Jahrelang hatte Sabine dafür gekämpft und viele Opfer
gebracht um eines schönen Tages diesen Triumpf auszukosten zu können. Welch Genuss
nun in dem wohlverdienten Urlaub in ihrem Haus auf Mallorca ihren Rachefeldzug
zu planen. Ja sie war vor kurzem zur Direktorin des Universitätsspitals ernannt
worden und genoss die paar Wochen Urlaub in vollen Zügen. Das Haus hatte sie
von ihrem verstorbenen Mann geerbt zusammen mit der Villa in der Heimat und dem
gut gehenden Geschäft mit Franchising-Verträgen. Ja Hugo ,ihr nun, leider?
verstorbene Mann hatte eine geniale Idee gehabt und sein Geschäftsmodell so
eingerichtet, dass er auf lange Jahre hinaus Geld kassierte ohne noch etwas
anders tun zu müssen als zu
Kontrollieren ob das Geld auch den vertraglich ausgehandelte
Umsatzprozenten entsprach. Eigentlich müsste Sabine nicht mehr arbeiten, aber
wenn sie so kurz vor dem erreichten Ziel aufgegeben hätte wäre sie irgendwie
frustriert gewesen. Nein sie wollte noch ihren Lebensplan –sich an allen, die
ihr im Laufe der Jahre in die Quere gekommen waren, gebührend zu rächen—realisieren,
auf diesen Triumpf wollte und durfte sie nicht verzichten bevor sie ihr
Vermögen ungehemmt geniessen konnte. Ins reine Genussleben, mit dem ererbten
Vermögen würde sie dann nach genossener Rache eintauchen. Sabines
Berufslaufbahn hatte damit angefangen, dass sie trotz vieler Nachhilfestunden
das Abitur –wohl wegen panikartiger Examensangst— nicht geschafft hatte. Sie
fing eine Ausbildung als, damals noch Krankenschwester benannte, Pflegefachfrau
an. Sabine wurde eine sehr gute Pflegerin, die Prüfungen –da zum grössten Teil
praktischer Art—schaffte sie ohne Probleme, die panische Examensangst war
vorbei. Nun beschloss sie ihr Abitur nachzuholen, sie schaffe es spielend.
Eigentlich wollte sie dann Medizin studieren, aber als ihr Vater plötzlich
verstarb, wurde sehr bald klar, dass die ganze Familie, sie hatte fünf
Geschwister alle jünger als sie, vor dem Nichts stand. Das Geschäft des Vaters
stand kurz vor dem Aus, es war total überschuldet und die Mutter welche immer
nur Hausfrau gewesen war, erwies sich als absolut überfordert. In dieser
Situation war an ein Studium nicht zu denken, nein sie musste Geld verdienen um,
als die Älteste, der Mutter zu helfen. Sie machte eine Ausbildung als
Operationsschwester und Instrumentalistin. Nach Jahren weiterer Kurse, Fort und
Ausbildungen war sie Chefin aller Operationssäle dieser grossen
Universitätsklinik. Welche Genugtuung wäre das für die meisten Menschen
gewesen, Sabine strebte aber nach viel mehr Macht. Inzwischen hatte sie, schon
vor Jahren, einen wesentlich älteren Geschäftsmann geheiratet. Kinder waren
keine gekommen, auch hatte ihr Ehemann in seiner vorherigen Ehe keine Kinder
gehabt. Ja er, Hugo, war verwitwet, seine Frau war auf dem Operationstisch
verstorben. Es war sehr dramatisch gewesen, denn sie war ja nur zu einem
kleinen Routineeingriff in die Uni-Klinik gekommen. Leider gehörte sie zu den
sehr seltenen Fällen die an der Anästhesie starben, schuld war wirklich keiner
ausser der „Fatalität“. Sabine hatte sich rührend um diesen völlig hilflosen
Mann gekümmert, sprach ihm Trost zu und brachte ihn mit dem Anästhesisten und dem
Chirurgen zu einem erklärenden Gespräch zusammen. Knapp ein Jahr später bat
Hugo sie seine Frau zu werden, was Sabine gerne annahm, denn dadurch stieg sie
in eine viel höhere Gesellschaftsschicht auf. Sabines Racheplan war
aufgegangen, sie war nun schon bald die Vorgesetzte all jener die ihr
irgendwann im Laufe der Jahre übel mitgespielt oder einfach in die Quere
gekommen waren; und davon gab es recht viele, seien es Ärzte oder auch
Pflegende. Sabine schwelgte in ihren Racheplänen, sie freute sich wahnsinnig
ihre neue Position als Direktorin einzunehmen und mit dem Katz und Mausspiel zu
beginnen. Abgesehen von wenigen Ausnahmen würde sie aktiv keinen entlassen,
aber die Angst im Gesicht derer die sie irgendwann geärgert hatten wollte sie
doch in vollen Zügen geniessen. Sie stellte sich vor, wie sie solche Opfer ins
Büro bitten würde um dann eigentlich nur belangloses zu bereden und sich an dem
Anblick des gestressten Opfers zu erfreuen.
All
dies musste nun als Traum beerdigt werden, dachte Sabine im Bruchteil einer Sekunde,
als das Flugzeug im Sturzflug gegen die schneebedeckten Berge raste.
Montag, 31. August 2015
Freitag, 28. August 2015
Fiese Machenschaft
Zusammengekommen sind sie, Walther und Ursula, als beide
schon mehrere Beziehungen hinter sich hatten. Kennengelernt hatten sie sich,
wie heute üblich im Internet. Walther war schon dabei seine dritte Ehe durch
einen bösartigen Prozess zu beenden; schuld war, wie bei den zwei
vorausgegangenen Scheidungen natürlich seine Frau. Walther hatte aber auch immer
Pech mit seinen Ehefrauen, alle waren psychisch angeknackt, konnten dies aber
in der anfänglichen Werbephase sehr geschickt vertuschen. Bösartig war
natürlich seine Frau, die alles von ihm wollte, ja –so sagte Walther immer
wieder—sie war arm wie eine Kirchenmaus und nun will sie von mir alles was ich
mir erarbeitet habe und auch noch die Hälfte meines Erbes. Nicht ganz ohne
Eigennutz unterstützte Ursula ihren neuen Lebenspartner, denn endlich hatte
sie—so glaubte sie mindestens—den idealen Lebenspartner gefunden. Walther war
gebildet, schrieb wunderschöne verliebte E-Mails und war auch ein grosser
Kunstfreund. Museen und Ausstellungen sowie Theater und Konzerte waren ihm
lebenswichtig. Dass er auch gerne wanderte und ein wenig Sport trieb rundete
die Vorstellung die Ursula von einem idealen Partner hatte ab. Walther
arbeitete im mittleren Kader in einer Grossbank. Ursula war Filialleiterin
eines konkurrierenden Bankhauses in derselben Stadt irgendwo in Deutschland.
Ursulas Stelle war besser dotiert und prestigeträchtiger als die Walthers, was
alle beide nicht störte, ja Walther sagte immer wieder, dass er es toll finde
eine solch erfolgreiche Frau „sein Eigen nennen zu können“. Nun wurde die
Direktionsstelle in Walthers Bank plötzlich frei, der Direktor war auf einer
Bergtour tödlich verunglückt. Ein Headhunter kontaktierte Ursula und bot ihr
die Nachfolge an. Ursula besprach alles mit Walther, der sie voller Begeisterung unterstützte. Die
Verhandlungen gingen reibungslos und erstaunlich schnell vonstatten. Schon
wenige Tage später hatte sie den vom CEO unterzeichneten Vertrag zugeschickt
bekommen. Zur Feier des Vertrags brachte Walther, ganz galanter Gentleman, eine
Flasche Dom Perignon, Kaviar und gekochten Hummer mit nach Hause. Es folgte
eine lebhafte Liebesnacht, Ursula schlief
selig in Walthers starken Armen ein. Am nächsten Morgen sagte Ursula, dass
sie den Vertrag sofort zur Post bringen wolle denn es wurde erwartet dass
dieser wichtige Vertrag innert achtundvierzig Stunden auf dem Schreibtisch des
CEO`s läge. Walther sagte, dass er in zwei Stunden sowieso eine Sitzung der
Geschäftsleitung habe und den Vertrag dem Big Boss persönlich geben könne. Mit
einem dicken Kuss bedankte sich Ursula dafür, sie dachte immer noch an die
vergangene Nacht. Zwei Wochen später klingelte das Telefon auf Ursulas
Schreibtisch es war der CEO ,ihr neuer Arbeitsgeber, er wollte wissen warum Ursula, nach der mündlichen Zusage, durch
ihren Anwalt telefonisch bestellen
lassen hatte, dass sie nun die Stelle doch
nicht antreten würde, da sie ein viel besseres Angebot von ihrem
jetzigen Arbeitsgeber erhalten habe, er finde das sehr befremdlich und unfair.
Ursula fiel aus allen Wolken, sie beteuerte dass ihr Lebenspartner Walther ihm
doch den unterschriebenen Arbeitsvertrag persönlich gebracht haben musste.
Einen Walther kenne ich nicht und ich glaube, dass ein Kader mit diesem
Vornamen nicht hier bei uns existiert, nun hat ihr Mitbewerber das Rennen
gemacht, schade für sie. Ungläubig rief Ursula ihren Walther auf seinem
Mobiltelefon an, die automatische Antwort „diese Nummer ist nicht mehr in
Betrieb“ gab ihr den zweiten Schock des Morgens. Sie setzte sich ins Auto und
raste nach Hause. Die Wohnung war leer, nichts zeugte davon, dass irgendeinmal
ein Mann namens—und nun zweifelte sie auch am Namen—Walther in dieser Wohnung
gewesen war. Ursula beteuerte nun schon—
zwei Mal die Woche— wenn sie erschöpft auf der Couch des Psychiaters lag, dass
sie dies alles doch nicht geträumt haben konnte. Ghosting, sagte der
Psychiater, nennt man sowas, aber so fies habe ich es noch nie gehört, das tönt
wirklich nach Rache, haben sie diesem Walther irgendetwas zuleid getan? Nun
zerbrach sich Ursula auch noch das Gehirn was ach was habe ich ihm denn Böses
getan?? Wäre Walther in der Lage gewesen dies zu beobachten hätte er sich
sicherlich daran sehr „aufgegeilt“ sein Ziel war total erreicht.
Donnerstag, 27. August 2015
Vom klugen Trinken
Ich lebte viele Jahre in der Französischen Schweiz, mal in
Neuchâtel dann in Lausanne wieder in Neuchâtel erneut in Lausanne bis ich nach
noch einigen Wohnorten in Avenches ankam. Dort wohnte ich mitten im Städtchen,
hatte einige Kneipen quasi vor der Haustür die ich anfangs nicht oder kaum
frequentierte. Dies änderte sich nach einiger Zeit, so etwa nach einem
dreiviertel Jahr. Inzwischen hatte ich einige Leute kennengelernt, zuerst die
junge Frau die in meinem Haus einen Coiffeur-Salon hatte samt ihrem Freund, der
schon bald ihr Mann wurde. Zu dieser Hochzeit war ich –warum auch
immer—eingeladen worden. Dabei lernte ich das halbe Städtchen kennen, also
grüsste ich plötzlich sehr viele Leute und wurde von noch viel mehr Menschen
gegrüsst. Nachdem Isabell die letzten
Kunden entlassen hatte und ihr Salon geschlossen war, traf sie sich meistens,
mit ihrem Mann auf der Terrasse eines der Bistros, oft sassen schon einige
Bekannte da und es kamen fast immer noch mehrere dazu. Da ich gar nicht nach
Hause gehen konnte ohne an den Terrassen vorbeizukommen wurde ich natürlich
immer aufgefordert auch ein Glas zu nehmen. Und so lernte ich die typisch
Waadtländische Art zu trinken kennen. Das geht nämlich so, der erste Gast
bestellt einen Deziliter Weisswein, kommt ein zweiter dazu bestellt dieser zwei
Dezi die dann geteilt werden ,der dritte verlangt ohne zu sprechen nur durch
ein Handzeichen drei Dezi, die geteilt
werden. Der als vierter angekommene bestellt je nach Grosszügigkeit drei Dezi
oder schon mal einen halben Liter; wer nun dazu kommt bestellt ,nur durch ein
Handzeichen einen halben Liter .Und so geht es weiter, kommt kein neuer Gast
dazu, und die Gläser gehen zur Neige, sollte eigentlich der zuerst dagewesene
eine Bestellung tätigen, meist sagt dieser im entscheidenden Moment, so ich
muss nun nach Hause, sonst schimpft meine Alte mal wieder; dadurch hat er als
Schmarotzer bei minimer finanzieller Belastung maximalen Weinkonsum intus. Solche Saukumpanen gibt es in jeder Kneipe,
ob erster oder zweiter Apéro-Gast spielt auch kaum eine Rolle, jedermann kennt
diese Profiteure, macht sich auch über sie
lustig, ändern tun diese sich nie, es sei denn sie werden zu lästig,
dann bleiben sie alleine an ihrem Tisch sitzen.
Dienstag, 25. August 2015
Zum Glück gab’s damals noch kein Mobile-Phone
Mehrere Freunde hatte ich, die das Pech hatten, eine jüdische
Mamme wie sie sonst nur in den Witzen vorkommt, zu haben, die ärmsten. Vor
allem einer ist mir noch immer im Gedächtnis, er ist leider schon lange
gestorben—noch vor besagter Mamme, die dann ihre Schwiegertochter weiterhin
belästigte. Jedes Mal wenn Daniel in die Ferien fuhr oder—er war Arzt—zu einer
Tagung oder Schulung musste, rief die Mamme oder oft sogar eine Freundin in Extremfällen
auch mal der Rabbiner im Hotel an, Daniel muss sofort zu seiner Mutter kommen
es geht ihr so schlecht, dass bald ihr letztes Stündchen schlagen könnte. Der
guterzogene(dressierte) Daniel rief umgehend an, Mamme meldete sich nicht,
manchmal nahm sie auch ab und stöhnte leise unverständliches vor sich hin.
Kurzerhand fuhr Daniel so schnell er konnte nach Hause zu seiner Mutter, die
ihn fast immer strahlend begrüsste mit den Worten „wolltest du nicht in den
Urlaub fahren, warum bist du eigentlich hier“. Auf seine erzürnte Frage
antwortete sie nur „ach so schlimm war’s eigentlich nicht“. Einmal, er war mit
Ruth und den drei Kindern in Rom um die ewige Stadt zu erkunden, beschloss er,
nicht auf die Anrufe, die ihn im Hotel schon erwarteten, zu reagieren, auch
seiner Frau Ruth untersagte er es sich an seiner Stelle zu melden, die Kinder
hatten schon lange gesagt, er solle doch einfach nicht reagieren. Es wurden
drei wunderbare Wochen, die Entdeckung des alten Roms war für die ganze Familie
ein Erlebnis, auch die Renaissance und Barockbauten begeisterten alle. Mehrmals
ging man den Kindern zuliebe nach Fregene an den Strand der römischen
Oberschicht. Nach drei Tagen hörten auch die Anrufe auf. Glücklich und erholt
kamen sie in die Schweizer Heimat zurück. Der erste Weg der ganzen Familie war
zur Mutter. Die Wohnung war leer, keine Notiz, einfach nichts. Bis spät in die
Nacht wurden alle Verwandten und Freunde allarmiert, nichts; endlich rief Daniel,zu schon später Stunde den Rabbiner an, der ihm die schwersten Vorwürfe machte, seine liebe Mutter
vernachlässigt zu haben, sodass sie –natürlich auf des Sohnes Kosten—in ein
luxuriöses jüdisches Pflegeheim gebracht werden musste. Als Daniel seine Mutter
in diesem Pflegeheim spät abends abholte, sah er die Mamme, in sehr angeregtem
Gespräch mit mehreren anderen Heimbewohnern, bei einem Glas Portwein sitzen.
Sie begrüsste ihn mit einem „ da bist du ja du ungezogener Lümmel der seine
alte Mamme krank und allein, wie eine räudigen Hündin ihrem Schicksal überlässt.
Du kannst dank bar sein, dass mich der Rabbiner gefunden hat vor ich gestorben
bin, eigentlich hättest du es verdient mich Tod und verwest in der Wohnung zu finden.
Nach dieser Episode, ging alles wieder seinen alten Gang Daniel fuhr weg, Mamme
rief an Daniel kam zurück, Mamme staunte dass er nicht weg war, bis Daniel dann
eines Tages nach langer Krankheit, von der er seiner Mamme nie etwas gesagt
hatte—denn Söhne haben nicht krank zu sein, Mütter sind krank und müssen
umsorgt werden!—starb, quälte die ach so traurige Mutter ihre Schwiegertochter.
Du hast meinen lieben Daniel sterben lassen, hast ihn nicht richtig bekocht und
gepflegt, du bist eine böse Frau, dass wusste ich immer schon aber Daniel
wollte dich ja unbedingt heiraten obwohl ich für ihn eine bessere Frau gefunden
hatte.
Montag, 24. August 2015
Masse neu erfunden!
Gestern im Fernsehen auf verschiedenen Kanälen konnte man
hören, dass Usain Bolt erneut Weltmeister im 100 Meter Rennen geworden ist.
Dabei wurde von einem Vorsprung von normalen hundertstel Sekunden gesprochen beziehungsweise von
einer kleinen hundertstel Sekunde auch dünne hauchdünne oder gar dünnste
hundertstel Sekunden gibt’s wohl! Wissen das unsere Uhrenfabrikanten
eigentlich? kann man Uhren mit normal dünnen, hauchdünnen, dünnsten oder gar allerdünnsten
Hundertstel-Sekunden kaufen? Blumige Sprache hin oder her, Masseinheiten
sollten weder vergrössert noch verkleinert werden, dies ist meine Meinung
.Punkt Schluss!
Freitag, 21. August 2015
Ein Samstag in Konstanz
Entweder man nimmt’s mit viel Humor oder man ärgert sich, na
was? grün und blau, oder einfach nur fürchterlich. Item, es war der erste kühle
verregnete Samstag seit langem in diesem Ausnahmesommer 2015. Meine
Lebenspartnerin und ich hatten uns spontan entschieden mit der Bahn nach
Konstanz zu fahren, der Zug von Stein am Rhein war nicht sehr voll, aber die
Bahn die von Kreuzlingen nach dem benachbarten Konstanz fuhr war übervoll. Wir waren
sicherlich die einzigen, die ohne Einkaufskaddy’s –ja viele zogen mehrere davon
hinter sich her— grosse leere Rucksäcken und leichten—da leeren—Koffern sich im
viel zu engen Zug drängelten, ja beim Aussteigen wurde gedrängelt, Alt und Jung,
aber vor allem Alt wollte sofort ins Schlaraffenland zum Einkaufen gehen. Zu
Recht beinhaltet der uns allen aus der Kindheit bekannte Name SchlaRAFFENland
das Wort Raffen. Ja die Raffgier dieser Einkaufstouristen mahnte an die Zeiten
des Hamsterns –in und vor Allem nach Kriegs und Krisenzeiten—die sehr alten
Menschen noch in Erinnerung sind. Bewusst ,und weil wir nichts brauchten,
verzichteten wir darauf, Lidl, Aldi, Penny ,und wie die Billigläden sonst noch
heissen mögen, einen Besuch abzustatten, da wir wussten, dass wir diesen Horror
nicht verkraftet hätten. Aber auch schon die Kleiderläden und sonstigen
Boutiquen waren den Besuch wert; wie sich die Einkaufstouristen benehmen ist
geradezu grotesk, jede genaue Beschreibung erübrigt sich! Mittags gingen wir
ins Barbarossa essen, selbst gut besucht war es ein Hort der Ruhe. Das Essen
war sehr gut und die junge Kellnerin kompetent und nicht nur freundlich, nein
richtig liebenswürdig. Ich erinnere mich noch an die Zeiten, wo so etwas üblich
und das Gegenteil selten war!! Nach dem Essen statteten wir meinem
Lieblingsbuchladen –dem Bücherschiff—einen Besuch ab. Leider war, wohl wegen
der Uhrzeit, es war dreiviertel zwei, die gute kompetente nette ältere Dame –ob
es die Chefin ist weiss ich nicht— noch nicht da. Meine Partnerin und ich
selbst stöberten in den auf Tischen ausgelegten Büchern. Sie, meine Partnerin, ging
zur Kasse und erwarb ein Paar Bücher. Nun ging ich zur Kasse, legte meine
Auswahl hin, wurde von einer Verkäuferin gefragt,“ muss was als Geschenk
eingepackt werden“, ich verneinte und sie schickte sich an ,meinen Einkauf in
die Kasse zu tippe. Plötzlich drehte sie sich zu einer ihrer Kolleginnen um, die mit einer Kundin der Kasse entgegen
kam und sagte ihr in ihrem Alemannisch „ du kansch zuerscht tippe du hasch ja
nur zwei Sachen“ und dies natürlich ohne mich zu fragen ob dies mir Recht sei!!Diese
Verkäuferin hatte ein unverdientes Riesenglück, dass ich nicht alleine, sondern
mit meiner Partnerin da war, welche die Szene die ich, wäre ich alleine
gewesen, veranstaltet hätte, perhorresziert.
Was hätte ich ihr nicht gerne gesagt. Ist diese Kundin mehr
wert als ich—ist es die Galanterie dass eine Frau dem ach so bösen Mann vorgezogen wird—oder haben
sie vergessen ihr Gehirn einzuschalten—vielleicht haben sie zu viele Kunden und
versuchen damit ihre Arbeitsbelastung zu verringern –es sei denn eine männliche
Kundschaft ist ihnen unerträglich—dies müssten sie dann aber an die Ladentür
schreiben. Oder ist’s ganz einfach ihre zum Himmel stinkende Dummheit??
Mittwoch, 19. August 2015
Lebenslüge
Er, nennen wir ihn José, war mit etwa einem Jahr mit seiner verwitweten Mutter nach
Buenos-Aires gekommen. Geboren war er in Wien. Dort hatten seine Eltern sich ja
auch kennen und lieben gelernt. Ja geliebt hatten sie sich auf eine
unvergleichliche fast schon schmerzhafte Art, so erzählte es seine Mutter
Margot ihrem José nun schon seit seiner frühsten Kindheit. Auch sagte sie ihm
immer, dass sein Vater Lionel kurz nach seiner Geburt an einem falsch
behandelten geplatzten Blinddarm auf einer Geschäftsreise im fernen Galizien in
der Stadt Lemberg verstorben war. Du, José, bist Halbwaise, aber
glücklicherweise hatte dein Vater mir schon bei der Hochzeit ein recht
ansehnliches Vermögen überschrieben. Margot, seine Mutter, hatte schon nach
wenigen Jahren alle Kontakte in der alten Heimat abgebrochen, ausser zu einer
ihrer Schwestern, Bertha, die sie schon bald nach Argentinien nachkommen liess.
Warum sie dies getan hatte wurde José schon als Kind klar, Margot –seine
geliebte Mamma—brauchte ausser ihm noch jemanden dem sie ihren unbeugsamen
Willen aufzwingen konnte und dazu war die leicht hinkende, arme, schüchterne
Bertha wie geschaffen. Margot führte mit ihrer Schwester und dem Sohn einen
recht grossen Haushalt. In den ersten Jahren hatte sie immer wieder
freundschaftliche Männerbekanntschaften; die Männer verschwanden meist nach
nicht allzu langer Zeit und dies fast immer nach einem, unüblich heftigen,
Streit. Ja Margot war extrem zänkerisch und rechthaberisch. Mehrere Wirtschaftskrisen
hatten das stattliche Vermögen Margots und das eigentlich „Mündelsichere
Kapital „ Josés schmelzen lassen .Margot, die nun ihre Schwester-Dienstmagd
nicht mehr als gratis Hilfe sondern als zu stopfendes Maul ansah ,sann auf
Abhilfe. Die glänzende Idee war bald gefunden, José war schliesslich
Österreicher von Geburt, also konnte man ja ein Stipendium für sein Studium
beantragen, denn er war, im Gegensatz zu Mutter und Tante nicht Argentinier geworden, warum wusste José
–eigentlich Josef—nicht. Dem Antrag wurde
stattgegeben und so flog José nun nach Wien. Wie gross war seine Überraschung, als
er am Flughafen Wien-Schwechat von einer Dame mittleren Alters ,die eine grosse
Karte mit seinem Namen in der Hand
hielt, abgeholt wurde. Diese Dame zerstörte ohne es zu wollen das Lügenpaket
das Margot ihrem Sohn seit nunmehr achtzehn Jahren aufgetischt hatte. Sie, die
Dame am Flughafen, begleitete José in ein schönes altehrwürdiges Hotel den „
König von Ungarn“ und dort in dem wunderschönen Innenhof bei einem erfrischenden
Getränk erzählte ihm diese Dame, die die Sekretärin einer grossen Firma war,
dass sein Vater—der in Lenbach verstorbene—sie beauftragt habe sich um ihn den
Sohn zu kümmern. Sehen, nein sehen wollte sein Vater ihn nicht, zu schlimm
waren die Erinnerungen an und zu teuer war die Scheidung von seiner Mutter
Margot gewesen um nun diesen Sohn kennenzulernen. Die nette Dame, die schon
seit vielen Jahren die Vertraute des Vaters Lionel war, erzählte dem staunenden
José, wie seine Mutter den Studenten Lionel umgarnt hatte, wie sie zuerst
liebenswürdig und charmant, und geradezu devot gewesen war bis sie dann ein Kind
erwartete. Lionel heiratete sie trotz heftigen Widerstands der Familie und aus
der liebenswürdigen Margot wurde in wenigen Wochen eine unerträgliche
Furie. Die Scheidung, kurz nach Josefs Geburt –den sein Vater n i e sehen
wollte und auch nie gesehen hatte—war für Lionel extrem schwierig und ruinös;
für Margot hingegen bedeutete diese Scheidung das ganz grosse Los. Lionel
willigte nur dazu ein, wenn Margot und der kleine Josef sofort und definitiv
aus Wien, Europa und vor allem aus Lionels Leben verschwinden würden.
Nun hatte
Margot—weil das Geld weg war—auch dieses Versprechen dadurch gebrochen, dass
sie ihren Sohn als Lockvogel nach Wien geschickt hatte. Aber Lionel bleibe
stahlhart, solle sie, die Vertraute des Vaters, ihm bestellen. Er habe ja vom
Staat ein Stipendium erbeten aber der Staat—der den steinreichen Vater
natürlich ausfindig gemacht hatte—bat diesen nun zur Kasse. Vom Vater gebe es,
ausser den auf das strikte Minimum berechnete Studiums-Kosten keinen Schilling,
punkt Schluss und auf nimmer wiedersehen. Monatlich werde auf ein Konto ein
minimaler Betrag zum Lebensunterhalt überwiesen, wie er mit dem wenigen Geld zurechtkommen
würde sei sein Problem und nicht das von seinem erpressten Vater .Das Zimmer
ist für eine Woche im Voraus bezahlt sagte die Vertraute des Vaters und empfahl
sich. Zurück blieb ein José, dem alle Träume und Illusionen so plötzlich
abhandengekommen waren..
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