Samstag, 21. März 2015

Jugendfreunde.

Wie es zu dieser festen Freundschaft gekommen war hätte keiner von ihnen genau sagen können, ja hätte man sie befragt, wäre die Antwort sicherlich bei allen dreien gleich ausgefallen. Ja wir kennen uns schon ewig. In Wahrheit hatten sie sich als Teenager an einer der ersten Saufpartys kennengelernt.  Es war der Abend des ersten Augusts, des Schweizer Nationalfeiertags, der damals noch kein offizieller Feiertag war, nein die Läden schlossen zwar etwas früher, so wie  Samstags, die meisten Betriebe und Büros hörten auch etwas früher auf aber bei weitem nicht alle. Wer diese Saufparty organisiert hatte ist nicht bekannt, aber auch ohne soziale Medien—die noch nicht existierten—waren sehr viele Teenager gekommen, auch hatten sie zu Trinken mitgebracht. Damals war das Problem Alkohol zu kaufen nicht ein Kaufverbot sondern ein pekuniäres Problem. Wenn irgend möglich nahm man etwas von zu Hause mit, angebrochene Kirschflaschen, eigentlich fürs Fondue bestimmt gab’s ja in jedem Haushalt, oder Wein aus dem Familienkeller aber auch schon mal aus dem Nachbarkeller. Irgendwie gings immer und man teilte auch redlich das Gesöff, was bei einigen zu dramatischen Resultaten führte. Gaston hiess der älteste der drei, er war eigentlich nicht mehr im Teenageralter, er war schon dreiundzwanzig, wusste aber dass so eine Party das ideale Jagdgebiet für alle möglichen Bekanntschaften darstellte. Schorsch so schrieb und nannte er sich ,war gerademal vierzehn, sah aber—gross  wie er war—eher  wie zwanzig aus und Gusti der kleinste war zwar schon siebzehn aber noch recht kindlich im Aussehen. Pfiffig waren alle drei. Wie sie sich kennengelernt hatten ist im übermässig getrunkenen Alkohol untergegangen. Seither machten sie fast alles zusammen, Gaston,  verdiente als junger Bankangestellter schon recht viel, da er clever und sehr strebsam war; er feierte gerne aber er arbeitete auch sehr viel. Schorsch war noch im Gymnasium und versuchte Lernen und Partys unter einen Hut zu bringen, Gusti machte eine kaufmännische Lehre in einer kleinen Handelsfirma wo er viel Selbstständigkeit an den Tag legen musste, da der Chef seinen zahlreichen Liebschaften nachging. Viele Jahre waren vergangen als die drei sich entschlossen die bevorstehenden Feiertage in Thailand zu verbringen. Sie richteten sich in Pattaya in einem eher einfachen dadurch sehr unkomplizierten Hotel ein. In Thailand ist für die Farangs alles billig, die Sexualpartner ob Frau Mann Mädchen Knabe oder irgendwelche Zwischendinger alles ist zu kaufen; auch die Unterkunft, der Mekong-Whisky das Essen  einfach alles steht problemlos zur Verfügung. Am Weihnachtsabend stieg eine Riesen-Party in ihren Zimmern, die durchgehende Türen hatten. Wer wen mitgeschleppt hatte und wer mit wem was auch immer tat ist nicht mehr zu sagen und auch nicht sehr relevant. Die grosse Frage über  die sie sich,  im Gefängnis, stritten war „wer hat die Drogen mitgebracht“. Bei dieser grossen Menge und vor allem Vielzahl von Substanzen –von LSD Morphium Crack Kokain über Haschisch und allen Designerdrogen—fehlte nichts im sichergestellten Lager. Sie wurden zu langen Gefängnisstrafen verurteilt, die Thai-Händler die ihre Hotelzimmer als „Bunker“ missbraucht hatten kamen natürlich ungeschoren davon.

Freitag, 20. März 2015

Zazi oder doch Lolita ?

Es war neunzehnhundertzweiundsechzig. Es passierte in Zürich. In einem Freundeskreis um die Mode-Cafés Odeon und Select tauchte  eines schönen Tages ein noch sehr junges Ding auf. Man nannte sie mal Lolita mal Zazi nach den beiden Romanfiguren die zu der Zeit Furore machten.Vor sieben Jahren hatte der russische Exilautor, Vladimir Nabokov  der in Montreux im Palace Hotel lebte, seinen Skandalroman „Lolita“ in der Olympia Press in Paris veröffentlicht. Vier Jahre später erschien“ Zazi dans le Metro“ von dem Franzosen Raymond Queneau. Beide Romane wurden  später verfilmt, aber die Buchform war viel besser. Alle in der Gruppe hatten beide Bücher gelesen. Das junge Ding war wie ein Wirbelwind, sie stammte irgendwo aus der Umgebung der Stadt. Sie hatte einen undefinierbaren Ost-Schweizer Dialekt und verdrehte den meisten jungen Männern den Kopf. Sie liebte das Leben und sie war geradezu süchtig auf Sex. Ja sie zerrte alle ins Bett, wo immer eine Party stattfand war sie dabei, Suchte sich einen Partner aus und verschwand mit ihm irgendwo in einem Zimmer, notfalls auch in einer dunkleren Ecke. Sie war nicht etwa Nymphomanin, nein sie liebte einfach jede Art von Sex, solange der Partner ein Mann war, mit Frauen oder auch Mädchen hatte sie Mühe, sie sah diese wohl als Konkurrentinnen. Wenn ein Mann sie anzumachen versuchte merkte er schnell, dass es so nicht ging, nein sie wählte und duldete keine Widerrede. Es kam, wie es kommen musste, sie wurde schwanger, verheimlichte es aber so lange wie nur irgend möglich. Ja sie sagte später als man ihr vorwarf es zu spät gesagt zu haben, endlich konnte ich ohne Bedenken rumvögeln  da ich ja schon schwanger war. Als sie schon im vierten Monat war kam ihr wahres Wesen zum Vorschein. Da sie unter keinen Umständen zurück zu ihrer Familie wollte suchte sie sich aus dem Freundeskreis den Mann aus der ihr am  reichsten schien und der schon arbeitete, die anderen waren ja meist noch Studenten. Ihre Wahl fiel auf Armin, er war  Steward bei der damals noch existenten Swissair, denn Steward war ja ein Traumjob und sie malte sich aus, dass sie einmal verheiratet, oft alleine sein würde, was ihrer Lust nach Lust entgegen kam. Es kam zur Vaterschaftsklage und auch zur Anklage, wegen Verführung einer Minderjährigen. Bei der Verhandlung waren alle, aber auch alle, Freunde im Saal. Armin wurde verhört, er stritt aber ab je mit der Klägerin geschlafen zu haben. Im Verhör outete er sich als Schwul—damals noch ein Riesenskandal—. Auf Anfrage des Richters hin bestätigten alle im Saal anwesenden, mit der Klägerin regelmässig Sex gehabt zu haben und dass der einzige der nie mit ihr intim geworden ist Armin war. Die Klage wurde abgewiesen und die noch minderjährige Schwangere von der Polizei zu ihren Eltern auf den Bauernhof gebracht. So verschwand Lolita—Zazi für immer aus dem Freundeskreis, eigentlich schade für die Libido der Gruppe.

Mittwoch, 18. März 2015

Nachtmahr nach Kinoabend

Er hatte im Kino einen sehr realistischen Film, das x te Remake über einen modernen Frankenstein, gesehen. Alles spielte in einer hochmodernen Klinik sehr realitätsnah. Das Thema war wie auch in jedem dritten Fernsehkrimi ,die korrupte Pharmaindustrie, die skrupellosen Ärzte und Forscher, die Geldgier, alles bekannte Clinches ;aber in diesem Film war noch eine ganz andere Dimension dazugekommen. Neben dem bekannten Plot war  etwas ganz neues in Erscheinung getreten, ein Chirurg  war seit kurzem da, er sah aus wie man sich den Erzengel Gabriel vorstellt, immer lächelnd, sanft, blond und mit rosa Wangen, einfach süss, der Schwarm aller Pflegerinnen zumindest jener die sich was aus Männern machten. Auch die Assistenz Ärztinnen drängten sich, um  ihm zu assistieren. Doch meist verzichtete er auf eine Zusammenarbeit, nein er war gern alleine mit einer jungen Frau die er selbst mitgebracht hatte. Ob diese Frau eine Pflegerin oder gar eine Ärztin war wusste keiner, dass sie sicherlich kein Paar waren sah man leicht, denn sie gingen kumpelhaft miteinander um, weder wie Liebende, noch wie Paare die schon lange zusammen sind.  Hatte unser Schönling Dienst, so machte er nachts bizarre Operationen an Patienten die auf geheime Art und Weise in die Klinik gebracht und nach dem Eingriff wieder aus der Klinik weggebracht wurden. Diese Operationen verliefen sehr professionell und routiniert, immer mit der Assistenz seiner Begleiterin. Die Personen die diese Patienten transportierten sah man nur schemenhaft so wie Scherenschnitte gegen das Licht, es war nichts Schummeriges dabei alles ganz akkurat aber eben Mysteriös. Auch wusste man nicht was operiert wurde, man sah kein Operationsfeld, alles war nur auf den ernsten Gesichter des Schönlings und seiner Assistentin abzulesen. Kein Wort wurde gewechselt, nur kurze Blicke.              Da kein Anästhesist dabei war, kann man davon ausgehen, dass in Lokaler Betäubung operiert wurde. Daneben lief der Klinikalltag auf gewohnte Art weiter mit Intrigen und Tändeleien, ja so wie in jeder Soap Oper. Was sehr beängstigend war, kam davon dass eigentlich nichts zu sehen war aber das  Ungewisse Vage in diesem modernen, cleanen Umfeld war die Raffinesse die an das Bauchgefühl appelierte. Zum Schluss sah man, in einer Jugendstielvilla am See ,es handelte sich wohl um den Wannsee,  wie der Arzt mit seiner Assistentin und sehr künstlich anmutenden Personen zusammen um einen grossen zentralen Tisch herum sassen .Ja es sah aus wie das Abendmahlsbild von Leonardo Da Vinci das man in Mailand in der Chiesa Santa Maria delle Grazie bewundern kann, nur waren neben jedem der zwölf Männern auch ebenso viele Frauen zu sehen. Alle Gesichter waren absolut ausdruckslos wie erstarrt, nur der Schönling und seine Assistentin hatten eine geradezu diabolische Mimik, sie machten sich über, wie sie sagten, „ Unsere—Kreaturen“ lustig. Im Kinosaal konnte man eine gewisse Unruhe fühlen obwohl eigentlich n i c h t s  geschah. Er, unser Held ging nach Hause und schon bald danach zu Bett, musste er doch am nächsten Tag in die Klinik eintreten für einen kleinen harmlosen Eingriff .Er wachte schweissgebadet auf, was hatte er geträumt? ja das Gesicht des Schönlings verfloss mit dem Gesicht seines Arztes, Doktor Schnetzler der ihm die drei Grützbeutel entfernen sollte. Mit zitternden Knien fuhr er zur Klinik wo er sich mit sehr gemischten Gefühlen in den Operationssaal schieben liess. Der Chirurg begrüsste ihn hinter seiner Maske, war das wirklich Doktor Schnetzler, den er seit vielen Jahren kannte? Oder doch der unbekannte Andere?

Montag, 16. März 2015

Fischers Fritz

Ja er hiess wirklich Fritz, seine Frau, die viel jünger als Fritz war, hiess Claudia. Fritz war nun schon Ende fünfzig, Claudia die er sehr jung geheiratet hatte, sie war gerademal achtzehn und von seinem Erfolg als Geschäftsmann geblendet. Kennengelernt hatten sie sich auf Fritzes Geburtstagsparty. Ja er hatte seinen fünfzigsten gross gefeiert und natürlich auch seinen Jugendfreund Emil samt Frau und Tochter eingeladen. Fritz hatte sie zuletzt als kleines Mädchen gesehen, ja und jetzt war sie eine siebzehnjährige Schönheit. Er verknallte sich wie ein Teenager; seine Frau war vor etwa einem Jahr an einem bösartigen Krebsleiden, jämmerlich, gestorben. Diese Geburtstagsparty sollte ihm ein klein wenig über den grossen Verlust hinweghelfen. Claudia machte es ihm sehr leicht, sie machte die ersten Annäherungsversuche, denn Emil, ihr Vater, hatte immer schon seinen Freund als den besten Mann der Welt dargestellt. Leider hatte Fritz keine Kinder. Claudia und Fritz kamen sich an diesem Fest wo auch getanzt wurde also rasch näher, Fritz blühte so richtig auf, wusste aber noch nicht, dass es weitergehen würde. Claudia  machte alles um einen Ferien-Job bei Fritz im Sekretariat zu bekommen, Fritz freute sich, hatte aber Mühe seine Gefühle zu verstecken. Claudia war  sehr hartnäckig, denn auch sie war unsterblich verliebt—oder doch eher fasziniert von diesem weltgewandten noch jugendlich wirkenden Mann— Waren die Gefühle von Fritz nicht auch väterlich da er nie Kinder gehabt hatte, wer weiss? Es kam immer öfter zu harmlosen Zärtlichkeiten, bis Claudia ihm das Versprechen abrang, sollte sie ihre Meinung nicht ändern, würde er nach einem Jahr bei seinem Freund, ihrem Vater Emil,  in aller Form um ihre Hand anhalten. Sie änderte ihre Meinung nicht, blieb aber standhaft denn sie wollte als Jungfrau in die Ehe gehen; Fritz hätte sicher auch nie etwas von ihr verlangt, war er doch ganz Gentleman der alten Schule. Der Antrag wurde zuerst mit einer gewissen Befremdung quittiert, aber sehr bald hatte Claudia auch ihre Eltern überzeugen können und so stand der Hochzeit nichts mehr im Weg. Es wurde eine lustige Feier, die Gäste waren in zwei geteilt, eine Gruppe so um die fünfzig die andere knapp achtzehn. Es mangelte auch nicht an vielen spöttisch-ironischen Witzeleien sowohl aus der jungen Gruppe, aber viel mehr und kritischer aus der Gruppe der älteren Generation.                                                                         
 Ein Jahr Weltreise war das Hochzeitsgeschenk, das Fritz sich selbst und vor allem Claudia machte. Sie kamen sehr glücklich und hochschwanger zurück; ja es schien als ob auch Fritz schwanger war. Das Geschäft war vom eingesetzten Direktor, der schon seit langem die rechte Hand von Fritz gewesen war, erfolgreich weitergeführt worden. Fritz stabilisierte die Strukturen im Geschäft und blieb im Hintergrund. Um nicht mit seiner neuen Frau im selben Haus wie mit der Verstorbenen zu leben, hatte er vor der Abreise während der geheimen Verlobungszeit ein neues Haus bauen lassen in das sie nun einzogen. Es war ein Traumhaus, sie hatten es ja auch gemeinsam erträumt. Zwillinge wurden geboren alle waren glücklich, Fritz blieb zu Hause und kümmerte sich um alles. Er war, wohl bedingt durch sein Alter, ein eher ängstlicher Vater, bei dem kleinsten Hüsteln hätte er schon den Arzt gerufen, würde  ihm Claudia das nicht verboten haben. Die Zwillinge wuchsen heran Fritz langweilte sich nie obwohl er kaum noch in die Firma ging. Trotz ein klein wenig Sport wurde er  mit den Jahren recht behäbig, ja fast schon dicklich. Eines schönen Tages dachte er, als ein entsprechender Film am Fernsehen lief, an eine alte Passion aus seiner frühen Jugend; das Fischen. Ja damals hatte er doch gerne und viel geangelt, auch oft mit Emil, seinem—lustig daran zu denken—Schwiegervater und Freund. Er sprach Emil darauf an. Auch Emil hatte sein Arbeitspensum stark reduzierter war sofort  Feuer und Flamme bei der Idee wieder gemeinsam fischen zu gehen. Bei einer oder eher zwei Flaschen Rotwein wurden Pläne geschmiedet .Forellen-Angeln in Bergbächen, Hochseeangeln wie in Hemingways Alter Mann und das Meer oder um bei Hemingway zu bleiben Forellen-Angeln in den Pyrenäen…. es wurde ein langer Abend, Claudia lag schon lange im Bett, sie lag leider immer öfter allein im Bett, Fritz war wie schon gesagt behäbig geworden er merkte nicht dass seine junge Frau sich langweilte und nach Zärtlichkeit lechzte; lieb war er ja, väterlich lieb, eben nicht so wie ein Gatte. Mit den Zwillingen war er auch sehr lieb das war schon OK, aber sie sie hatte doch Bedürfnisse, sie war noch keine dreissig, das schien Fritz zu vergessen. Ja er vergass in letzter Zeit immer mehr. Die zwei alten—ja so dachte Claudia immer öfter—verreisten nun häufig zum Fischen. Claudia war zu grosser Schönheit erblüht, sie hatte kaum zu arbeiten, dies machten die Dienstboten, und die Zwillinge wurden von der englischen Nanny betreut, zur Schule gebracht, abgeholt, zum Reiten und zur Musikschule gefahren .Was blieb Claudia zu tun ausser zu shoppen und sich zu langweilen. Ihr Abitur hatte sie noch vor der Hochzeit gemacht, dass war aber auch alles an Ausbildung und so kann es nicht verwundern, dass sie wieder mit Freunden aus der Gymnasialzeit anknüpfte. Die meisten hatten ihr Studium abgeschlossen waren zum Teil auch schon verheiratet und Familienväter aber viele waren noch immer in sie verliebt. Sie baute sich eine Art Harem auf, im umgekehrten Sinn, aber ganz bestimmt ohne Eunuchen. Überraschend kamen die beiden Alten nie nach Hause, nein es wurde immer angekündigt, Emils Frau also die Mutter von Claudia war sehr wenig präsent, sie hatte andere Interessen.                                                                                         Also konnte Claudia ihr immer unkonventioneller werdendes Lotter- Leben in vollen Zügen geniessen. Erst als die beiden Alten,  Fritz und Emil, in Alaska einen schweren Autounfall nicht überlebten kam Claudia zur Besinnung. Glücklicherweise wusste keiner im Umfeld, wie sie ihre Freizeit zugebracht hatte. Nun war sie eine sehr reiche, tief trauernde sehr junge bildschöne Witwe mit Zwillingen. Also konnte sie sich ihren zweiten Mann, nach der obligaten Trauerphase, frei aussuchen. Erprobt hatte sie ja recht viele und so nahm sie sich den besten und hungrigsten, der dazu auch sehr gut ausgerüstet war nicht nur seinen eigenen, sondern vor allem ihren, grossen Hunger zu stillen.

Sonntag, 15. März 2015

Urlaubsidyll

Es waren zwei Freunde, nennen wir sie Kurt und Georg. Kurt hatte, trotz seiner Jugend—er war gerademal dreiundzwanzig—schon, mit Evi ,seit Jahren eine recht turbulente Beziehung, Georg hatte seine Freundin erst vor kurzem, auf lustige unkonventionelle  Art, kennengelernt. Ja damals wohnte Georg, seit kurzem, in der Westschweiz und als er eines Abends die Telefonauskunft anrief, um, wie damals üblich, einen Weckruf zu bestellen, hörte er als Deutschschweizer sofort den Luzerner Akzent der Telefonistin heraus, sprach sie darauf an, erkundete ihr Alter, erfuhr dass sie erst seit einigen Wochen in dieser Zentrale arbeitete und so kam es noch am selben Abend zu einem ersten Treffen zwischen —Heimwehdeutschschweizern—.Liebe auf den ersten Blick war es sicher , was Georg betraf, nicht. Bei Silvia schien es sich aber darum zu handeln, denn schon bei diesem ersten Treffen strahlte sie ihn richtiggehend an, erzählte ihm ihr bisheriges Leben, auch dass in Luzern ein Freund existierte, den sie eigentlich durch die Distanz loswerden wollte, deshalb die Entscheidung sich  in die Westschweiz versetzen zu lassen. Ihre Beziehung wurde bald sehr intim, die Luzerner Beziehung schlief ein. Evi, Kurt und Georg waren nun in Georgs Auto  unterwegs nach Jugoslawien wo sie auf der Insel Mali Losinj zwei Ferienbungalows gemietet hatten. Der erste Halt war in Luzern, wo Silvia abgeholt wurde. Bei diesem ersten Kennenlernen zwischen Evi, Kurt und Silvia entstand sofort eine Kälte die recht praktisch war, gab es damals doch in VW’s noch keine Klimaanlage. Ja es war Antipathie auf den ersten Blick, wer wen nicht mochte ist noch heute fünfzig Jahre später nicht zu eruieren. Georg versuchte zu vermitteln aber es wurde eine schweigsame Fahrt über Venedig, das man im Morgengrauen kurz besuchte um ein Frühstück auf dem Markusplatz einzunehmen, dann nach Triest bis Rijeka dem ehemaligen Fiume. Dort musste man anstehen um auf die Fähre zu warten, dank eines Bakschischs standen sie vorne an. Nach der schönen Überfahrt bezogen sie ihre Bungalows, die glücklicherweise nicht sehr nah beieinander waren. Da Silvia nicht am selben Tisch mit den anderen sitzen wollte und es keine zweier Tische gab, kamen Georg und Silvia an einen Tisch mit zwei Wienerinnen, Mutter und Tochter. Georg war von der Mutter sehr eingenommen, sie war äusserst witzig, die Tochter, ja die war eine Bombe. Hübsch lächeln lustig offenherzig, ganz anders als die immer zickiger werdende Silvia. Schon in der zweiten Nacht schlief Georg nicht mehr im Bungalow mit Silvia zusammen. Die drei, Evi Kurt Georg waren nun ständig mit der jungen Wienerin zusammen, hatten einen wunderbaren Urlaub und teilten einen Tisch mit der Lebensfrohen Mutter aus Wien. Die Heimreise über Luzern verlief in eisigem Schweigen Silvias, und lustigem Schwatzen der drei anderen. Silvia verliess das Auto ohne Gruss und wurde auch in der Westschweizer Stadt nicht mehr gesehen. Georg, ja der verbrachte den nächsten Urlaub in Wien.

Samstag, 14. März 2015

Madrid

Mit einem Freund zusammen war ich einige Tage in Madrid. Welch ein Vergnügen diese, übrigens sehr saubere, Stadt nach über zwanzig Jahren einmal wiederzusehend .Es ist wirklich eine tolle Stadt, nicht nur der schönen Museen wegen, nein auch sonst bietet sie sehr viel, aber eben die Museen sind herausragend. Trotz knapp bemessener Zeit konnten wir viel sehen. Beim Besuch des Thyssen Museums kann man als Schweizer nur kopfschüttelnd bedauern, dass der Kanton Tessin und auch der Bund es verpasst haben diese herausragende Sammlung in Lugano zu behalten; Kurzsichtigkeit, Ängstlichkeit und Kleinmütigkeit scheinen  die hervorragenden Kennzeichen der Schweizer Politik zu sein. Es ist zu hoffen, dass im Falle des Gurlitt-Nachlasses ein wenig mehr Weitsicht herrscht. Ja Probleme muss man lösen und ihnen nicht kleinmütig aus dem Weg gehen.                                          Um alles diesmal nicht Gesehene zu besuchen, werde ich bald eine zweite Reise nach Madrid planen müssen.


Freitag, 13. März 2015

Geld

Zur Zeit meiner Kindheit waren fast alle, das, was man heute arm nennen würde. Das, was man auf Reisen in die dritte Welt noch immer sehen kann, ich weiss nicht wie ich es bezeichnen soll? Armut , Knappheit,  Bedrängnis? Gehungert haben die wenigsten, satt war man eigentlich schon aber alles war abgemessen, abgewogen, zugeteilt. In den meisten Familien, nicht etwa bei den Armen, war so zehn Tage bevor der Vater  mit der Lohntüte nach Hause kam Ebbe in der Kasse. Das Kleingeld wurde aufgetürmt,gezählt und eingeteilt. Man fragte sich, was muss, kann, soll und wird noch gekauft werden, Salat oder Gemüse, Obst oder Wurst, alles war nicht zu machen. In vielen Firmen gab es damals eine zwar bescheidene aber unentbehrliche Herbstzulage die dazu bestimmt war Kartoffeln und Obst, vor allen Äpfel und Birnen einzukellern sowie genügend Zucker für Marmelade und Kompott zu kaufen. Ja die übliche Sonntagsnachspeise war Kompott, heute träumt man davon so gutes, selbstgemachtes Kompott zu essen, damals lechzte man nach  Süssem aus Bäckerei und Konsumladen. Damals wusste man oder ahnte es mindestens als Kind, dass andere wirklich arm waren sogar hungerten oft auch hungrig zur Schule kamen, man fühlte sich trotz der allgemeinen Knappheit privilegiert. Aber unglücklich waren wir nicht eher fröhlicher als Heute und vor allem war man immer in Gesellschaft, spielte und redete statt elektronisch zu kommunizieren. Mir scheint, es war erst kürzlich, es ist aber schon sehr lange her.