur kurze Blicke. Da kein Anästhesist dabei war, kann
man davon ausgehen, dass in Lokaler Betäubung operiert wurde. Daneben lief der
Klinikalltag auf gewohnte Art weiter mit Intrigen und Tändeleien, ja so wie in
jeder Soap Oper. Was sehr beängstigend war, kam davon dass eigentlich nichts zu
sehen war aber das Ungewisse Vage in
diesem modernen, cleanen Umfeld war die Raffinesse die an das Bauchgefühl appelierte. Zum
Schluss sah man, in einer Jugendstielvilla am See ,es handelte sich wohl um den
Wannsee, wie der Arzt mit seiner Assistentin
und sehr künstlich anmutenden Personen zusammen um einen grossen zentralen
Tisch herum sassen .Ja es sah aus wie das Abendmahlsbild von Leonardo Da Vinci
das man in Mailand in der Chiesa Santa Maria delle Grazie bewundern kann, nur
waren neben jedem der zwölf Männern auch ebenso viele Frauen zu sehen. Alle
Gesichter waren absolut ausdruckslos wie erstarrt, nur der Schönling und seine
Assistentin hatten eine geradezu diabolische Mimik, sie machten sich über, wie
sie sagten, „ Unsere—Kreaturen“ lustig. Im Kinosaal konnte man eine gewisse
Unruhe fühlen obwohl eigentlich n i c h t s
geschah. Er, unser Held ging nach Hause und schon bald danach zu Bett,
musste er doch am nächsten Tag in die Klinik eintreten für einen kleinen
harmlosen Eingriff .Er wachte schweissgebadet auf, was hatte er geträumt? ja
das Gesicht des Schönlings verfloss mit dem Gesicht seines Arztes, Doktor
Schnetzler der ihm die drei Grützbeutel entfernen sollte. Mit zitternden Knien
fuhr er zur Klinik wo er sich mit sehr gemischten Gefühlen in den
Operationssaal schieben liess. Der Chirurg begrüsste ihn hinter seiner Maske,
war das wirklich Doktor Schnetzler, den er seit vielen Jahren kannte? Oder doch
der unbekannte Andere?
Montag, 16. März 2015
Fischers Fritz
Ja er hiess wirklich Fritz, seine Frau, die viel jünger als
Fritz war, hiess Claudia. Fritz war nun schon Ende fünfzig, Claudia die er sehr
jung geheiratet hatte, sie war gerademal achtzehn und von seinem Erfolg als
Geschäftsmann geblendet. Kennengelernt hatten sie sich auf Fritzes
Geburtstagsparty. Ja er hatte seinen fünfzigsten gross gefeiert und natürlich
auch seinen Jugendfreund Emil samt Frau und Tochter eingeladen. Fritz hatte sie
zuletzt als kleines Mädchen gesehen, ja und jetzt war sie eine siebzehnjährige Schönheit.
Er verknallte sich wie ein Teenager; seine Frau war vor etwa einem Jahr an
einem bösartigen Krebsleiden, jämmerlich, gestorben. Diese Geburtstagsparty sollte
ihm ein klein wenig über den grossen Verlust hinweghelfen. Claudia machte es
ihm sehr leicht, sie machte die ersten Annäherungsversuche, denn Emil, ihr
Vater, hatte immer schon seinen Freund als den besten Mann der Welt
dargestellt. Leider hatte Fritz keine Kinder. Claudia und Fritz kamen sich an
diesem Fest wo auch getanzt wurde also rasch näher, Fritz blühte so richtig
auf, wusste aber noch nicht, dass es weitergehen würde. Claudia machte alles um einen Ferien-Job bei Fritz im
Sekretariat zu bekommen, Fritz freute sich, hatte aber Mühe seine Gefühle zu
verstecken. Claudia war sehr hartnäckig,
denn auch sie war unsterblich verliebt—oder doch eher fasziniert von diesem
weltgewandten noch jugendlich wirkenden Mann— Waren die Gefühle von Fritz nicht
auch väterlich da er nie Kinder gehabt hatte, wer weiss? Es kam immer öfter zu
harmlosen Zärtlichkeiten, bis Claudia ihm das Versprechen abrang, sollte sie
ihre Meinung nicht ändern, würde er nach einem Jahr bei seinem Freund, ihrem
Vater Emil, in aller Form um ihre Hand
anhalten. Sie änderte ihre Meinung nicht, blieb aber standhaft denn sie wollte
als Jungfrau in die Ehe gehen; Fritz hätte sicher auch nie etwas von ihr
verlangt, war er doch ganz Gentleman der alten Schule. Der Antrag wurde zuerst
mit einer gewissen Befremdung quittiert, aber sehr bald hatte Claudia auch ihre
Eltern überzeugen können und so stand der Hochzeit nichts mehr im Weg. Es wurde
eine lustige Feier, die Gäste waren in zwei geteilt, eine Gruppe so um die
fünfzig die andere knapp achtzehn. Es mangelte auch nicht an vielen spöttisch-ironischen
Witzeleien sowohl aus der jungen Gruppe, aber viel mehr und kritischer aus der
Gruppe der älteren Generation.
Ein
Jahr Weltreise war das Hochzeitsgeschenk, das Fritz sich selbst und vor allem
Claudia machte. Sie kamen sehr glücklich und hochschwanger zurück; ja es schien
als ob auch Fritz schwanger war. Das Geschäft war vom eingesetzten Direktor,
der schon seit langem die rechte Hand von Fritz gewesen war, erfolgreich
weitergeführt worden. Fritz stabilisierte die Strukturen im Geschäft und blieb
im Hintergrund. Um nicht mit seiner neuen Frau im selben Haus wie mit der
Verstorbenen zu leben, hatte er vor der Abreise während der geheimen
Verlobungszeit ein neues Haus bauen lassen in das sie nun einzogen. Es war ein
Traumhaus, sie hatten es ja auch gemeinsam erträumt. Zwillinge wurden geboren
alle waren glücklich, Fritz blieb zu Hause und kümmerte sich um alles. Er war, wohl
bedingt durch sein Alter, ein eher ängstlicher Vater, bei dem kleinsten Hüsteln
hätte er schon den Arzt gerufen, würde
ihm Claudia das nicht verboten haben. Die Zwillinge wuchsen heran Fritz
langweilte sich nie obwohl er kaum noch in die Firma ging. Trotz ein klein
wenig Sport wurde er mit den Jahren
recht behäbig, ja fast schon dicklich. Eines schönen Tages dachte er, als ein
entsprechender Film am Fernsehen lief, an eine alte Passion aus seiner frühen
Jugend; das Fischen. Ja damals hatte er doch gerne und viel geangelt, auch oft
mit Emil, seinem—lustig daran zu denken—Schwiegervater und Freund. Er sprach
Emil darauf an. Auch Emil hatte sein Arbeitspensum stark reduzierter war
sofort Feuer und Flamme bei der Idee
wieder gemeinsam fischen zu gehen. Bei einer oder eher zwei Flaschen Rotwein
wurden Pläne geschmiedet .Forellen-Angeln in Bergbächen, Hochseeangeln wie in
Hemingways Alter Mann und das Meer oder um bei Hemingway zu bleiben
Forellen-Angeln in den Pyrenäen…. es wurde ein langer Abend, Claudia lag schon
lange im Bett, sie lag leider immer öfter allein im Bett, Fritz war wie schon
gesagt behäbig geworden er merkte nicht dass seine junge Frau sich langweilte
und nach Zärtlichkeit lechzte; lieb war er ja, väterlich lieb, eben nicht so
wie ein Gatte. Mit den Zwillingen war er auch sehr lieb das war schon OK, aber
sie sie hatte doch Bedürfnisse, sie war noch keine dreissig, das schien Fritz
zu vergessen. Ja er vergass in letzter Zeit immer mehr. Die zwei alten—ja so
dachte Claudia immer öfter—verreisten nun häufig zum Fischen. Claudia war zu
grosser Schönheit erblüht, sie hatte kaum zu arbeiten, dies machten die
Dienstboten, und die Zwillinge wurden von der englischen Nanny betreut, zur
Schule gebracht, abgeholt, zum Reiten und zur Musikschule gefahren .Was blieb
Claudia zu tun ausser zu shoppen und sich zu langweilen. Ihr Abitur hatte sie
noch vor der Hochzeit gemacht, dass war aber auch alles an Ausbildung und so
kann es nicht verwundern, dass sie wieder mit Freunden aus der Gymnasialzeit
anknüpfte. Die meisten hatten ihr Studium abgeschlossen waren zum Teil auch schon
verheiratet und Familienväter aber viele waren noch immer in sie verliebt. Sie
baute sich eine Art Harem auf, im umgekehrten Sinn, aber ganz bestimmt ohne
Eunuchen. Überraschend kamen die beiden Alten nie nach Hause, nein es wurde
immer angekündigt, Emils Frau also die Mutter von Claudia war sehr wenig
präsent, sie hatte andere Interessen. Also konnte Claudia ihr immer
unkonventioneller werdendes Lotter- Leben in vollen Zügen geniessen. Erst als
die beiden Alten, Fritz und Emil, in Alaska
einen schweren Autounfall nicht überlebten kam Claudia zur Besinnung.
Glücklicherweise wusste keiner im Umfeld, wie sie ihre Freizeit zugebracht
hatte. Nun war sie eine sehr reiche, tief trauernde sehr junge bildschöne Witwe mit
Zwillingen. Also konnte sie sich ihren zweiten Mann, nach der obligaten
Trauerphase, frei aussuchen. Erprobt hatte sie ja recht viele und so nahm sie
sich den besten und hungrigsten, der dazu auch sehr gut ausgerüstet war nicht
nur seinen eigenen, sondern vor allem ihren, grossen Hunger zu stillen.
Sonntag, 15. März 2015
Urlaubsidyll
Es waren zwei Freunde, nennen wir sie Kurt und Georg. Kurt
hatte, trotz seiner Jugend—er war gerademal dreiundzwanzig—schon, mit Evi ,seit
Jahren eine recht turbulente Beziehung, Georg hatte seine Freundin erst vor kurzem,
auf lustige unkonventionelle Art, kennengelernt.
Ja damals wohnte Georg, seit kurzem, in der Westschweiz und als er eines Abends
die Telefonauskunft anrief, um, wie damals üblich, einen Weckruf zu bestellen,
hörte er als Deutschschweizer sofort den Luzerner Akzent der Telefonistin heraus,
sprach sie darauf an, erkundete ihr Alter, erfuhr dass sie erst seit einigen
Wochen in dieser Zentrale arbeitete und so kam es noch am selben Abend zu einem
ersten Treffen zwischen —Heimwehdeutschschweizern—.Liebe auf den ersten Blick
war es sicher , was Georg betraf, nicht. Bei Silvia schien es sich aber darum
zu handeln, denn schon bei diesem ersten Treffen strahlte sie ihn richtiggehend
an, erzählte ihm ihr bisheriges Leben, auch dass in Luzern ein Freund existierte,
den sie eigentlich durch die Distanz loswerden wollte, deshalb die Entscheidung
sich in die Westschweiz versetzen zu
lassen. Ihre Beziehung wurde bald sehr intim, die Luzerner Beziehung schlief
ein. Evi, Kurt und Georg waren nun in Georgs Auto unterwegs nach Jugoslawien wo sie auf der
Insel Mali Losinj zwei Ferienbungalows gemietet hatten. Der erste Halt war in
Luzern, wo Silvia abgeholt wurde. Bei diesem ersten Kennenlernen zwischen Evi,
Kurt und Silvia entstand sofort eine Kälte die recht praktisch war, gab es
damals doch in VW’s noch keine Klimaanlage. Ja es war Antipathie auf den ersten
Blick, wer wen nicht mochte ist noch heute fünfzig Jahre später nicht zu eruieren.
Georg versuchte zu vermitteln aber es wurde eine schweigsame Fahrt über Venedig,
das man im Morgengrauen kurz besuchte um ein Frühstück auf dem Markusplatz
einzunehmen, dann nach Triest bis Rijeka dem ehemaligen Fiume. Dort musste man
anstehen um auf die Fähre zu warten, dank eines Bakschischs standen sie vorne
an. Nach der schönen Überfahrt bezogen sie ihre Bungalows, die glücklicherweise
nicht sehr nah beieinander waren. Da Silvia nicht am selben Tisch mit den
anderen sitzen wollte und es keine zweier Tische gab, kamen Georg und Silvia an
einen Tisch mit zwei Wienerinnen, Mutter und Tochter. Georg war von der Mutter
sehr eingenommen, sie war äusserst witzig, die Tochter, ja die war eine Bombe.
Hübsch lächeln lustig offenherzig, ganz anders als die immer zickiger werdende
Silvia. Schon in der zweiten Nacht schlief Georg nicht mehr im Bungalow mit
Silvia zusammen. Die drei, Evi Kurt Georg waren nun ständig mit der jungen
Wienerin zusammen, hatten einen wunderbaren Urlaub und teilten einen Tisch mit
der Lebensfrohen Mutter aus Wien. Die Heimreise über Luzern verlief in eisigem
Schweigen Silvias, und lustigem Schwatzen der drei anderen. Silvia verliess das
Auto ohne Gruss und wurde auch in der Westschweizer Stadt nicht mehr gesehen.
Georg, ja der verbrachte den nächsten Urlaub in Wien.
Samstag, 14. März 2015
Madrid
Mit einem Freund zusammen war ich einige Tage in Madrid.
Welch ein Vergnügen diese, übrigens sehr saubere, Stadt nach über zwanzig Jahren einmal
wiederzusehend .Es ist wirklich eine tolle Stadt, nicht nur der schönen Museen
wegen, nein auch sonst bietet sie sehr viel, aber eben die Museen sind
herausragend. Trotz knapp bemessener Zeit konnten wir viel sehen. Beim Besuch
des Thyssen Museums kann man als Schweizer nur kopfschüttelnd bedauern, dass
der Kanton Tessin und auch der Bund es verpasst haben diese herausragende
Sammlung in Lugano zu behalten; Kurzsichtigkeit, Ängstlichkeit und Kleinmütigkeit
scheinen die hervorragenden Kennzeichen
der Schweizer Politik zu sein. Es ist zu hoffen, dass im Falle des
Gurlitt-Nachlasses ein wenig mehr Weitsicht herrscht. Ja Probleme muss man
lösen und ihnen nicht kleinmütig aus dem Weg gehen. Um alles diesmal nicht Gesehene zu
besuchen, werde ich bald eine zweite Reise nach Madrid planen müssen.
Freitag, 13. März 2015
Geld
Zur Zeit meiner Kindheit waren fast alle, das, was man heute
arm nennen würde. Das, was man auf Reisen in die dritte Welt noch immer sehen
kann, ich weiss nicht wie ich es bezeichnen soll? Armut , Knappheit, Bedrängnis? Gehungert haben die wenigsten,
satt war man eigentlich schon aber alles war abgemessen, abgewogen, zugeteilt.
In den meisten Familien, nicht etwa bei den Armen, war so zehn Tage bevor der
Vater mit der Lohntüte nach Hause kam
Ebbe in der Kasse. Das Kleingeld wurde aufgetürmt,gezählt und eingeteilt. Man
fragte sich, was muss, kann, soll und wird noch gekauft werden, Salat oder Gemüse,
Obst oder Wurst, alles war nicht zu machen. In vielen Firmen gab es damals eine
zwar bescheidene aber unentbehrliche Herbstzulage die dazu bestimmt war
Kartoffeln und Obst, vor allen Äpfel und Birnen einzukellern sowie genügend
Zucker für Marmelade und Kompott zu kaufen. Ja die übliche Sonntagsnachspeise
war Kompott, heute träumt man davon so gutes, selbstgemachtes Kompott zu essen,
damals lechzte man nach Süssem aus
Bäckerei und Konsumladen. Damals wusste man oder ahnte es mindestens als Kind, dass
andere wirklich arm waren sogar hungerten oft auch hungrig zur Schule kamen, man
fühlte sich trotz der allgemeinen Knappheit privilegiert. Aber unglücklich
waren wir nicht eher fröhlicher als Heute und vor allem war man immer in
Gesellschaft, spielte und redete statt elektronisch zu kommunizieren. Mir
scheint, es war erst kürzlich, es ist aber schon sehr lange her.
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