Montag, 31. August 2015

Karriereleiter

Jahrelang hatte Sabine dafür gekämpft und viele Opfer gebracht um eines schönen Tages diesen Triumpf auszukosten zu können. Welch Genuss nun in dem wohlverdienten Urlaub   in ihrem Haus auf Mallorca ihren Rachefeldzug zu planen. Ja sie war vor kurzem zur Direktorin des Universitätsspitals ernannt worden und genoss die paar Wochen Urlaub in vollen Zügen. Das Haus hatte sie von ihrem verstorbenen Mann geerbt zusammen mit der Villa in der Heimat und dem gut gehenden Geschäft mit Franchising-Verträgen. Ja Hugo ,ihr nun, leider? verstorbene Mann hatte eine geniale Idee gehabt und sein Geschäftsmodell so eingerichtet, dass er auf lange Jahre hinaus Geld kassierte ohne noch etwas anders tun zu müssen als zu  Kontrollieren ob das Geld auch den vertraglich ausgehandelte Umsatzprozenten entsprach. Eigentlich müsste Sabine nicht mehr arbeiten, aber wenn sie so kurz vor dem erreichten Ziel aufgegeben hätte wäre sie irgendwie frustriert gewesen. Nein sie wollte noch ihren Lebensplan –sich an allen, die ihr im Laufe der Jahre in die Quere gekommen waren, gebührend zu rächen—realisieren, auf diesen Triumpf wollte und durfte sie nicht verzichten bevor sie ihr Vermögen ungehemmt geniessen konnte. Ins reine Genussleben, mit dem ererbten Vermögen würde sie dann nach genossener Rache eintauchen. Sabines Berufslaufbahn hatte damit angefangen, dass sie trotz vieler Nachhilfestunden das Abitur –wohl wegen panikartiger Examensangst— nicht geschafft hatte. Sie fing eine Ausbildung als, damals noch Krankenschwester benannte, Pflegefachfrau an. Sabine wurde eine sehr gute Pflegerin, die Prüfungen –da zum grössten Teil praktischer Art—schaffte sie ohne Probleme, die panische Examensangst war vorbei. Nun beschloss sie ihr Abitur nachzuholen, sie schaffe es spielend. Eigentlich wollte sie dann Medizin studieren, aber als ihr Vater plötzlich verstarb, wurde sehr bald klar, dass die ganze Familie, sie hatte fünf Geschwister alle jünger als sie, vor dem Nichts stand. Das Geschäft des Vaters stand kurz vor dem Aus, es war total überschuldet und die Mutter welche immer nur Hausfrau gewesen war, erwies sich als absolut überfordert. In dieser Situation war an ein Studium nicht zu denken, nein sie musste Geld verdienen um, als die Älteste, der Mutter zu helfen. Sie machte eine Ausbildung als Operationsschwester und Instrumentalistin. Nach Jahren weiterer Kurse, Fort und Ausbildungen war sie Chefin aller Operationssäle dieser grossen Universitätsklinik. Welche Genugtuung wäre das für die meisten Menschen gewesen, Sabine strebte aber nach viel mehr Macht. Inzwischen hatte sie, schon vor Jahren, einen wesentlich älteren Geschäftsmann geheiratet. Kinder waren keine gekommen, auch hatte ihr Ehemann in seiner vorherigen Ehe keine Kinder gehabt. Ja er, Hugo, war verwitwet, seine Frau war auf dem Operationstisch verstorben. Es war sehr dramatisch gewesen, denn sie war ja nur zu einem kleinen Routineeingriff in die Uni-Klinik gekommen. Leider gehörte sie zu den sehr seltenen Fällen die an der Anästhesie starben, schuld war wirklich keiner ausser der „Fatalität“. Sabine hatte sich rührend um diesen völlig hilflosen Mann gekümmert, sprach ihm Trost zu und brachte ihn mit dem Anästhesisten und dem Chirurgen zu einem erklärenden Gespräch zusammen. Knapp ein Jahr später bat Hugo sie seine Frau zu werden, was Sabine gerne annahm, denn dadurch stieg sie in eine viel höhere Gesellschaftsschicht auf. Sabines Racheplan war aufgegangen, sie war nun schon bald die Vorgesetzte all jener die ihr irgendwann im Laufe der Jahre übel mitgespielt oder einfach in die Quere gekommen waren; und davon gab es recht viele, seien es Ärzte oder auch Pflegende. Sabine schwelgte in ihren Racheplänen, sie freute sich wahnsinnig ihre neue Position als Direktorin einzunehmen und mit dem Katz und Mausspiel zu beginnen. Abgesehen von wenigen Ausnahmen würde sie aktiv keinen entlassen, aber die Angst im Gesicht derer die sie irgendwann geärgert hatten wollte sie doch in vollen Zügen geniessen. Sie stellte sich vor, wie sie solche Opfer ins Büro bitten würde um dann eigentlich nur belangloses zu bereden und sich an dem Anblick des gestressten Opfers zu erfreuen.                                                                                                                                                                                                                                                      All dies musste nun als Traum beerdigt werden, dachte Sabine im Bruchteil einer Sekunde, als das Flugzeug im Sturzflug gegen die schneebedeckten Berge raste.

Freitag, 28. August 2015

Fiese Machenschaft

Zusammengekommen sind sie, Walther und Ursula, als beide schon mehrere Beziehungen hinter sich hatten. Kennengelernt hatten sie sich, wie heute üblich im Internet. Walther war schon dabei seine dritte Ehe durch einen bösartigen Prozess zu beenden; schuld war, wie bei den zwei vorausgegangenen Scheidungen natürlich seine Frau. Walther hatte aber auch immer Pech mit seinen Ehefrauen, alle waren psychisch angeknackt, konnten dies aber in der anfänglichen Werbephase sehr geschickt vertuschen. Bösartig war natürlich seine Frau, die alles von ihm wollte, ja –so sagte Walther immer wieder—sie war arm wie eine Kirchenmaus und nun will sie von mir alles was ich mir erarbeitet habe und auch noch die Hälfte meines Erbes. Nicht ganz ohne Eigennutz unterstützte Ursula ihren neuen Lebenspartner, denn endlich hatte sie—so glaubte sie mindestens—den idealen Lebenspartner gefunden. Walther war gebildet, schrieb wunderschöne verliebte E-Mails und war auch ein grosser Kunstfreund. Museen und Ausstellungen sowie Theater und Konzerte waren ihm lebenswichtig. Dass er auch gerne wanderte und ein wenig Sport trieb rundete die Vorstellung die Ursula von einem idealen Partner hatte ab. Walther arbeitete im mittleren Kader in einer Grossbank. Ursula war Filialleiterin eines konkurrierenden Bankhauses in derselben Stadt irgendwo in Deutschland. Ursulas Stelle war besser dotiert und prestigeträchtiger als die Walthers, was alle beide nicht störte, ja Walther sagte immer wieder, dass er es toll finde eine solch erfolgreiche Frau „sein Eigen nennen zu können“. Nun wurde die Direktionsstelle in Walthers Bank plötzlich frei, der Direktor war auf einer Bergtour tödlich verunglückt. Ein Headhunter kontaktierte Ursula und bot ihr die Nachfolge an. Ursula besprach alles mit Walther, der sie  voller Begeisterung unterstützte. Die Verhandlungen gingen reibungslos und erstaunlich schnell vonstatten. Schon wenige Tage später hatte sie den vom CEO unterzeichneten Vertrag zugeschickt bekommen. Zur Feier des Vertrags brachte Walther, ganz galanter Gentleman, eine Flasche Dom Perignon, Kaviar und gekochten Hummer mit nach Hause. Es folgte eine lebhafte Liebesnacht, Ursula schlief  selig in Walthers starken Armen ein. Am nächsten Morgen sagte Ursula, dass sie den Vertrag sofort zur Post bringen wolle denn es wurde erwartet dass dieser wichtige Vertrag innert achtundvierzig Stunden auf dem Schreibtisch des CEO`s läge. Walther sagte, dass er in zwei Stunden sowieso eine Sitzung der Geschäftsleitung habe und den Vertrag dem Big Boss persönlich geben könne. Mit einem dicken Kuss bedankte sich Ursula dafür, sie dachte immer noch an die vergangene Nacht. Zwei Wochen später klingelte das Telefon auf Ursulas Schreibtisch es war der CEO ,ihr neuer Arbeitsgeber, er wollte wissen warum  Ursula, nach der mündlichen Zusage, durch ihren Anwalt  telefonisch bestellen lassen hatte, dass sie nun die Stelle doch  nicht antreten würde, da sie ein viel besseres Angebot von ihrem jetzigen Arbeitsgeber erhalten habe, er finde das sehr befremdlich und unfair. Ursula fiel aus allen Wolken, sie beteuerte dass ihr Lebenspartner Walther ihm doch den unterschriebenen Arbeitsvertrag persönlich gebracht haben musste. Einen Walther kenne ich nicht und ich glaube, dass ein Kader mit diesem Vornamen nicht hier bei uns existiert, nun hat ihr Mitbewerber das Rennen gemacht, schade für sie. Ungläubig rief Ursula ihren Walther auf seinem Mobiltelefon an, die automatische Antwort „diese Nummer ist nicht mehr in Betrieb“ gab ihr den zweiten Schock des Morgens. Sie setzte sich ins Auto und raste nach Hause. Die Wohnung war leer, nichts zeugte davon, dass irgendeinmal ein Mann namens—und nun zweifelte sie auch am Namen—Walther in dieser Wohnung gewesen war. Ursula beteuerte  nun schon— zwei Mal die Woche— wenn sie erschöpft auf der Couch des Psychiaters lag, dass sie dies alles doch nicht geträumt haben konnte. Ghosting, sagte der Psychiater, nennt man sowas, aber so fies habe ich es noch nie gehört, das tönt wirklich nach Rache, haben sie diesem Walther irgendetwas zuleid getan? Nun zerbrach sich Ursula auch noch das Gehirn was ach was habe ich ihm denn Böses getan?? Wäre Walther in der Lage gewesen dies zu beobachten hätte er sich sicherlich daran sehr „aufgegeilt“ sein Ziel war total erreicht.

Donnerstag, 27. August 2015

Vom klugen Trinken

Ich lebte viele Jahre in der Französischen Schweiz, mal in Neuchâtel dann in Lausanne wieder in Neuchâtel erneut in Lausanne bis ich nach noch einigen Wohnorten in Avenches ankam. Dort wohnte ich mitten im Städtchen, hatte einige Kneipen quasi vor der Haustür die ich anfangs nicht oder kaum frequentierte. Dies änderte sich nach einiger Zeit, so etwa nach einem dreiviertel Jahr. Inzwischen hatte ich einige Leute kennengelernt, zuerst die junge Frau die in meinem Haus einen Coiffeur-Salon hatte samt ihrem Freund, der schon bald ihr Mann wurde. Zu dieser Hochzeit war ich –warum auch immer—eingeladen worden. Dabei lernte ich das halbe Städtchen kennen, also grüsste ich plötzlich sehr viele Leute und wurde von noch viel mehr Menschen gegrüsst. Nachdem Isabell  die letzten Kunden entlassen hatte und ihr Salon geschlossen war, traf sie sich meistens, mit ihrem Mann auf der Terrasse eines der Bistros, oft sassen schon einige Bekannte da und es kamen fast immer noch mehrere dazu. Da ich gar nicht nach Hause gehen konnte ohne an den Terrassen vorbeizukommen wurde ich natürlich immer aufgefordert auch ein Glas zu nehmen. Und so lernte ich die typisch Waadtländische Art zu trinken kennen. Das geht nämlich so, der erste Gast bestellt einen Deziliter Weisswein, kommt ein zweiter dazu bestellt dieser zwei Dezi die dann geteilt werden ,der dritte verlangt ohne zu sprechen nur durch ein Handzeichen  drei Dezi, die geteilt werden. Der als vierter angekommene bestellt je nach Grosszügigkeit drei Dezi oder schon mal einen halben Liter; wer nun dazu kommt bestellt ,nur durch ein Handzeichen einen halben Liter .Und so geht es weiter, kommt kein neuer Gast dazu, und die Gläser gehen zur Neige, sollte eigentlich der zuerst dagewesene eine Bestellung tätigen, meist sagt dieser im entscheidenden Moment, so ich muss nun nach Hause, sonst schimpft meine Alte mal wieder; dadurch hat er als Schmarotzer bei minimer finanzieller Belastung maximalen Weinkonsum intus.  Solche Saukumpanen gibt es in jeder Kneipe, ob erster oder zweiter Apéro-Gast spielt auch kaum eine Rolle, jedermann kennt diese Profiteure, macht sich auch über sie  lustig, ändern tun diese sich nie, es sei denn sie werden zu lästig, dann bleiben sie alleine an ihrem Tisch sitzen.


Dienstag, 25. August 2015

Zum Glück gab’s damals noch kein Mobile-Phone

Mehrere Freunde hatte ich, die das Pech hatten, eine jüdische Mamme wie sie sonst nur in den Witzen vorkommt, zu haben, die ärmsten. Vor allem einer ist mir noch immer im Gedächtnis, er ist leider schon lange gestorben—noch vor besagter Mamme, die dann ihre Schwiegertochter weiterhin belästigte. Jedes Mal wenn Daniel in die Ferien fuhr oder—er war Arzt—zu einer Tagung oder Schulung musste, rief die Mamme oder oft sogar eine Freundin in Extremfällen auch mal der Rabbiner im Hotel an, Daniel muss sofort zu seiner Mutter kommen es geht ihr so schlecht, dass bald ihr letztes Stündchen schlagen könnte. Der guterzogene(dressierte) Daniel rief umgehend an, Mamme meldete sich nicht, manchmal nahm sie auch ab und stöhnte leise unverständliches vor sich hin. Kurzerhand fuhr Daniel so schnell er konnte nach Hause zu seiner Mutter, die ihn fast immer strahlend begrüsste mit den Worten „wolltest du nicht in den Urlaub fahren, warum bist du eigentlich hier“. Auf seine erzürnte Frage antwortete sie nur „ach so schlimm war’s eigentlich nicht“. Einmal, er war mit Ruth und den drei Kindern in Rom um die ewige Stadt zu erkunden, beschloss er, nicht auf die Anrufe, die ihn im Hotel schon erwarteten, zu reagieren, auch seiner Frau Ruth untersagte er es sich an seiner Stelle zu melden, die Kinder hatten schon lange gesagt, er solle doch einfach nicht reagieren. Es wurden drei wunderbare Wochen, die Entdeckung des alten Roms war für die ganze Familie ein Erlebnis, auch die Renaissance und Barockbauten begeisterten alle. Mehrmals ging man den Kindern zuliebe nach Fregene an den Strand der römischen Oberschicht. Nach drei Tagen hörten auch die Anrufe auf. Glücklich und erholt kamen sie in die Schweizer Heimat zurück. Der erste Weg der ganzen Familie war zur Mutter. Die Wohnung war leer, keine Notiz, einfach nichts. Bis spät in die Nacht wurden alle Verwandten und Freunde allarmiert, nichts; endlich rief Daniel,zu schon später Stunde den Rabbiner an, der ihm die schwersten Vorwürfe machte, seine liebe Mutter vernachlässigt zu haben, sodass sie –natürlich auf des Sohnes Kosten—in ein luxuriöses jüdisches Pflegeheim gebracht werden musste. Als Daniel seine Mutter in diesem Pflegeheim spät abends abholte, sah er die Mamme, in sehr angeregtem Gespräch mit mehreren anderen Heimbewohnern, bei einem Glas Portwein sitzen. Sie begrüsste ihn mit einem „ da bist du ja du ungezogener Lümmel der seine alte Mamme krank und allein, wie eine räudigen Hündin ihrem Schicksal überlässt. Du kannst  dank bar sein, dass mich der Rabbiner gefunden hat vor ich gestorben bin, eigentlich hättest du es verdient mich Tod und verwest in der Wohnung zu finden. Nach dieser Episode, ging alles wieder seinen alten Gang Daniel fuhr weg, Mamme rief an Daniel kam zurück, Mamme staunte dass er nicht weg war, bis Daniel dann eines Tages nach langer Krankheit, von der er seiner Mamme nie etwas gesagt hatte—denn Söhne haben nicht krank zu sein, Mütter sind krank und müssen umsorgt werden!—starb, quälte die ach so traurige Mutter ihre Schwiegertochter. Du hast meinen lieben Daniel sterben lassen, hast ihn nicht richtig bekocht und gepflegt, du bist eine böse Frau, dass wusste ich immer schon aber Daniel wollte dich ja unbedingt heiraten obwohl ich für ihn eine bessere Frau gefunden hatte.

Montag, 24. August 2015

Masse neu erfunden!

Gestern im Fernsehen auf verschiedenen Kanälen konnte man hören, dass Usain Bolt erneut Weltmeister im 100 Meter Rennen geworden ist. Dabei wurde von einem Vorsprung von normalen hundertstel Sekunden gesprochen beziehungsweise von einer kleinen hundertstel Sekunde auch dünne hauchdünne oder gar dünnste hundertstel Sekunden gibt’s wohl! Wissen das unsere Uhrenfabrikanten eigentlich? kann man Uhren mit normal dünnen, hauchdünnen, dünnsten oder gar allerdünnsten Hundertstel-Sekunden kaufen? Blumige Sprache hin oder her, Masseinheiten sollten weder vergrössert noch verkleinert werden, dies ist meine Meinung .Punkt Schluss!

Freitag, 21. August 2015

Ein Samstag in Konstanz

Entweder man nimmt’s mit viel Humor oder man ärgert sich, na was? grün und blau, oder einfach nur fürchterlich. Item, es war der erste kühle verregnete Samstag seit langem in diesem Ausnahmesommer 2015. Meine Lebenspartnerin und ich hatten uns spontan entschieden mit der Bahn nach Konstanz zu fahren, der Zug von Stein am Rhein war nicht sehr voll, aber die Bahn die von Kreuzlingen nach dem benachbarten Konstanz fuhr war übervoll. Wir waren sicherlich die einzigen, die ohne Einkaufskaddy’s –ja viele zogen mehrere davon hinter sich her— grosse leere Rucksäcken und leichten—da leeren—Koffern sich im viel zu engen Zug drängelten, ja beim Aussteigen wurde gedrängelt, Alt und Jung, aber vor allem Alt wollte sofort ins Schlaraffenland zum Einkaufen gehen. Zu Recht beinhaltet der uns allen aus der Kindheit bekannte Name SchlaRAFFENland das Wort Raffen. Ja die Raffgier dieser Einkaufstouristen mahnte an die Zeiten des Hamsterns –in und vor Allem nach Kriegs und Krisenzeiten—die sehr alten Menschen noch in Erinnerung sind. Bewusst ,und weil wir nichts brauchten, verzichteten wir darauf, Lidl, Aldi, Penny ,und wie die Billigläden sonst noch heissen mögen, einen Besuch abzustatten, da wir wussten, dass wir diesen Horror nicht verkraftet hätten. Aber auch schon die Kleiderläden und sonstigen Boutiquen waren den Besuch wert; wie sich die Einkaufstouristen benehmen ist geradezu grotesk, jede genaue Beschreibung erübrigt sich! Mittags gingen wir ins Barbarossa essen, selbst gut besucht war es ein Hort der Ruhe. Das Essen war sehr gut und die junge Kellnerin kompetent und nicht nur freundlich, nein richtig liebenswürdig. Ich erinnere mich noch an die Zeiten, wo so etwas üblich und das Gegenteil selten war!! Nach dem Essen statteten wir meinem Lieblingsbuchladen –dem Bücherschiff—einen Besuch ab. Leider war, wohl wegen der Uhrzeit, es war dreiviertel zwei, die gute kompetente nette ältere Dame –ob es die Chefin ist weiss ich nicht— noch nicht da. Meine Partnerin und ich selbst stöberten in den auf Tischen ausgelegten Büchern. Sie, meine Partnerin, ging zur Kasse und erwarb ein Paar Bücher. Nun ging ich zur Kasse, legte meine Auswahl hin, wurde von einer Verkäuferin gefragt,“ muss was als Geschenk eingepackt werden“, ich verneinte und sie schickte sich an ,meinen Einkauf in die Kasse zu tippe. Plötzlich drehte sie sich zu einer ihrer Kolleginnen  um, die mit einer Kundin der Kasse entgegen kam und sagte ihr in ihrem Alemannisch „ du kansch zuerscht tippe du hasch ja nur zwei Sachen“ und dies natürlich ohne mich zu fragen ob dies mir Recht sei!!Diese Verkäuferin hatte ein unverdientes Riesenglück, dass ich nicht alleine, sondern mit meiner Partnerin da war, welche die Szene die ich, wäre ich alleine gewesen, veranstaltet hätte, perhorresziert.

Was hätte ich ihr nicht gerne gesagt. Ist diese Kundin mehr wert als ich—ist es die Galanterie dass eine Frau dem  ach so bösen Mann vorgezogen wird—oder haben sie vergessen ihr Gehirn einzuschalten—vielleicht haben sie zu viele Kunden und versuchen damit ihre Arbeitsbelastung zu verringern –es sei denn eine männliche Kundschaft ist ihnen unerträglich—dies müssten sie dann aber an die Ladentür schreiben. Oder ist’s ganz einfach ihre zum Himmel stinkende Dummheit??

Mittwoch, 19. August 2015

Lebenslüge

Er, nennen wir ihn José, war mit etwa einem  Jahr mit seiner verwitweten Mutter nach Buenos-Aires gekommen. Geboren war er in Wien. Dort hatten seine Eltern sich ja auch kennen und lieben gelernt. Ja geliebt hatten sie sich auf eine unvergleichliche fast schon schmerzhafte Art, so erzählte es seine Mutter Margot ihrem José nun schon seit seiner frühsten Kindheit. Auch sagte sie ihm immer, dass sein Vater Lionel kurz nach seiner Geburt an einem falsch behandelten geplatzten Blinddarm auf einer Geschäftsreise im fernen Galizien in der Stadt Lemberg verstorben war. Du, José, bist Halbwaise, aber glücklicherweise hatte dein Vater mir schon bei der Hochzeit ein recht ansehnliches Vermögen überschrieben. Margot, seine Mutter, hatte schon nach wenigen Jahren alle Kontakte in der alten Heimat abgebrochen, ausser zu einer ihrer Schwestern, Bertha, die sie schon bald nach Argentinien nachkommen liess. Warum sie dies getan hatte wurde José schon als Kind klar, Margot –seine geliebte Mamma—brauchte ausser ihm noch jemanden dem sie ihren unbeugsamen Willen aufzwingen konnte und dazu war die leicht hinkende, arme, schüchterne Bertha wie geschaffen. Margot führte mit ihrer Schwester und dem Sohn einen recht grossen Haushalt. In den ersten Jahren hatte sie immer wieder freundschaftliche Männerbekanntschaften; die Männer verschwanden meist nach nicht allzu langer Zeit und dies fast immer nach einem, unüblich heftigen, Streit. Ja Margot war extrem zänkerisch und rechthaberisch. Mehrere Wirtschaftskrisen hatten das stattliche Vermögen Margots und das eigentlich „Mündelsichere Kapital „ Josés schmelzen lassen .Margot, die nun ihre Schwester-Dienstmagd nicht mehr als gratis Hilfe sondern als zu stopfendes Maul ansah ,sann auf Abhilfe. Die glänzende Idee war bald gefunden, José war schliesslich Österreicher von Geburt, also konnte man ja ein Stipendium für sein Studium beantragen, denn er war, im Gegensatz zu Mutter und Tante nicht  Argentinier geworden, warum wusste José –eigentlich Josef—nicht.  Dem Antrag wurde stattgegeben und so flog José nun nach Wien. Wie gross war seine Überraschung, als er am Flughafen Wien-Schwechat von einer Dame mittleren Alters ,die eine grosse Karte mit seinem Namen  in der Hand hielt, abgeholt wurde. Diese Dame zerstörte ohne es zu wollen das Lügenpaket das Margot ihrem Sohn seit nunmehr achtzehn Jahren aufgetischt hatte. Sie, die Dame am Flughafen, begleitete José in ein schönes altehrwürdiges Hotel den „ König von Ungarn“ und dort in dem wunderschönen Innenhof bei einem erfrischenden Getränk erzählte ihm diese Dame, die die Sekretärin einer grossen Firma war, dass sein Vater—der in Lenbach verstorbene—sie beauftragt habe sich um ihn den Sohn zu kümmern. Sehen, nein sehen wollte sein Vater ihn nicht, zu schlimm waren die Erinnerungen an und zu teuer war die Scheidung von seiner Mutter Margot gewesen um nun diesen Sohn kennenzulernen. Die nette Dame, die schon seit vielen Jahren die Vertraute des Vaters Lionel war, erzählte dem staunenden José, wie seine Mutter den Studenten Lionel umgarnt hatte, wie sie zuerst liebenswürdig und charmant, und geradezu  devot gewesen war bis sie dann ein Kind erwartete. Lionel heiratete sie trotz heftigen Widerstands der Familie und aus der  liebenswürdigen  Margot wurde in wenigen Wochen eine unerträgliche Furie. Die Scheidung, kurz nach Josefs Geburt –den sein Vater n i e sehen wollte und auch nie gesehen hatte—war für Lionel extrem schwierig und ruinös; für Margot hingegen bedeutete diese Scheidung das ganz grosse Los. Lionel willigte nur dazu ein, wenn Margot und der kleine Josef sofort und definitiv aus Wien, Europa und vor allem aus Lionels Leben verschwinden würden.  

     Nun hatte Margot—weil das Geld weg war—auch dieses Versprechen dadurch gebrochen, dass sie ihren Sohn als Lockvogel nach Wien geschickt hatte. Aber Lionel bleibe stahlhart, solle sie, die Vertraute des Vaters, ihm bestellen. Er habe ja vom Staat ein Stipendium erbeten aber der Staat—der den steinreichen Vater natürlich ausfindig gemacht hatte—bat diesen nun zur Kasse. Vom Vater gebe es, ausser den auf das strikte Minimum berechnete Studiums-Kosten keinen Schilling, punkt Schluss und auf nimmer wiedersehen. Monatlich werde auf ein Konto ein minimaler Betrag zum Lebensunterhalt überwiesen, wie er mit dem wenigen Geld zurechtkommen würde sei sein Problem und nicht das von seinem erpressten Vater .Das Zimmer ist für eine Woche im Voraus bezahlt sagte die Vertraute des Vaters und empfahl sich. Zurück blieb ein José, dem alle Träume und Illusionen so plötzlich abhandengekommen waren..