Die Stapel der ungelesenen Bücher türmen sich überall
in meiner Wohnung, oft als wacklige Gebilde. Manchmal stürzen die Türme auch
ein und zwingen mich, ob ich es nun will oder nicht, Ordnung zu schaffen. Dabei
finde ich dann meist Bücher, die ich zwar vor ungewisser Zeit gekauft aber nie
gelesen habe. Trotz meines Rentnerdaseins, das nun schon bald fünf Jahre dauert
wird die Menge der ungelesenen Bücher immer grösser statt kleiner. Kürzlich
habe ich, angeregt durch die Lektüre Golo Manns Erinnerungen und Gedanken
„Lehrjahre in Frankreich“, nach gefühlten fünfzig Jahren mal wieder Voltaires
Candide in die Hände genommen. Es handelt sich um eine Illustrierte Ausgabe von
1939. Es war ein Genuss mich an die längst
vergangene Lektüre zu erinnern und zu versuchen Vergleiche meiner Eindrücke
von heute und damals zu ziehen. Ich werde keine Abhandlung
über Voltaires Text schreiben, dies haben andere gelehrtere schon oft viel
besser getan, nein ich will nur wieder daran erinnern, dass in den meisten
Bücheregalen älterer Menschen vergessene Schätze nur darauf warten entdeckt
oder wiederenddeckt zu werden. Nichts gegen die modernere Literatur, ganz im Gegenteil,
ich lese viel und sehr gerne Aktuelles, aber in die Vergangenheit abdriften
macht auch sehr viel Spass. Also kann ich nur raten, trotz Arthrose,
Sehproblemen oder Schwindel auf die Leiter zu steigen oder niederzuknien um auf Entdeckungsreise in der
eigenen Bibliothek zu gehen, denn es gibt sicher nicht nur bei mir, Bücher die
seit Jahrzehnten ungelesen jeden Umzug mitgemacht haben und nur danach lechzen
endlich gelesen zu werden und so dem Preis ihrer damaligen Anschaffung
gerecht zu werden.
Samstag, 10. Oktober 2015
Donnerstag, 8. Oktober 2015
Handy-Freie Wochen
Sie waren nun schon seit mehreren Monaten zusammen.
Waren sie auch ein Paar oder doch nur eine neue Beziehung mehr. Gustav war ins
Geheim eher für die zweite Variante, Leonie ganz sicher für die erste. Ja
Leonie hatte mit Gustav—so glaubte sie—das grosse Los gezogen. Gustav wiederum
fand so eine Sexy-Frau extrem reizend, ja, das zusammen ins-Bett gehen war
traumhaft, aber……da waren ja auch noch all die anderen Frauen die er regelmässig
traf und mit denen der Sex ja auch spannend war. Gustav liebte es so ein geheimes Harem zu haben.Aufgewachsen
war er in einem reinen Frauenhaushalt, die Mutter und vier ältere Schwestern
umsorgten ihn und liessen ihm alles aber auch alles durchgehen. Seinen Vater hatte er nie gekannt, denn die Mutter wurde,
als sie mit den Töchtern zusammen , einige Jahre nach der Unfall-Tod ihres
Mannes an die Ostsee in den Urlaub fuhr, eines nachts schwanger. Sie wusste
nicht einmal seinen Namen, nur dass er gross stark und blond war und sich Kai
nennen liess. In den nächsten Tagen am Strand und im Dorf sah sie ihn nicht
mehr wieder, sie sagte sich, s’war wunderschön aber aus den Augen aus dem Sinn!
So mitte Oktober wurde ihr klar, dass sie nicht einfach wegen der anstehenden
Menopause so verspätete Regel hatte sondern da war was, und das mit knapp
fünfzig Jahren, dazu noch von so einer einzigen –im wahrsten Sinne—Strandbegegnung.
Also wurde Gustav die lebende Puppe seiner Schwestern und der Stolz des ganzen Frauen-Hauses.
Und nun
war er im Flugzeug nach Male, ja er wollte mit Leonie zusammen das Tauchen
lernen, so richtig lernen. Schnuppertauchen hatten beide schon, jeder für sich
alleine, in früheren Urlauben in Ägypten
gemacht. Alle beide freuten sich auf diese drei Wochen Zusammensein. Sie
hatten, auf irgendeiner der vielen Inseln einen Wasserbungalow reserviert. Und
da fing das grosse Problem für Gustav an. Der Bungalow mit Terrasse war eine
Wucht, aber mit Intimität wars vorbei. Ein Raum, Klo und Bad mit Dusche waren o f f e n und nicht
abschliessbar. Leonie war sehr anhänglich, und wich nicht von Gustavs Seite,
weder beim Duschen noch als er aufs Klo musste—es gab ja nicht mal eine
Tür— Gustav hatte doch seinen anderen
Frauen versprochen E-Mails und Fotos zu schicken von dieser Reise mit seinem „Schulfreund“
mit dem zusammen er zum Tauchen lernen hierhergekommen war. Gustav litt und
hatte Angst, dass seine anderen Freundinnen sein Schweigen nicht verzeihen
würden und es war einfach nicht möglich zu schreiben, er war einfach nie
alleine. Leonie verliebte sich immer mehr und schmiedete Pläne für die
gemeinsame Zukunft, Gustav litt und wusste nicht was zu tun war: Leonie gefiel
ihm zwar sehr, aber er fand sich zu jung um sich endgültig zu binden wollte
aber natürlich den Urlaub mit so einer Sexy-Frau nicht verderben. Leonie hatte
nur Augen für Gustav, wurde aber von vielen Männern—ob allein oder in Begleitung—angehimmelt,
ja man kann schon sagen auch angemacht. Dies kam Gustav sehr gelegen, gab es
ihm doch die Möglichkeit, als ein leicht beschwipster Tischnachbar in der Bar
nach dem Abendessen ein wenig zudringlich wurde, einen Streit anzufangen. Das
Timing war ideal, es war nämlich der vorletzte Ferientag und Gustav brauchte
einen plausiblen Grund die Beziehung –die ihm zu einengend war zubeenden. Frühmorgens kamen sie in Frankfurt an, seit dem Streit
an dem Abend in der Bar hatten sie nur noch das Nötigte geredet, sie fuhren im
Taxi in Leonies Wohnung wo Gustav in wenigen Minuten seine Sachen gepackt und
ins Taxi gebracht hatte, so verschwand er aus ihrem Leben. Es war ganz einfach
gewesen, viel schwieriger, ja beinahe unmöglich
war es den anderen Freundinnen ein plausibles Märchen aufzutischen
dadurch verlor er mehrere gelegenheits-sex-Partnerinnen und musste feststellen dass die meisten Frauen
gar nicht so blöd sind wie er immer dachte!
Dienstag, 6. Oktober 2015
Sammelwut oder doch Kleptomanie??
In den Achtzigerjahren kam ich, nach meiner Scheidung
nach Lausanne, dort hatte ich—durch Beziehungen, anders war es kaum
möglich—eine schöne, grosse Wohnung in ruhiger Lage und nur zwei Minuten vom Bahnhof
entfernt gefunden. Glücklicherweise hatte ich, durch die Arbeit, einen recht
beachtlichen Freundeskreis in dieser Stadt. Ich musste mich neu orientieren, es
fiel mir sehr schwer wieder Vertrauen aufzubauen, nach dieser langen, durch
Gutgläubigkeit geprägten Zeit. Immerhin zwanzig Jahre hat meine Ehe gehalten
und nun war Schluss und ich musste mir eingestehen, dass mein blindes Vertrauen
eigentlich blinde Dummheit gewesen war; so etwas soll mir nie mehr passieren,
dachte und sagte ich immer wieder. Durch einen meiner, mir befreundeten,
Kunden, wurde ich sehr schnell in einen Freundeskreis von mehr oder weniger
Gleichaltrigen aufgenommen. Die ersten zwei bis drei gemeinsamen Essen waren so
etwas wie ein Test, wie ich später erfuhr. Kurz darauf wurde ich gefragt, ob
ich nicht in ihren „Poulet-Klub der acht“ eintreten wolle. Der Klub bestand aus
acht nicht verheirateten Personen, jedoch ein Mitglied hatte sich vor nicht
allzu langer Zeit verehelicht; nun war ein Platz freigeworden den man mir
anbot. Die Klubregeln waren ganz simpel: Ehelosigkeit, alle vier bis sechs
Wochen lud ein Mitglied alle anderen zu einem Essen ein in dem immer Poulet
“also Hühnchen“ auf dem Tisch sein musste. Die Teilnahme war obligat und das
war’s schon. Ich wurde Mitglied und richtete, auf meiner Terrasse, mein erstes
Essen aus. Es gab Hühnchen-Variationen, da wir acht Mitglieder waren gab es
acht verschieden zubereitetes Hühnchen—noblesse oblige—oder wie heisst es
sonst???
Ich brauchte
eine Putzfrau, nicht wegen dieses Essens, nein einfach um meine schöne Wohnung
in Schuss zu halten, also fragte ich meine Klub-Freunde. Alle hatten dieselbe
Putzfrau, die aus dem Balkan stammte. Und alle waren begeistert von ihren
Qualitäten. Leider hatte diese sehr nette Dame keine Zeit um sich auch um mich,
beziehungsweise meine Wohnung und Wäsche, zu kümmern. Ich fand eine Portugiesin,
eine schon etwas ältere Frau, die mich bemutterte. So gepflegt war meine Wohnung,
als ich noch verheiratet war, nie gewesen, nur konnte ich ihr nicht, wie sonst
üblich ,da ich ja meist auf Arbeit war wenn sie zum Putzen kam, eine Notiz mit
meinen Wünschen dalassen, denn lesen konnte sie nicht! Eines Abends bei einem
unsere Klubessen war grosse Aufregung, die Polizei war zu den sieben anderen
Klubmitgliedern gekommen um zu fragen, ob sie nichts vermissten. Nun überlegten
sich, vor allem die weiblichen Klubmitglieder, dass doch manchmal ein
Wäschestück nicht mehr zum Vorschein gekommen war, aber so was passiert ja
immer mal wieder. Der nette Beamte der Stadtpolizei erklärte, dass die so
effiziente und nette balkanesische Putzkraft angeklagt worden war, in allen
Haushalten wo sie putzte zu stehlen. Ja sie war bei einem älteren Herrn zu weit
gegangen und dabei in eine gestellte Falle getappt. Und das war so geschehen.
Dieser Herr, ein ehemaliger Gastwirt der nun verwitwet war, kontrollierte
seinen Alkoholkonsum und hatte bemerkt, dass in verschiedenen Flaschen das
Niveau ohne sein Zutun regelmässig sank. Er war sich bald sicher, dass es nur
die „ach so liebe“ Putzfrau sein konnte. Er klagte an und mit Hilfe der Polizei
stellte er die Falle, in die die Putzfrau blind hineintappte. Als sie nach
getaner Arbeit die Wohnung verliess, standen zwei Polizisten mit dem Wirt
zusammen vor der Tür und wollten die grosse Handtasche, beziehungsweise deren
Inhalt sehen. Es war ein Volltreffer .Dutzendweise Flaschen und Dosen waren in
der Tasche, säuberlich angeschrieben mit: Reis, Zucker, Mehl, Essig, Olivenöl,
Cognac usw. auch einige Geschirrtücher waren dabei. Diese ach so gute Putze war in Lebensmittelläden
fast unbekannt, ernährte sie doch ihre achtköpfige Familie ausschliesslich mit
dem Mitgebrachten aus vielen Haushalten und mit selbstgeerntetem Obst und
Gemüse, ja selbstgeerntet in den vielen Schrebergärten am Stadtrand. BH’s, Höschen,
Strümpfe, Blusen und auch Pullis wollten die verschiedenen Frauen nicht zurückhaben
wer trägt schon gerne Sachen, die die Putzfrau ausgeweitet hat?
Montag, 5. Oktober 2015
Wer sich selbst entsorgt hat ausgesorgt.
War es in den späten Siebzigern oder doch erst in den
frühen Achtzigern, ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Auf jeden Fall war
es an einem Donnerstag gegen Mittag, denn dieser Arzt empfing
Aussendienst-Mitarbeiter, seit er vor einigen Jahren diese Praxis übernommen
hatte, immer donnerstags. Ich kannte ihn seit langem, war er doch vor über zehn
Jahren in ein Spital im Jura als Assistenzarzt gekommen. Ja er war, wie so
viele seiner Kollegen, aus dem von Franco diktatorisch geknechtetem Spanien, nach
seinem Studium zur Weiterbildung in die Schweiz gekommen. In den Spitälern war
damals der Ärztemangel sehr gross, die Schweizer Assistenten blieben in den
grossen Kliniken und die kleineren Spitäler rekrutierten ihre Assistenzärzte wo
immer sie konnten. Die Iberische-Halbinsel war ein fast unerschöpfliches
Reservoir für lernbegierige junge Mediziner. Im Laufe der Jahre habe ich
dutzende von spanischen und portugiesischen Ärzten kennengelernt, nur wenige
wollten nach der Ausbildung in ihr Heimatland zurück; viele von ihnen bekamen,
nachdem sie ein abgekürztes Schweizer
Staatsexamen bestanden hatten, eine Praxisbewilligung, allerdings meist nur als
„Allgemeinpraktiker“ die Fachärzte schützten ihre Pfründe sehr effizient. Und so kam dieser Arzt –nennen wir ihn Pablo—in
diese verwaiste Praxis irgendwo auf dem Land in der Westschweiz. Ich hatte mich
immer sehr gut mit diesem, ein wenig wortkargen schüchternen, spanischen Arzt
verstanden. Auch waren unsere Gespräche, trotz seiner Schüchternheit oft von touristischen,
Spanien betreffenden, Tipps geprägt. An diesem Donnerstag nahm er sich sogar
die Zeit, mir bei einem Reiseplan in seine Heimatprovinz zu helfen, ja er gab
mir einige gute Adressen von Hotels und
Restaurants bekannt. Auch bat er mich, da und dort Grüsse zu bestellen und ihn
nach meiner Rückkehr doch bald zu besuchen um mit ihm meine Reiseeindrücke zu
diskutieren. Dann bat er mich noch um Medikamente-Muster, die ich ihm zu senden
versprach. Als ich nach drei Wochen aus dem Urlaub zurück kam und mich bei meiner
Chefin telefonisch zurückmeldete, fragte sie mich, mit einem sarkastischen
Unterton in der Stimme, ob ich oft „TOTE“ Kunden besuche? Ich verstand nicht
worauf sie anspielte, bis sie mir sagte, dass Doktor Pablo verstorben sei und
die angebliche gewünschten Muster von der Post als „nicht zustellbar,
verstorben“ retourniert worden waren. Ich bin in circa drei bis vier Stunden
bei ihnen im Büro, sagte ich bevor ich das Gespräch abrupt beendete. Ich fuhr
nach Basel zur Chefin. Glücklicherweise hatte mir Pablo einen ganzen Ordner von
Dokumenten geliehen, die, in Zusammenhang mit meinen Reisenotizen belegten,
dass ich wirklich an jenem, nun schon vier Wochen zurückliegenden Donnerstag
bei Pablo in der Praxis gewesen sein musste. Dort in Basel im Büro erfuhr ich
auch, dass Doktor Pablo sich, kurz nach meinem Besuch, im Keller seines
Hauses—in dem auch die Praxis war—ohne Abschiedsbrief, erhängt hatte. Hätte ich
nichts belegen können, wäre der Zweifel –im Kopf meiner Chefin—an meiner Arbeit
wohl immer dagewesen. Daraus habe ich auch hautnah erfahren wie unergründlich
die Seele der Menschen sein kann!
Freitag, 2. Oktober 2015
Wie schön so einen Urlaub sein könnte !
Manuel war nach Mittelamerika unterwegs. Hier wollte er
mehrere Monate Urlaub verbringen. Er war Standbauer, das hat nichts mit
Landwirtschaft zu tun, nein er baute Stände für Messen und Kongresse. Diesen
Job hatte er gewählt, weil er als gelernter Schreiner dazu befähigt war und vor
allem weil durch die unregelmässige Arbeits und Überzeit recht viel Urlaub
zusammenkam. Ja ab Oktober bis Ende Februar waren kaum Messen und noch weniger
Kongresse aufzubauen. In den sieben bis acht Monaten der Saison arbeitete er ja
oft bis zu fünfzehn Stunden am Tag bis alles klappte an so einem Stand. In
dieser Zeit brauchte er auch kaum Geld, denn durch die Reisetätigkeit lebte er
fast ausschliesslich auf Spesen und sein Lohn blieb auf seinem Bankkonto. Also
waren die Ferien gut, leicht und wohl verdient. Diesmal wollte er sich vor allem
seinem –zwar gefährlichen da illegalen—Hobby widmen. Ja er hatte schon vor
Jahren in Mexico und Guatemala illegale Schürferbanden kennengelernt. Und nun
wollten sie in der Gegend von Tikal und im nahen Belize auf Schatzsuche gehen.
Das Hauptrisiko war nicht das Graben, wurde man erwischt regelte eine
grosszügige „Propina“ auch Bakschisch, Trinkgeld, Bestechung usw. genannt, die
Affäre problemlos. Kritisch wurde es bei der Ausreise denn die Herren, und
manchmal wohl auch Damen, vom Kulturministerium, mussten ab und zu Erfolge
vorzeigen—meist waren sie ja selbst im illegalen Handel tätig, aber eben
manchmal brauchten sie einen Sündenbock; wen erstaunt es da, dass ein Gringo
als Bauernopfer ideal schien. Erwischte man so einen Naivling konnte man vor
den internationalen Medien glänzen und sich selbst eine weisse Weste verpassen.
Diesmal fanden die Schürfer sehr viele kleine Artefakte, Jadeschmuck, Obsidian
Figuren und Prunkmesser, geritzte und geschnitzte Knochen und Zähne, die in
Europa leicht an Sammler und Händler verkauft werden könnten. Manuel kannte
seine Companeros schon seit Jahren und vertraute ihnen blindlings, dass dies zu
seinem eigenen Schaden war merkte er erst, als er am Flughafen von Guatemala
City von äusserst zielstrebigen Beamten—die auf ihren Tablets und Smartphones
Bilder von ihm, beim Graben hatten—aus der Masse der Touristen rausgeholt und in aller Regel der Kunst gefilzt wurde. Er hatte viel, sehr viel
mitgenommen. Nun sass er schon seit einigen Jahren im Knast, im
Guatemaltekischen Knast wo ohne „Propina“ nichts aber auch gar nichts möglich
war und das Geld hatte man ihm abgenommen, Besuch war verboten, dies war ihm
egal, wer, ja wer, hätte ihn den besuchen sollen. Und so wartete er auf seinen
Prozess. Mit dem Botschafter seines Heimatlandes hatte er nur einmal am Anfang Kontakt
gehabt, der schien aber auf der Seite der Polizei zu stehen, hatte er doch eine
sehr grosse Sammlung von Kulturgütern ohne irgendwelche Probleme, vor einigen Jahren aus Guatemala, in seine Heimat hatte bringen können.
etzerei angesagt.Kam man dann endlich mit
vollen Einkaufstaschen nach HAuse,fiel man erst einmal übereinander her vor man
das Eingekaufte in
„DIES IST ABER SICHERLICH ÜBLE NACHREDE, DIPLOMATEN KÖNNEN JA NICHT KORRUPT SEIN! oder?
Mittwoch, 30. September 2015
Marina, oder ein verkorktes Leben
Marina war eine strebsame Schülerin gewesen und dann
war sie auch im Lehrerseminar—das sie aus Familientradition besuchte— die
Klassenbeste. Trotz ihrer herausragenden Leistungen fand sie immer wieder Zeit
um Dozenten und Kommilitonen –nicht nur rein bildlich gesprochen—zur Brust zu
nehmen. Ja Marina war sehr an den Männern interessiert. Man sagte ihr schon in
der Schulzeit unzählige Liebeleien nach, vielen ihrer Mitschüler war sie
wissende Instruktorin auf dem Weg der sexuellen Entdeckungen gewesen. In der
Zeit des Studiums hatte sie einen geradezu
enormen Verschleiss an Sexualpartnern. Sie war nicht etwa untreu, denn nie
hatte sie behauptet sich mehr als einige möglichst wilde sexuelle Begegnungen nehmen
zu wollen. Viele ihrer Kurzzeitpartner verliebten sich aber in diese sehr gut
aussehende junge Frau, deren ganz leichter „Silberblick“ also ihr leichter
Strabismus ihr einen ganz besonderen Reiz gab. Sie wollte aber nichts Festes,
dazu fühlte sie sich viel zu jung und verzichten auf all die anderen wäre ihr ein Gräuel gewesen. Mit Bestnote
absolvierte sie ihr Examen. Sie fand auch sofort eine Stelle in der begehrtesten Schule der Hauptstadt.
Das war für Marina ideal, stammte sie
doch aus einem Dorf wo die Auswahl junger, oder auch nicht so junger, Männer
naturgemäss sehr beschränkt war. Sie war in dieser Schule mit Abstand die
jüngste und hübscheste, also begehrenswerteste, Kollegin. Schon nach wenigen
Monaten hatte sie Affären mit den meisten männlichen Kollegen, sodass deren
Gattinnen sich erbost telefonisch oder auch persönlich bei ihr beschwerten; lassen sie meinen Mann
in Ruhe sie : wahlweise Hure, Nutte, Schlampe, Kreatur, Schnepfe……….. Marina
antwortete immer ruhig lächeln, sorgen sie dafür, dass ihr Mann nicht anderswo
sein Glück suchen muss, ich—das schwöre ich ihnen—zwinge keinen und nehme nur
die, die wirklich wollen. Einige Jahre später war Marina mit einem sehr
sanften Gymnasiallehrer verheiratet, dies hinderte sie aber nicht ihren, an Obsession
grenzenden, Männerverschleiss
fortzuführen. Sie kauften zusammen ein Haus, Marina wohnte aber nur selten und
dann lediglich für einige Tage mit ihrem Gatten zusammen, sie brauchte und hatte eine eigene Wohnung. War ihr Ehemann, so
wie er allen Aussenstehenden erschien, homosexuell oder ist dies nur üble
Nachrede gewesen? Marina machte immer mehr Politik, Erziehungspolitik.
Irgendwann verliess sie das Lehramt und wechselte in die Leitung
„Bildungswesen“. Dadurch hatte sie ein ganz neues Jagdrevier, ja viel
interessantere Begegnungen die sie auch
schon mal zeitlich ausdehnte, oft wurde sie nun monatelang mit nur einem
Partner gesehen. Viele Jahre gingen ins Land, Marina blieb verheiratet, Kinder
hatte sie keine und mit ihrem Mann zusammen war sie nur sporadisch, zu Urlauben
und Kulturreisen in die grossen Opernhäuser der Welt. Sie hatte immer noch ein
sehr jugendlich wirkendes Gesicht, aber ihr Körper war enorm geworden. Nun sah
man sie oft abends an der einen oder anderen Hotelbar der Hauptstadt, wie sie
nach neuen Bekanntschaften Ausschau hielt und ganz gemächlich mehrere Gläser Cognac
schlürfte. Kam man nach dem Kino oder
Theater noch mal kurz an die Bar um ein letztes Glas zu trinken, sass
sie meist noch da, allerdings leicht besäuselt und leider immer noch ohne
Begleitung. Ach wie ist doch das Altern
manchmal grausam!!!
Samstag, 26. September 2015
Intimität, was ist das?
Er kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als man mit
der geliebten Person am Freitag nach der erledigten Arbeit gemeinsam zum
Einkaufen ging, man musste sich allerdings beeilen, denn die Geschäfte
schlossen um halb sieben. Also war automatisch Hetzerei angesagt. Wenn man dann
mit schweren Einkaufstaschen nach Hause kam, fiel man erst mal gierig
übereinander her, hatte man doch die ganze Woche gedarbt und sich auf den
anderen gefreut, zusammenziehen tat man damals erst nach der Trauung. Erst später wurde das Eigekaufte in Ruhe in
der Küche ausgepackt und verstaut. Apéro und gemeinsames Kochen waren üblich,
dann kam meist ein erholsamer Fernsehabend, zum Ausgehen war ja der Samstag da.
Einige Jahre später, er war inzwischen verheiratet, Kinder waren gekommen und
die gemeinsamen Kuschelstunden fanden immer später statt, erst nach dem Essen
und dem –ins Bett bringen—Ritual der Kinder. Alltagssorgen mischten sich in die
Intimität, es war einfach anders als früher, weder schlechter noch besser, aber
eben anders. Dann kam die Katastrophe, seine Frau hatte sich neuorientiert und
er hatte keinen Platz mehr in ihrem Daseins-Planing. Es fiel ihm sehr schwer,
sich auch neu zu orientieren war ihm zuwider, er blieb alleine und stürzte sich
–statt in eine neue Liebschaft—in die Arbeit, bis ja bis der Körper über den
Geist siegte. Depression und Herzrhythmusstörungen brachten ihn in eine—da er
viel Geld hatte—Luxusklinik. Er wurde, wie er im Nachhinein lachend sagte,
renoviert. Die Hauptverantwortliche der Erneuerung war eine junge
Physiotherapeutin, sie wurde zu seiner Obsession, ja er lebte nur noch für die
zwei Stunden, die Kathrin täglich mit ihm verbrachte. Als er dann, als geheilt,
die Klinik verliess, war er ihr schon unsterblich verfallen.
Bei ihrem ersten gemeinsamen Essen in einem sehr
schönen und guten Restaurant, merkte er –eher unbewusst—dass etwas anders war
als zuvor. Was es war wurde ihm in der bald darauf folgenden ersten Liebesnacht
bewusst. Sie waren zu dritt im Bett, Kathrin er und das Smartphone. Ja damals
in der Klinik war es dem Personal verboten gewesen, ihr Mobiltelefon mit zur
Arbeit zu nehmen, aber dann im Restaurant und im Bett war der Blick immer halb
aufs Handy gerichtet. Da er keine Dreierbeziehung wollte lebte er nun wieder
alleine in seinem grossen Haus, schuld war Martin Cooper, wäre der angeln
gegangen statt das diabolische Mobiltelefon zu erfinden wäre er mit Kathrin
sicher glücklich geworden.
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