Sind wir nicht alle, wenn wir ein gewisses Alter
erreicht und „gelebt“, also eine Vergangenheit aufgestaut,
haben, mit Backpackern zu vergleichen. Die wirklichen Backpackers tragen ihr
Hab und Gut immer mit sich herum, wir anderen haben einen virtuellen Rucksack
der uns immer begleitet. Ja, wenn wir neue Menschen kennenlernen, ganz egal in
welcher Situation, hat unser Gegenüber genauso wie wir selbst, seine ganze Lebenserfahrung
in einem unsichtbaren Rucksack bei sich. Unbefangen ist man in der Kindheit und
in den jugendlichen Anfängen des sich Kennenlernens, aber je länger und je
intensiver man lebt desto schwerer wird der Rucksack und damit die Annäherung
an neue Menschen. Sei‘s nun ,dass man eine neue Arbeit antreten soll oder neue
Bekanntschaften macht, immer drückt der virtuelle Rucksack, manchmal nur leicht,
oft aber sehr schwer auf unsere seelischen Schultern. Wie, ja wie kann ich für
einige Zeit meine Vergangenheit und die—nicht etwa nur schlechten—Erfahrungen
einfach vergessen. Man würde so gerne mit neuem Blick an neue Begegnungen
herangehen, aber der Teufel der
Erinnerung guckt uns immer über die Schulter. Ja dieser Teufel ist ja auch der
Erfinder des Phänomens des „Deja-vu“—des Französischen Wortes dass wohl alle
kennen—auch wenn sie mit der Sprache Voltaires nicht vertraut sind. Sei‘s beim allerersten gemeinsamen Essen
mit ein er/em neuen Partner/in oder
bei einem Vorstellungsgespräch mit dem eventuellen neuen Chef, es ist nicht der
Schalk sondern die Vergangenheit die einem im Nacken sitzt und bohrende Fragen
oder Randbemerkungen in unsere Ohren flüstert. Vermeiden lässt sich dies alles
nicht, es bleibt uns nur der Versuch damit luzide umzugehen um weiterhin Freude
am Leben zu haben.
Dienstag, 22. September 2015
Freitag, 18. September 2015
Freundschaftsdienst
Es ist ja schon seit der Antike bekannt, wenn du
jemandem einen Dienst erweist, machst du dir einen Feind, weil er sich in deiner Schuld fühlt. Es ist einfacher mit
dem Dienst unzufrieden zu sein als sich zu bedanken. Dazu eine kleine
Geschichte, ob sie erlebt oder erfunden ist spielt eigentlich kaum eine Rolle.
Es waren einmal zwei Freundinnen, die eine hatte einen Laden, einen Modeladen
mit schönen sehr modischen Kleidern. Nennen wir sie Roswitha, ihre Freundin
hiss Eveline. Warum diese zwei so unterschiedlichen Frauen befreundet waren hat
kaum eine andere ihrer Bekannten und Freundinnen je verstanden. Roswitha und Eveline verbrachten sehr viel Zeit
zusammen in dem Laden, sie schwatzten und tranken Kaffee und diverse
Light-Getränke. Kamen Kundinnen in die Boutique so kümmerte sich Roswitha um
sie ,meist kauften diese Frauen auch etwas, manchmal reservierten sie aber nur
dies oder jenes, um sich Bedenkzeit zu lassen. Ab und zu, aber eher recht
selten, wenn sie zum Arzt oder sonst wohin musste, bat Roswitha ihre Freundin
den Laden zu hüten. Eveline sagte nie nein, denn insgeheim beneidete sie ihre
Freundin um diese schöne Boutique, die sie nur dank ihres Mannes
Grosszügigkeit, vor einigen Jahren eingerichtet hatte. Ja
Roswitha hatte alles, einen Mann, zwei Kinder und diese beneidenswert tolle
Boutique. Eines schönen Tages fragte Roswitha ihre Freundin ob sie einverstanden
wäre, die Boutique für ein ganzes Jahr
zu hüten, denn sie und ihr Mann wollten mit den fast schon erwachsenen Kindern
zusammen eine grössere Reise unternehmen—so was wie eine letzte gemeinsame Zeit
bevor die Kinder studierten—. Eveline war natürlich Feuer und Flamme und sagte
sofort zu. Allerdings musste sie dazu auch die neue Mode für die nächsten
Saisons einkaufen. Roswitha erklärte ihr alles und empfahl ihr, den Verkäufern,
die sie schon seit Jahren kannte, zu vertrauen was Menge Grössen und Auswahl
betraf. Die Familie verreiste und Eveline kümmerte sich um die Boutique. Bald
merkte sie, dass die Stammkundinnen kaum je etwas kauften, nein sie
reservierten und dann traten sie vom Kauf zurück, dies fast systematisch. Auch
kamen immer weniger der Stammkundinnen, die Eveline ja auch vom Sehen her
kannte, in den Laden. Es war für Eveline unverständlich und sehr frustrierend.
Selbst im Ausverkauf konnte sie nur wenig—vor allem an
Laufkundschaft—loswerden. Trotzdem musste sie die neue Kollektion einkaufen.
Sie war sicher, dass die von Roswitha gekauften Sachen nicht dem Kundenwunsch
entsprachen und so schlug sie die Ratschläge der Verkäufer in den Wind und
suchte selbst, nach ihrem Geschmack, aus. Nichts, oder fast nichts der so gut
ausgesuchten Sachen brachte Eveline an den Mann, beziehungsweise, richtiger, an
die Frau. Als Roswitha, nach einem Jahr
zurückkam, hatte ihr ihre LADENHÜTERIN statt gute Umsatzzahlen nur sehr viele
LADENHÜTER zu präsentieren. Komisch ,dass die
Freundschaft danach nicht mehr so richtig innig weiterging.
Mittwoch, 16. September 2015
Vorstellungstermin
Nie zuvor und auch fast vierzig Jahre danach habe ich
so etwas gesehen. Es war komisch und erschreckend zugleich, das
schwierigste dabei war, selbst das Gesicht zu wahren, während das Gesicht
des Protagonisten zerfiel, zerbröckelte und einfror.
Ja damals Ende der Siebzigerjahre, ich war
seit fünfzehn Jahren schon in der selben Firma im Aussendienst und fühle mich
etwa so wie ein altes Möbelstück behandelt, das zwar immer da ist, welches man
aber nicht mehr pflegen muss. Als mich dann ein Kollege einer anderen
Pharmafirma fragte, ob ich nicht Interessiert wäre mit ihm zusammen in seiner
Firma zu arbeiten, entschied ich, mich dort zu bewerben. Der
Kollege sagte mir allerdings, er habe schon mehrere Kollegen befragt und diese
seien auch schon zu einem Bewerbungsgespräch angetreten, aber er würde alles
stoppen, sollte ich mich bewerben, denn er habe mich seit Jahren als
kompetenten und beliebten Mitarbeiter kennengelernt und da wir ja
zusammenarbeiten würden wäre er froh es mit mir und nicht mit –er nannte mir
die anderen Kandidaten—so mittelmässigen. Warum er mehrere Kandidaten
angesprochen hatte erfuhr ich erst viel später, ja die Firma zahlte für jeden
valablen Kandidaten dreihundert Franken und für den Kandidaten auf den die Wahl
fiel zweitausend. Weil nun mein zukünftiger Kollege eine sehr enge Beziehung
zum Materiellen hatte, schickte er mehrere Kandidaten nach Basel um sich mehr
Geld zu sichern, denn alle waren irgendwie als valabel einzustufen, arbeiteten
sie doch seit Langem in anderen Firmen.
Also ging ich nach Basel zu einem Gespräch, ich wurde
von mehreren Personen getestet und dann gefragt, ob ich einverstanden sei, da
ich in die engere Wahl komme, zu einer renommierten Psychologin zu gehen. Ich
war einverstanden, würzte aber mein Einverständnis mit einem kleinen
Psychotest, ja ich bat—um keinen Arbeitsausfall bei meinem jetzigen Arbeitsgeber
zu haben— und da es meine Ehrlichkeit nicht zuliess einfach frei zu nehmen, an
einem Samstag oder Abends nach Achtzehn Uhr zu diesem Test zu gehen. Dies
beindruckte meine eventuell zukünftige Chefin ausserordentlich. Nach
absolviertem Test bei einer sehr charmanten älteren Psychologin, die dem Namen
nach zum „Basler Daig“ gehörte, wurde ich zu einem finalen Gespräch nach Basel
eingeladen, an einem Samstag!! Um zehn Uhr früh fand ich mich in der Firma ein
und wurde von der Chefin persönlich abgeholt, weil der Pförtner—der ja sonst
samstags nie da sein musste—verspätet kam. Ihre
Psychologische Beurteilung ist sehr positiv sagte mir die Chefin schon im
Fahrstuhl in die obere Etage. Man bot mir Kaffee an und fragte mich ob ich die
Stelle—zu den schon bekannten sehr guten Konditionen—annehmen wolle. Ich
bejahte und unterschrieb sofort den vorbereiteten Vertrag. Innerlich frohlockte
ich, da ich mit einem Schlag, nur schon mit dem Grundlohn und den grosszügigen
Spesen etwa fünfundzwanzig Prozent mehr
verdienen würde; dazu kamen ja noch—hoffentlich erreichbare— Prämien. Wir, der Personalchef,
der Direktor und meine „jetzt“ Chefin plauderten noch angeregt, bis etwa
viertel vor elf. Dann verabschiedete ich mich und nahm den Lift zum Ausgang. Als der Fahrstuhl sich öffnete stand ein Kollege,
den ich natürlich seit Jahren kannte, vor der
Tür. Als er mich sah und erkannte fror sein Lächeln ein und
dann wurde sein Gesicht plötzlich wie
versteinert und er sagte. Du bist also der andere in der Endrunde, dann ist es
ja für mich gelaufen, ich muss gar nicht mehr
hinaufgehen. Ich versuchte ihn zu
beruhigen, sagte nicht dass ich unterschrieben habe und wollte mich
verabschieden. Aber er klammerte sich an mich und sagte, dass meine absolute Zweisprachigkeit
sicherlich ein grosser Vorteil sei. Ich
liess ihn in diesem Glauben und schützte Beschäftigung vor, als er mich bat,
doch auf ihn zu warten.
Montag, 14. September 2015
Dissoziiertes Paar
Nein, so wollte er nicht weiterleben, so nicht mit
dieser zwar sehr hübschen aber stinklangweiligen Regula. Schon ihr Name, sie
verabscheute Kosenamen, war ihm mit der Zeit zuwider geworden, er fand—sagte es
ihr aber nie—das töne nach Regelblutung. Und eben, Regelblutung, Kopfschmerz,
Rückenbeschwerden, Völlegefühl einfach alles war bei Regula Ausrede um keine
Zärtlichkeiten ertragen zu müssen. Wenn Regula ab und zu doch einwilligte
den—wie sie sagte—Beischlaf zu akzeptieren, hatte er das Gefühl mit einer Puppe
oder gar mit einer Schlafenden zusammen zu sein. Regula war sexuell langweilig
und absolut phantasielos. Sie liess es wie eine Naturkatastrophe über sich
ergehen. Zwar waren
sie schon bald sieben Jahre zusammen aber Regula wurde immer langweiliger, das
Einzige was ihr Freude zu machen schien war Shoppen. Oliver ging immer öfter
allein aus, mal ins Kino—Regula mochte nur honigsüsse Liebesschnulzen—mal mit
den Kollegen ins Stammlokal, auch fing er wieder an ein wenig Sport zu machen.
Ein grosser Sportler war er nie gewesen aber ein wenig Bewegung konnte ja
nichts schaden. Er brachte, nach vielen Jahren sein altes Fahrrad wieder in
Schuss und kaufte sich einen Helm, so etwas schien heutzutage üblich zu sein. An
diesem Samstag nun fuhr er schon sehr früh, als Regula noch schlief, um eine
Radtour rund um den kleinen Greifensee zu machen. Noch vor sieben Uhr sah er
eine Radfahrerin am Wegrand die dabei war ihren kaputten Reifen zu wechseln.
Ganz Gentlemen hielt er und bot seine Hilfe an, lachend sagte die Fahrerin,
solche Galanterien, dachte sie, gebe es schon lange nicht mehr. Renate—so hiess
sie, wurde aber nur Renni genannt—und Oliver kamen ins Gespräch. Renni war etwa
fünfzehn Jahre älter als Oli, sie war absolut durchtrainiert, kein Gramm, nicht
mal ein Milligramm Fett war auf ihrem drahtigen Körper auszumachen. Warum Renni
„Renni“ genannt wurde merkte Oli beim gemeinsamen weiterfahren. Renni schwatzte
lustig darauf los während Oli ausser Atem strampelte was das Zeug hergab und
dabei immer mehr zurückfiel. Renni wartete und gab sich viel Mühe l a n g s a m
e r zu treten. Im Restaurant beim Fischessen kamen sie sich näher. Oli fragte,
ob sie alles so intensiv mache, die Antwort war klar und deutlich. Ja wenn du
das wissen willst, musst du schon zu mir kommen, dann zeige ich dir, dass nicht
nur Sport meine Zeit ausfüllt. So eine Sex(plosion) hatte er in seinem ganzen
Leben noch nie erlebt. Im Bett—was heisst hier Bett—es war in der ganzen
Wohnung überall und ohne irgendwelche Tabus….einfach irreal, Renni war
überwältigend. Renni machte bei vielen Sportereignissen mit, Marathon, Ironman,
Radrennen einfach alles was viel Energie brauchte, auch merkte Oli ,dass Renni
sehr viel ass aber durch den Sport ihr Gewicht und ihre Muskeln total kontrollierte.
Genauso apathisch wie sie in der Beziehung gewesen war
nahm Regula die Trennung hin, als hätte sie in all den Jahren nichts für Oli
empfunden. Renni und Oli wurden ein Paar, bald schon zog Oli bei Renate ein,
gross genug war das Haus und die Wohnung ja, da ihr Exmann damals als sie aus
einem Trainingslager zurückgekommen waren, nur seine Klamotten und einige
Bücher mitgenommen hatte und sich damit aus dem Staub gemacht hatte. Selbst zur
Scheidung war er nicht aus Argentinien, wo er nun lebte, zurückgekommen. Als
sie zusammengekommen waren war Oli knapp fünfunddreissig Renni also
einundfünfzig. Jahrelang akzeptierte Oli, jede freie Minute mit Renni zusammen
sportlich aktiv zu sein, Renni war in dieser Beziehung fast unersättlich auch
ihr Liebesleben wurde immer intensiver, was Oli mit der Zeit Probleme bescherte.
Jahre später, als er sich einmal über zu viel Sex beklagte musste er sich anhören, „glaubst du ich habe
einen viel jüngeren Mann genommen um sexuell zu darben“? und fand am nächsten Abend eine grosse Packung
Potenzpillen neben seinem Abendbrotteller als sie beide von einem Waldlauf
zurück nach Hause kehrten. Und jetzt sann Oli wie er es vermeiden könnte wenigstens an diesem Wochenende nicht erneut
mit dem Schlauchboot über Stromschnellen fahren zu müssen. Als sie Freitags zu
später Stunde, beide mit Fahrrädern, Anhänger und der ganzen Campingausrüstung
sowie dem Schlauchboot an ihrem Geheimort in den Bergen am reissenden Fluss angekommen
und ihr kleines Camp aufgebaut hatten wollte Renni das Boot aufblasen. Wo ist
die Pumpe, fragte sie recht unwirsch. Ja hast du sie denn nicht, wie immer, in
deinen Anhänger gepackt antwortete Oli scheinheilig, die ist doch immer in
deinem Wagen. Er hatte die Pumpe, als Renni noch mal schnell Pipi machte aus
dem Anhänger entfernt und an ihren Aufbewahrungsort zurückgetan. Der
Ventilansatz der Fahrradpumpen war viel zu klein um damit das Boot aufzupumpen
und die nächstgelegene Garage weit genug entfernt sodass eine Fahrt dahin
keinen Sinn machte. Das ganze hatte auch noch einen kleinen, für Oli sehr
schönen, Nebeneffekt, da Renni sauer war, schlief sie –was nur selten
passierte—ohne Sex ein. Nirgendswo war
am Samstag eine Pumpe aufzutreiben, dies brachte Renni dazu auszuflippen. Nun
in ihrer unkontrollierten Wut kam ihr Alter voll zur Geltung, der Charme war
gebrochen und Oli musste sich auf die Schnelle eine neue Bleibe suchen.
Sonntag, 13. September 2015
Traumgarderobe
Lothar hatte eine recht grosse Wohnung. Er hatte es
sich so eingerichtet, dass er viele verschiedene Schränke besass .Der Grund dafür
war, sein Gewicht. Ja es schwankte sehr, ging rauf, dann wieder runter und
wieder rauf so wie es allen Menschen mit Gewichtsproblemen bekannt sein dürfte;
ausser jenen, denen es ganz egal ist zuzunehmen, die also kein Gewichtsproblem
haben und die auch nie den Versuch—sich schlankzuhungern—unternehmen. Bei
Lothar war das ganz anders, jedes Mal wenn er einen neuen „Freund“ hatte fing
er eine strenge Diät an, je intensiver das Liebesverhältnis war, desto
schneller purzelten die Pfunde. Wie so oft bei schwulen Paaren setzte die Promiskuität,
manch grosser Liebe wenn nicht ein Ende, so doch einen Dämpfer , oder gar eine Unterbrechung
der Beziehung, auf. War Lothar schuldig an dieser „Liebespause“ hatte
also was Neues in (L)(P)etto, ging alles seinen gewohnten Weg, er blieb
Gewichtsstabil war aber der Freund Schuld an der Liebespause oder –noch
schlimmer—am Liebesende tröstete sich Lothar, indem er –bildliche gesagt—im
Kühlschrank lebte und in wenigen Wochen mehr zulegte als er je zuvor verloren
hatte. Dies war nun schon seit vielen Jahren so und das erklärt die vielen
Schränke. Ja jeder Schrank war, nicht
etwa einer bestimmten Moderichtung zugedacht, nein einer bestimmten
Kleidergrösse. 50,52,54,56,58,60 waren die Schränke, virtuell, angeschrieben. Mäntel,
Anzüge Jacken Hosen Hemden Pullis und auch Leibwäsche befanden sich fein
geordnet im jeweils passenden Schank. Als grossen Trost empfand Lothar, dass
Schuhe und Socken n i c h t in den Schränken aufbewahrt werden mussten,
dies war eine, beziehungsweise zwei, Sorgen weniger. Jeder neue Liebhaber
fragte selbstverständlich nach diesen Schränken—die natürlich nicht mit den
Kleidergrössen angeschrieben waren—dazu war Lothar viel zu eitel. Einmal, als
Lothar einen süssen jungen neuen Liebhaber gefunden und zu sich nach Hause abgeschleppt
hatte, sie ein ganzes Wochenende lang kaum aus dem Schlafzimmer gekommen waren,
kam der Zeitpunkt wo der Süsse die grosse Wohnung inspizieren wollte. Stolz
zeigte Lothar alles was er besass, auch die Schränke, dies sogar mit Erklärung.
Siehst du, mein Liebling, wenn ich so glücklich wie mit die bin purzeln die zu
vielen Pfunde einfach weg und schon bald kann ich die nächst kleinere Garderobe
wieder anziehen; und diesen Schrank mit der kleinsten Grösse brauche ich, wenn
wir zwei, mein Süsser, ein Jahr Zusammensein feiern, dann laden wir alle Freunde
ein und feiern meine jugendliche schlanke Figur. Du träumst wohl, sagte der
süsse Liebhaber, dabei dachte er an die
Beziehung, Lothar dachte an Grösse 50
! Seit diesem Liebeswochenende,
das leider nicht wiederholt wurde, nennt Lothar seine Reserveschränke „meine
Traumgarderobe“
Freitag, 11. September 2015
Streber
Alle in der Schule hielten Dieter für ein Riesen-AL. Selbst
den Lehrern ging dieser fiese Streber auf den Sack, auch die Lehrerinnen fanden
ihn zum Kotzen. Lag es an seinem familiären Hintergrund, denn seine Eltern
waren sehr streng mit ihm? Der Vater war höherer Polizeibeamter, einer von der
unangenehmsten, sadistischen Sorte, die
Mutter hingegen war das was man früher als Waschweib bezeichnete, sie arbeitete
Halbzeit als Hilfskraft im Kirchgemeindehaus der Reformierten Kirche. Bigott
waren schon die Grosseltern gewesen, das heisst sie waren es noch immer. Beide
Opas waren Lehrer und ihre Frauen die Omas hatten sich um Haushalt und
Kinderdressur gekümmert; ja Erziehung war in diesen Familien ein totales
Fremdwort gewesen. So waren die beiden Opas, die ja ein Leben lang in derselben
Schule unterrichtet—eigentlich gewütet—hatten und der Vater im Kirchenrat und
kontrollierten alles was in der Gemeinde passierte. In welcher politischen
Partei sie militierten sei dahingestellt, wo immer es war, sie, die beiden Opas
und der Vater, hatten das Sagen! Nun zurück zu unserem „Goldstück“ Dieter. Er
nahm sich alles was er zuhause mitbekam sehr zu Herzen, besonders wenn die
zwei Opas ihrem Sohn, seinem Vater,
beziehungsweise Schwiegersohn zuhörten als der erklärte wie er Verdächtigen Fallen stellte und die
Freude die er fast schon körperlich empfand wenn die Schuldigen dann auch in
die gestellte Falle tappten und so der gerechten Strafe zugeführt werden
konnten. Dieter machte es genauso, er spionierte die Mitschüler aus und petzte
nicht etwa im Geheimen, nein er meldete sich vor der ganzen Klasse zu Wort, um
dem Lehrer die Sündenböcke zu nennen welche dies oder das angestellt hatten.
Auch in der Freizeit musste man sich vor Dieter in Acht nehmen, er versteckte
sich da wo er glaubte, oder gar wusste, dass die Mitschüler nach der Schule
ihre verbotenen Streiche und Ungezogenheiten anstellten. Dieter machte im
Religionsunterricht sehr eifrig mit und petzte dem Pfarrer alle schlimmen Worte
und Taten seiner Mitschüler. Der Pfarrer war ein alter vergrämter humorloser
kinderloser Witwer, seine Frau war vor vielen Jahren, noch sehr jung,
verstorben und es war für ihn Labsal diese bösen Kinder, die Dieter ihm mit
allen Einzelheiten ans Messer lieferte, gebührend zu ermahnen oder gar zu
bestrafen. Das schlimmste war, wenn der Herr Pfarrer sich für einen Besuch bei
den Eltern des Sündenbockes ankündigte. Ja Dieter war der aufrechte Helfer der
Schule und der Kirche. Er musste viel lernen, drei Mal wöchentlich bei dem
einen und vier Mal wöchentlich bei dem anderen Opa, der ihn auch am Sonntag in
Religion unterrichtete. Dadurch war er
den anderen meilenweit voraus und hatte doch noch Zeit zu intrigieren.
Inzwischen war man im sechsten Schuljahr, wo der Weizen von der Spreu getrennt
werden musste, die einen kamen ins Gymnasium, die anderen entweder in die
Sekundarschule oder—die weniger begabten—in die Realschule. Vor dem Abschluss des
Schuljahres der Klasse war ein Ferienlager anberaumt, alle Schüler waren dabei.
Eine Woche Wanderung im schönen Hinter-Rheintal. Alle, Schüler und Lehrer kamen
erholt von dieser Erfahrung nach Hause, nicht so Dieter, er war unglücklich
ausgerutscht und tief ins Tal gestürzt. Die religiöse
Abdankfeier war sehr ergreifend mit dem Gesang der vereinten Schulklassen „ Ich
hat einen Kameraden“. Warum dann auf dem Friedhof eine so fröhliche Stimmung
herrschte blieb den Eltern und den Grosseltern ein Geheimnis, sie dachten
sicherlich dass die Erinnerung an ihren über alles geliebten Dieter alle so
fröhlich gestimmt hatte.
Mittwoch, 9. September 2015
Faule Eier
So einfach ist es gar nicht, spontan seinen Unwillen
auszudrücken, indem man jemanden mit matschigen Tomaten und faulen Eiern bewirft! Ich frage mich, wie spontan kann den
ein Wutausbruch der Bauern, die in der Hauptstadt, das Landwirtschaftsministerium
mit faulen Eiern und matschigen Tomaten bewerfen, sein. Bis Eier so richtig
faul sind, dass es bis ins Büro des Ministers stinkt, müssen diese Eier ja mindestens zwei—besser drei bis vier—Monate
ungekühlt aufbewahrt werden. Bei den Tomaten geht’s schneller es ist aber keineswegs
einfach hier den idealen Zeitpunkt zu erwischen. Dies zwingt die
unzufriedenen Bauern, den spontanen Ausdruck der Unzufriedenheit Monate im
Voraus zu planen, sonst stinken die Eier
nicht richtig und die Tomaten sind nicht
in der Lage die Wände und Fenster fernsehwirksam einzufärben. Darum kann ich
den Landwirten, eigentlich nur raten, mit Gülle und Mist in ihre Hauptstadt
oder gar gen Brüssel zu ziehen, denn diese wirksamen protestunterstreichenden
Hilfsmittel sind immer—wenn sie auch danach zum Düngen der Felder fehlen—in
grosser Menge vorhanden. Noch ein kleiner Tipp, Gülle und Mist der Bretonischen
und Holländischen Schweinezüchter ist um vieles penetranter als der Kuh oder
gar der Pferdemist.
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