Dienstag, 23. August 2016

Riesenspass!!

Ich bin dabei ein Buch zu lesen, das ein 83 ¼  Jahre alter Holländer –zu meiner grossen Freude—geschrieben hat. Es ist ein Tagebuch seines Lebens im Heim für betreutes Überleben (eigentlich Wohnen). Der Stil ist erfrischend direkt, die Vorkommnisse im Heim oft makaber-lustig. Es erinnert mich sehr an die Amerikanische Literatur von Charles Bukowski, Richard Brautigan und John Fante, die ich in den frühen Siebzigern verschlang.



 .




 



Hier der Titel und die  ISBN Zahl: ISBN 978-3-492-05808-7   Eierlikörtage Das geheime Tagebuch des HENDRIK GROEN   im Piper-Verlag.
Jetzt gehe ich aber zurück um die zweite Hälfte zu lesen.
PS: der Originaltitel: Pogingen iets van het leven te maken .Het geheime dagboek van Hendrik Groen 831/4 jaar bei J,M,Meulenhoff bv Amsterdam.

Montag, 22. August 2016

Mehr, immer mehr so die Devise !

Jeder der Geschäfte macht muss jährlich mehr—was auch immer sein Geschäft ist—machen! Ob es nun mehr Kunden beim Frisör, Klienten beim Anwalt, Pferde beim Schmied, Trinker an der Bar, Spieler im Casino, Patienten beim Arzt, Absätze beim Schuster oder was auch immer sind , mehr muss sein. Wenn in einem Ort auch nur Tausend Menschen leben, rechnen alle Anbieter jedwelcher Dienstleistungen mit mindestens Tausend und einem Kunden!
Ich habe in einer Firma gearbeitet  in welcher wir Medikamente feilhielten.  Eins dieser Mittel diente der Behandlung einer sehr limitiert auftretenden Krankheit. Es waren also im ganzen Land nur eine bestimmte Anzahl Patienten mit diesem Medikament zu behandeln.
 Dennoch verlangte—der allgemein üblichen Geschäftspraxis gemäss—der Hersteller,  unser Zulieferer, jedes Jahr m e h r  Umsatz.
Anfangs erhöhten wir die Dosisempfehlungen ,dann suchten wir verzweifelt nach neuen Indikationen ,aber alles war nutzlos ,zum Heil der Patienten machten die wenigen betroffenen Ärzte dieser limitierten Zahl von Patienten nicht mit. Wir, d.h. unser Chef versuchte dem Zulieferer klar zu machen, dass es einfach nicht möglich sei jedes Jahr mehr zu verkaufen. Der Exportverantwortliche der Herstellfirma verstand sehr gut, dass bei diesem Medikament die Marketing-Logik nicht zur Anwendung gebracht werden könne; trotzdem wurde  jedes Jahr zehn Prozent m e h r budgetiert. Dies beweist aufs Beste die Unlogik der Business-Logik

„Immer Bergauf mit den Verkaufszahlenkurven“ sonst suchen wir einen neuen Geschäftspartner als Distributor!! war die implizite Warnung.

Donnerstag, 18. August 2016

Opa

Gustav war so was wie ein Bilderbuch Opa. Alle acht Enkel, sie waren zwischen drei und neun Jahre alt, liebten ihn. Gustav war ein alter Opa, er hatte spät geheiratet. Die Oma war viel jünger und sie bestimmte alles im Haus. An diesem heissen Sommertag waren alle Enkel nach dem Mittagsessen  angehalten worden—natürlich von der Oma—einen Mittagsschlaf zu machen. Für die kleinen war das schon in Ordnung aber die grösseren meckerten, sie wollten lieber am Pool spielen. Nur der Opa beneidete die Kinder um ihre Mittagsruhe, denn wenn die Enkel da waren musste er nach den Mahlzeiten der Oma beim Abwasch und Aufräumen zur Hand gehen. Als dann alles in Ordnung gebracht war, schickte ihn die Oma, statt ins Bett zur Siesta, zum nur wenige hundert Meter entfernten Kiosk um die Kleinen nach der Siesta mit Eis zu überraschen.
Eigentlich ging Gustav sehr gerne zum Kiosk, denn er flirtete immer –natürlich ganz harmlos—mit der Kioskdame. Zu einem  Schwätzchen war die Endvierzigerin immer zu haben. Gustav verkürzte den Schwatz und kaufte eine grosse Tasche voll verschiedener Eissorten, denn er wollte eine grosse Auswahl weil er die Präferenzen der Enkel immer durcheinander brachte. Wohlbepackt ging Gustav, so schnell ihn die alten doch schon recht zittrigen Beine trugen, in Richtung seines Hauses. Doch dann sah er, dass ein Schnürsenkel offen war, er hatte berechtigte Angst darüber zu stolpern. Gustav setzte sich auf die nahegelegene Parkbank und längere Zeit später fanden ihn die grösseren der Enkel tief schlafend  auf der Bank und neben ihm  eine aufgeweichte auslaufende Tragtasche wo noch vor kurzer Zeit das so begehrte Eis, nur noch eine klebrige Sosse war.



Dienstag, 16. August 2016

Wundersamer Wandel

Wie aus einer Schlampe und einem Hurenbock eine keusche zarte Braut und ein zu vergötternder Schwiegersohn werden.
Ganz einfach!

Reiner und Esther kommen zu Esthers Eltern um denen zu beichten, dass Esther trotz, wohl falsch verwendeter, Vorsichtsmassnahmen nun schon seit mehreren Wochen auf die sonst so verhasste doch nun sehnlichst erwartete Regelblutung wartet. Reiner wird als Wüstling, Verführer und liederlicher verantwortungsloser Hurenbock beschimpft, die listreich verführte Tochter Esther als unschuldiges Opfer  bemitleidet. Wiedergutmachen soll er es, geheiratet muss nun unverzüglich werden um die grosse Schande zu verbergen!

Bei Reiners Eltern führt die selbe Beichte zu einer ganz anderen Reaktion, Esther ist eine fiese Schlampe die ihren vergötterten Sohn Reiner hinterlistig reingelegt hat denn sie hat sicherlich mit Absicht die Verhütungsmittel nicht richtig eingesetzt um sich in eine so „gute“ Familie einzuschleichen . Aber so geht das nicht, das Kind der Sünde muss weggemacht werden und Esther soll sofort aus dem Leben des Reiners—dem eine viel bessere Frau bestimmt ist—verduften.

Einige Wochen später, nach der Trauung in Weiss, mit viel Pomp und noch mehr Gästen sieht man das neuvermählte Brautpaar mit den Eltern zusammen in die Fotokamera lächeln. Aus dem Schwerenöter und der Rumtreiberin ist in nur wenigen Minuten—dank des Segens der alles seligmachenden einzigen römisch-Katholischen Mutter-Kirche—eine keusche Ehefrau und ein Traum-Schwiegersohn geworden und—nach der zu erwartenden Frühgeburt des ersten süssen Liebes-Kindes—wird der nächste „erfolgreiche“ wilde Beischlaf  nun sicherlich nicht mehr als verwerflich sondern als segenvoll beklatscht werden.


Freitag, 12. August 2016

Bauchgefühl

Anita und Friedemann waren sich, trotzdem sie beide schon seit Jahren in dieser Grossbank arbeiteten, nie zuvor begegnet. Es war an der grossen Feier zum hundertfünfundzwanzigsten Jubiläum dass sie, ganz zufällig bei einer Polonaise,  an der sich nicht zu beteiligen leider unmöglich war, sich gegenüber standen und demzufolge auch miteinander tanzen mussten. Beide waren, so stellten sie etwas später—als sie zusammen in der dunkelsten Ecke der grossen Terrasse standen—wie vom Blitz getroffen worden. Es herrschte aber kein Gewitter an diesem schönen Sommerabend, also musste es etwas anderes sein. Es war Amors Pfeil der mal wieder getroffen hatte. Anita und Friedemann gaben sich alle Mühe, die Schmetterlinge die in ihren Bäuchen wild herumflatterten zu zähmen. Erfolg hatten sie dabei keinen und so kam es, dass sie im Park im Dickicht übereinander herfielen. Zurück im Festsaal wurden sie wieder getrennt und kamen erst einige Tage späte dazu richtig Bekanntschaft zu schliessen.
Beide waren verheiratet mit Haus Kindern, Hund und Partner! Aber eben, die Schmetterlinge liessen sich nicht verscheuchen. Friedemann schlug vor, sich doch ab und zu  einer Schmetterlingsjagt zu treffen. Diese Treffen—obwohl schwierig zu bewerkstelligen—wurden zur, zwar raren aber, sehnlichst erwarteten Gewohnheit.  Später trafen sie sich meist zu einem Nachtessen bevor Jagd auf die wenigen überlebenden Schmetterlinge gemacht wurde. Und an dem Abend, als sie feststellen mussten, dass sie keine Schmetterlinge sondern nur noch einige Dutzend Austen im—inzwischen bei beiden recht vorgewölbten Bauch— hatten, beendeten sie ohne Trauer ihre Jagdabende.


Mittwoch, 10. August 2016

Rache auf dem Lido di Venezia oder späte Einsicht.

Enzo, Mario Giuseppe und Tiziano waren zusammen zur Polizeischule gegangen. Alle vier stammten aus Venedig. Mario war an der Via Garibaldi aufgewachsen, Enzo und Giuseppe in Pellestrina, nur Tiziano kam vom Festland, ja er  stammte aus  Mestre. Nach der Ausbildung fingen alle vier zur selben Zeit als uniformierte Poliziottos ihren Dienst in Venedig an. Dank der schneidigen Uniform und ihrem süffisant-überheblichen Gebaren hatte sich bald jeder unserer vier Helden eine Freundin geangelt. Jahre später, alle vier waren inzwischen verheiratet und hatten je ein Kind, hatten  sie  es geschafft sich auf den Lido versetzen zu lassen. Mario war sogar zum Chefchen aufgestiegen, war es einfach Zufall oder vielleicht doch eher sein (arsch)kriecherisches Verhalten den Vorgesetzten gegenüber? Nun herrschten sie auf dem Lido und bestimmten alles. Wurden Diebstähle am Strand gemeldet, kam es immer darauf an wer solche Diebstähle meldete. War es ein Familienvater oder eine in die Kilos geratene Matrone, wurde die Anzeige zwar pflichtgemäss aufgenommen, dann aber dem Einstauben im Regal der Polizeistation überlassen. Beklagte sich eine nette hübsche junge Frau so tat man so als suche man nach  dem Stranddieb. Natürlich kannten die vier Ordnungshüter alle zwielichtigen Gestalten am Strand, denn diese zahlten ja auch dafür, dass sie nie—oder nur in Ausnahmefällen—erwischt wurden. Wenn also solch eine junge Frau etwas vermisste, wurde es von der immer hilfsbereiten Polizei „gefunden“ und am folgenden Tag oder gar am selben Abend der bestohlenen Schönheit ins Hotel gebracht. Manche dieser jungen Damen zeigte sich den Polizisten gegenüber äusserst dankbar…..
Übrigens gingen die Polizisten jeden Abend schwimmen—sie mussten doch ihren durchtrainierten Körper auch zur Schau stellen—. Ihnen wurde weder  Geld-Börse noch Telefonino geklaut, die danebenliegende Uniform schreckte selbst Amateurdiebe effizient ab.
Jahre später wurden die vier Freunde vom Lido-Dienst abgezogen, jüngere Kollegen übernahmen den Stranddienst. Wohnen taten sie aber weiterhin  alle vier in derselben Sozialwohnungs—Überbauung am südlichen Ende des Lidos. Nun gingen sie oft gemeinsam abends nach Dienstschluss zusammen zum Strand. Sie hatten alle vier zum nicht-uniformierten Polizeidienst gewechselt und träumten von einem prestigeträchtigen Job als „Commissario“ a la Brunetti. Es gab inzwischen viele neue Stranddiebe jeglicher „Couleur“ die natürlich keine Ahnung hatten wer diese  vier Männer waren die so stolz am Strand ihre Muskeln zeigten und die sich von den  Strandnixen bestaunen liessen. Nun lernten unsere Helden den Alltag der Touristen—mit entwendetem  Telefonino, Portemonnaie und manchmal gar allen Kleidern—ganz persönlich kennen. Sie, die solch Anzeigen nur in Ausnahmefällen ernst genommen und dann auch verfolgt hatten waren—da selbst betroffen—empört!  Das kann nicht so weiter gehen, wir lassen uns doch nicht von Zigeunern, Balkanesen Maghrebinern und Schwarzafrikanern bestehlen sagten sie sich als sie auf der Terrasse der Sferetta ihren Aperol-Spritz schlürften. Der Plan war schnell gemacht, die Ausführung dauerte etwas länger, aber schon nach wenigen Tagen hatten sie die Genugtuung, zuzusehen wie ferngezündete Badetaschen und Telefoninos in den Händen der davoneilenden Stranddiebe explodierten.




Dienstag, 9. August 2016

Sehr sehr frei nach Rainer Maria Rilkes Herbsttag

Herrgott es reicht. Die Sommerhitze  war zu gross.
Leg etwas Schatten auf die Sonne nun
Lass Kühle Lüfte auf die Hitze los.

Befiel dem Thermometer nun zu fallen;
nichts Südliches soll hier die Tage wärmen,
weil Wochenlang  an sonst die Mücken schwärmen
zu süsse Weine schmecken ja nicht allen.

Wer jetzt ein Haus hat kühlt die warmen Räume.
Wer jetzt allein ist kann nach Thule reisen,
im Nordlicht allen Freunden Briefe schreiben.
Mit Robben Eisbärn Elchen ohne Bäume
unruhig nordwärts auf den Schollen treiben.