Mittwoch, 18. Mai 2016

Böser Börsianer

Ihm, nennen wir ihn—nicht ohne Grund—Thomas, war es über die Jahre hinweg gelungen, in die sogenannt „besseren Kreise“ aufzusteigen.Er tummelte sich auf Golfplätzen, im Opernfoyer, auf angesagten Kunstvernissagen und in den sogenannten „ in-Lokalen“ herum. Alle hatten den Eindruck ihn, Thomas schon seit immer zu kennen, dabei war er erst vor knapp einem Jahr in diese mittelgrosse Stadt gekommen. In dieser Stadt lebte eine sehr kleine Oberschicht so diskret und zurückgezogen, dass kaum einer von ihrer Existenz wusste. Daneben eine bunte Gesellschaft von möchtegern-Prominenten, die wohl meist mehr Geld als Verstand hatte. Thomas lebte in einer Mietwohnung, es war eine Art Penthaus im Stadtzentrum. Er lebte alleine mit einer alten Haushälterin die sich um sein leibliches Wohl kümmerte. Wovon er so gut lebte, wusste keiner so genau, aber man nahm an, dass er irgendwelche Börsengeschäfte machte. Thomas war ein Meister darin, mit kurzen Bemerkungen über erzielte Börsengewinne, die Neugier—Betonung auf Gier—seiner sogenannten Freunde zu wecken. Es fing damit an, dass ein Schönheitschirurg, der nicht wusste wohin mit dem gescheffelten Geld, ihn nach einem Tipp, das hartverdiente Geld gewinnbringend anzulegen fragte. Unser Thomas, der doch einiges von der Börse begriffen hatte, erwähnte so nebenbei, diese Firma plane einen Börsengang, da werde er, Thomas, sicherlich einsteigen. Der gierige Chirurg tat es ihm gleich und machte in nur wenigen Wochen einen überaus grossen Gewinn. Hätte unser Chirurg die Handelszeitung aufmerksam gelesen –und verstanden—hätte er den nur so dahingeworfenen Tipp von Thomas nicht gebraucht; die Presse war ja die einzige Informationsquelle von Thomas.  Wie ein Lauffeuer verbreitete die Kunde vom Riesengewinn sich in dem Kreis der neureichen möchtegern Promis. Nun fragten viele, wenn sie mit Thomas zusammen waren nach Tipps ihr Geld zu vermehren. Thomas  dosierte seine Ratschläge auf raffinierte Art und Weise, sodass sich die wenigen die von seinen Ratschlägen profitierten  bevorzugt fühlten. Dann etwa ein Jahr später, Thomas war als Börsenguru zur Institution geworden, drängte viele ihn, Thomas, doch für sie Geld zu investieren. Thomas zierte sich, warnte auch  immer, dass Geld Zeit brauche um sich zu vermehren und durchwegs ein nicht zu vergessendes Risiko Verluste einzustecken zu müssen bestehe ,doch dann liess er sich breitschlagen und nahm Geld an dass er für die Freunde investierte.                       Es waren viele Millionen und keiner der Investoren hinterfragte was mit dem Geld geschah. Am angesagtesten Event des Jahres, dem Opernball, auf den hin sich die ganze Hautevolee konzentrierte, wurden  dort doch immer Sponsorengelder gesammelt und die Höhe der Spenden verkündet! fehlte Thomas. Dass auch das schöne, ihm anvertraute Geld fehlte, trug wesentlich zur  allgemeinen Katerstimmung in den Tagen nach dem Opernball bei.


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